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Fußball und Literatur
Zehn Jahre "Torwort"

Um den Fußball werden oft zu viele Worte gemacht. Aber manchmal sind diese Worte nahezu literarisch - wie am vergangenen Samstag Abend in Köln. Dort feierte die Fußball-Lesung "Torwort" ihren zehnten Jahrestag. Zum Jubiläum mit einer Fußball-Fiktion.

Von Martin Rapp | 12.01.2014
    "Eine der spannendsten Spielzeiten wartet nun auf ihre Entscheidung und Sie sind live dabei. Wir geben ab zur Meisterkonferenz und hoffen auf einen unvergesslichen Spieltag. Sascha in Aachen, kannst Du uns hören? – Ja, Peter! Liebe Zuhörer dort draußen im Sendegebiet, ein herzlicher Willkommensgruß aus dem Tivoli in Aachen, wo diese unglaubliche Bundesliga-Saison 2014/2015 auf die Zielgerade geht.“
    Das Geschenk zum zehnten Geburtstag der Fußball-Lesung "Torwort" ist an diesem Januar-Samstag eine Zeitreise in eine erträumte Zukunft. Die Hammond-Bar in der Kölner Südstadt ist brechend voll. Die knapp 100 Gäste sind mehrheitlich Anhänger des 1. FC Köln. Für sie ist es ein besonderes Vergnügen, dass gerade ihr Verein im Fernduell mit dem FC Bayern, der bei Alemannia Aachen zu Gast ist, um die deutsche Meisterschaft kämpft.
    Auch Sascha Theisen lebt mit der Reportage einen Traum. Denn sein Verein, die Alemannia aus Aachen, spielt derzeit nur in der Regionalliga West.
    Die halbstündige "Torwort-Reportage“ nimmt die oft übertriebenen Ausschläge des Fußballs aufs Korn: erratische Funktionärsentscheidungen, das Hin und Her am Transfermarkt, den Schönheitswahn mancher Spieler, die Diskussion um Stehplätze in den Stadien. Die Kommentatoren sitzen im Nebenraum. Die Gäste sind stilecht nur über Lautsprecher dabei. Und lauschen inmitten von Fußball-Devotionalien den Torworten.
    Sascha Theisen und Peter Schmitz haben "Torwort " vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Eigentlich als einmalige Veranstaltung geplant hat die Beiden der große Zuschauerzuspruch überzeugt, weiterzumachen. Sascha Theisen:
    "Das war so die Zeit, in der Magazine wie '11 Freunde' oder Fußballbücher rauskamen. Ich würd' mal so sagen, das war die Gründungszeit der Fußballkultur. Und wir wollten einfach damals so ein bisschen zeigen, Fußball ist eben mehr als nur Ergebnissport. Es beschäftigt einfach Leute 24 Stunden am Tag und nicht nur 90 Minuten am Platz. Und diese Zeit außerhalb dieser 90 Minuten, die wollten wir einfach mal erzählen. Das tun wir eigentlich mit Torwort bis heute.“
    Alle zwei bis drei Monate veranstalten Theisen und Schmitz ihr Wortspiel rund um den Fußball. In zwei Halbzeiten, meistens mit Verlängerung, lesen verschiedene Autoren ihre Texte, aufgelockert durch audiovisuelle Fundstücke rund um die wichtigste Nebensache der Welt.
    An diesem Abend kommt Frederic Latz mit einem eigenen Text zu Wort. Er erinnert an seinen anekdotenreichen Trainer in der Kreisklasse. Dessen Karriere in der Junioren-Nationalmannschaft nahm unter Dettmar Cramer ein jähes Ende – wegen einer Zigarette zu viel noch vor dem ersten Spiel.