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FußballZu wenig Engländer und zu wenige Talente

Der englische Fußball-Verband FA schlägt Alarm und will jetzt nach einem Vorschlag einer Kommission einen Weg im Fußball beschreiten, wo Deutschland schon wieder auf dem Rückzug ist.

Von Jochen Spengler | 10.05.2014

Der englische Fußballverband FA schlägt Alarm. Wir haben ein Problem und wir sind einig, dass dagegen etwas getan werden muss, sagt Greg Dyke, der FA-Vorsitzende.
Vor 20 Jahren waren noch mehr als zwei von drei Spielern in der Premier League Engländer und konnten damit in die Nationalmannschaft berufen werden. 2013 waren nur noch 32 Prozent der Fußballer in der höchsten Liga und 51 Prozent in der zweiten Liga englisch. "In den vier Spitzenmannschaften 2013 waren sogar nur 28 Prozent der Eingesetzen Engländer. Die Vergleichszahlen für diese Saison zeigen, dass in denselben vier Clubs die Zahl von 28 auf 23 Prozent gesunken ist. Wir sollten besorgt sein."
Denn dass mehrheitlich Ausländer in der Premier League spielen, hat Folgen für die jungen englischen Talente, die von den Nachwuchs-Fußballakademien in die Spitzenklubs wechseln. "Es gibt für gute 18- bis 21-jährige unzureichende Spielmöglichkeiten in den Topvereinen. Und wenn wir jungen, englischen Fußballern nicht die Gelegenheit geben, ihr Höchstpotential zu erreichen, dann versagen wir. Kurz gesagt. Ich glaube wir haben eine Pflicht uns um den englischen Fußball zu kümmern und nicht nur um den Fußball, der in England gespielt wird."
Die mangelnde Spielpraxis für den englischen Nachwuchs hat nämlich Folgen für Potential und Niveau der englischen Nationalelf und ihr Abschneiden bei internationalen Wettbewerben. Der ehemalige Nationalspieler Dany Mills prognostiziert: "Wenn das so weitergeht, werden wir mit einer Nationalelf enden, in deren Reihen Zweitligaspieler eingesetzt werden. Ein WM-Titel für England wäre dann eher die Ausnahme als die Regel."
Eine FA Expertenkommission unter Leitung von Greg Dyke hat nun erste Vorschläge gemacht, dieses Problem anzupacken: Herzstück der Reform soll die Einführung einer neuen Spielklasse sein, unterhalb der 92 Vereine, die in der Premier League und den Divisionen der Football League antreten.
Zu dieser neuen Liga Drei sollen 10 B-Mannschaften der Premier League-Clubs und 10 Mannschaften der unteren Conference-Spielklasse gehören. 20 von 25 Spielern eines B-Teams müssen zuhause ausgebildet sein, das heißt vor ihrem 21. Geburtstag mindestens drei Saisons in England oder Wales gespielt haben. "Ein B-Team wird das Nachwuchsentwicklungs-Aufgebot eines Premier League-Fußballvereins sein, kein bloßer Zulieferer, sondern voll integriert in den Mutterverein, mit seinem Namen, sein Eigentum und ein Teil von ihm."
Als Vorbild dienen die deutschen U23 Teams und die B-Mannschaften in Spanien. "Es sollte festgehalten werden, dass es ein Ergebnis der B-Teams ist, dass 18- bis 21jährige spanische Spieler zweieinhalb Mal mehr Fußballwettbewerbe austragen als ihre englischen Alterskameraden." Die Kommission strebt an, bis zum Jahr 2022 die Zahl, der in der Premier League eingesetzten Engländer, von derzeit 32 auf 44 Prozent zu erhöhen.
Deswegen sollen Ausländer aus Nicht-EU-Staaten gar nicht mehr in den unteren Ligen, sondern nur noch in der Premier League spielen dürfen und dort auch nur höchstens zwei pro Verein. Auch soll die Zahl der Spieler, die nicht in England oder Wales ausgebildet wurden, von derzeit 17 auf maximal zwölf sinken. Und von 25 im Kader sollen mindestens vier aus dem eigenen Club stammen.
Ob diese komplizierte Reform wirklich umgesetzt wird, das werden am Ende vor allem die finanzstarken und mächtigen Premier League-Vereine entscheiden. Sie gehören überwiegend Ausländern oder im Ausland registrierten Unternehmen.