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Gambenmusik aus dem 17. Jahrhundert

Auch die zweite CD, die ich Ihnen hier vorstellen möchte, ist englischer Gambenmusik gewidmet. Das internationale Ensemble "Phantasm", das 1994 von Laurence Dreyfus gegründet wurde und seinen Sitz in London hat, hat sich in seiner jüngsten Einspielung mit Consort Music von Orlando Gibbons beschäftigt. Gibbons gehörte zu den bedeutendsten englischen Komponisten des frühen 17. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten wurde Gibbons, der Organist und Virginalist am Hofe König Jakobs des I. war, vor allem als ausübender Musiker gefeiert. Sein Nachruhm begründete sich vor allem auf seine groß angelegten Anthems. Seine Musik für Violen-Consort ist jedoch kaum bekannt. Mit Consorts werden im 16. und 17. Jahrhundert in England instrumentale Kammermusik-Ensembles aus 4-6 Musikern bezeichnet. Dabei wird zwischen "Whole Consorts" mit Instrumenten nur einer Familie und den "Broken Consorts" mit verschiedenen Instrumenten unterschieden. Auch Gibbons hat seine Consort Music für bis zu 6 Gamben geschrieben, eine ganze Reihe "polyphonischer Kunststücke" so Laurence Dreyfus, die, wie die 6-teiligen Fantasien, "wahre kompositorische Kleinoden sind, von einer flüssigen Tonsprache und einer Konzentration an Ideen, dass man sie am besten als Gruppe hört. Ihnen zu lauschen ist, als schaue man durch ein Kaleidoskop: Man kann sich frei entscheiden, welchem Muster man in seiner Entwicklung folgen will, und gewinnt dabei jedes Mal neue Einblicke in den Zusammenhang des Ganzen."

    Doch das Gambenquartett "Phantasm" beließ es in seiner Aufnahme nicht bei den Original-Kompositionen für diese Besetzung, sondern bearbeitete auch geistliche Vokalwerke von Gibbons , eine in der damaligen Zeit durchaus gängige Praxis. Darüber hinaus wurden aber auch original für Tasteninstrumente geschriebene Werke für Gamben-Consort eingerichtet, die Musiker konnten nach eigenen Angaben, der Versuchung nicht widerstehen, "die filigranen Fasern der strengen Polyphonie Gibbons' zu entwirren". Ob solche "Freiheiten" in der historischen Aufführungspraxis legitim sind oder nicht, das mag jeder selbst entscheiden, die Faszination, die diese Musik auf die Interpreten ausübt, ist bei jedem Stück herauszuhören.

    Hier zum Abschluss ein Ausschnitt aus der Reihe von 6 Fantasien zu 6 Stimmen von Orlando Gibbons, die "Phantasm" in veränderter Reihenfolge eingespielt hat.
    Sie hören Laurence Dreyfus, Leitung und Diskant Gambe, Wendy Gillespie - Diskant Gambe, Jonathan Manson - Tenor Gambe, Markku Luolaja-Mikkola – Bass Gambe sowie Susanna Pell – Tenor Gambe und Asako Morikawa – Bass Gambe.

    • Musikbeispiel: Orlando Gibbons - Fantasies a6

    DIE NEUE PLATTE im Deutschlandfunk. Wir stellten Ihnen heute englische Gambenmusik aus dem 17.Jahrhundert vor. Sie hörten zunächst Vittorio Ghielmi mit "Short Tales for a Viol", erschienen bei der Musik-Edition Winter & Winter und zuletzt das Gamben-Ensemble "Phantasm" mit "Consorts for viols" von Orlando Gibbons, erschienen beim englischen Label AVIE.