Freitag, 03. Dezember 2021

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Geldanlage"Staatlich geförderte Produkte abschließen"

Die Senkung des Leitzinses hat viele Kleinanleger verunsichert. Von einer Enteignung der Sparer war die Rede. Michael Beumer von der Zeitschrift "Finanztest" verrät, wo Geld derzeit am besten angelegt ist und von welchen Anlageformen der Verbraucher lieber die Finger lassen sollte.

Michael Beumer im Gespräch mit Jule Reimer | 06.06.2014

Ein Taschenrechner und Münzen liegen auf einem Blatt Papier, auf dem Lebensversicherung steht
Die Verzinsung von Lebensversicherungen ist für Sparer derzeit unattraktiv. (dpa/picture alliance/Arno Burgi)
Jule Reimer: Wer sein Geld bewusst in Euro angelegt hat, dem verdarb die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank von gestern nur kurz die Laune. Der Euro fiel zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief, aber seit heute Morgen hält er sich schon wieder deutlich über 1,36 Dollar. Wer jedoch sein Geld eher in Spareinlagen oder Lebensversicherungen investiert hat oder will, der fragt sich bange, welches Minusgeschäft auf ihn zukommen könnte. Am Telefon in Berlin ist Michael Beumer, Anlageexperte bei der Stiftung Warentest. Herr Beumer, was bedeutet denn die EZB-Senkung für diejenigen, die ein Tagesgeldkonto oder eine Lebensversicherung haben?
Michael Beumer: Wenn man bei den Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten guckt, dann ist es so, dass in der Vergangenheit bei sämtlichen Zinssenkungen dann mit ein paar Wochen oder Monaten Verspätung die Banken auch nachgezogen haben. Das heißt, die Sparer müssen sich auf wieder sinkende Zinssätze einstellen. Bei den Lebensversicherungen ist es ein bisschen anders. Dort gibt es ja eine garantierte Zahlung. Die ist garantiert, die bleibt auch garantiert. Es wird für die Versicherer natürlich schwieriger, diese Marke zu erreichen, und deshalb werden die Überschüsse, die es über diese Garantie hinaus immer noch gegeben hat, sicherlich geringer werden oder gar ganz ausfallen.
"Neuabschluss einer Lebensversicherung zweimal überlegen"
Reimer: Würden Sie dann überhaupt noch den Abschluss einer Lebensversicherung empfehlen, oder sollten Leute vielleicht sogar ihre Lebensversicherung besser kündigen?
Beumer: Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Neuabschluss einer Lebensversicherung, den sollte man sich wirklich zweimal überlegen. Es ist dann eine Überlegung, wenn man im Alter auf die private Rente angewiesen ist, wenn man eine Rentenzahlung braucht zur Absicherung, dass man wirklich lebenslang Geld hat und das privat vorsorgen muss. Dann ist eine private Rentenversicherung natürlich schon eine wichtige Alternative. Ansonsten, wenn man es einfach nur als Kapitalanlage wählen will, dann sind sicher andere Formen besser. Wenn man jetzt eine Lebensversicherung hat, dann ist eine Kündigung meistens nicht sinnvoll. In Einzelfällen vielleicht schon, das muss man sich dann genau durchgucken.
Reimer: Was empfehlen Sie dann konkret denjenigen, die fürs Alter vorsorgen möchten unter den jetzigen Bedingungen?
Beumer: Für Altersvorsorge empfehlen wir immer, die staatlich geförderten Produkte abzuschließen. Das ist in erster Linie die Riester-Rente. Auch wenn die sicherlich kompliziert ist in ihrer Verfahrensweise, so sind die Produkte selber doch ganz gut. Die sind nämlich im Prinzip private Produkte, wo es dann noch die staatliche Förderung dazu gibt. Deswegen sind die einfach besser als andere Sachen.
Ein zweiter Weg ist noch die betriebliche Altersvorsorge, wird auch staatlich gefördert. Da gibt es dann auch vielleicht sogar noch vom Chef was dazu. Dann lohnt sich das auch.
"Kein schlechter Zeitpunkt" für Immobilienverkauf
Reimer: An vielen Orten Deutschlands sind die Immobilienpreise heute sehr hoch. Sollten Anleger, die sowieso über einen Verkauf ihres Hauses nachdenken, diesen Boom nutzen, denn die stehen ja nachher vor dem Problem, das Geld muss ja irgendwo hin?
Beumer: Ja, das ist immer schwierig zu sagen. Wenn ich jetzt sagen würde, nutzen Sie den Boom, verkaufen Sie, nächstes Jahr sind die Preise weiter gestiegen, dann sagen mir die Leute, was haben Sie denn empfohlen. Es ist schwierig. Wenn man jetzt verkaufen muss oder nachdenkt zu verkaufen, dann ist es sicherlich kein schlechter Zeitpunkt, zumindest in den Metropolregionen. Aber ich würde nicht sagen, dass man jetzt sagt, man verkauft jetzt, weil es vielleicht morgen schlechter wird. Das weiß man nicht.
Reimer: Dröseln Sie uns noch mal auf, welche Angebote aus Ihrer Sicht halbwegs ertragreich sind und von welchen Angeboten, wo es nach einer guten Rendite klingt, man besser die Finger lassen sollte.
Beumer: Wenn Sie auf Sicherheit setzen, dann sind Sie im Festzinsbereich, auch wenn es da im Moment wenig Zinsen gibt.
Finger weg von Genusscheinen
Reimer: Das sind ja teilweise ein, zwei Prozent oder so.
Beumer: Das ist richtig. Selbst die Spitzenreiter haben bei Tagesgeld 1,2/1,3 Prozent. Beim Festgeld müssen Sie, glaube ich, schon drei Jahre abschließen, um über zwei Prozent zu kommen, und das auch nur bei den besten. Da ist es wichtig, dass man tatsächlich guckt, dass man einen Anbieter findet, der hohe Zinsen zahlt. Ansonsten geht es nur, wenn man ein bisschen ins Risiko reingeht. Das heißt, dass man in Aktien investiert. Das kann man natürlich als Beimischung auch ganz gut machen, wenn man sagt, man hat Festgeld und nimmt noch einen Fonds-Sparplan dazu, wo man regelmäßig Aktienfonds kauft. Was gefährlich ist und wovon man auf jeden Fall die Finger lassen sollte, wenn man nicht ganz, ganz erfahren ist, sind die vermeintlichen Zinsangebote, die gar keine sind. Prokon war ein Beispiel dafür, die haben geworben mit einer festen Verzinsung, die sehr hoch war. Tatsächlich war das aber ein sogenannter Genussschein, und das sind andere Konstruktionen. Da muss man wissen: Bei Festgeldern ist das so, dass die je nach Institut mindestens 100.000 Euro europaweit gesichert sind. Bei den Genussscheinen ist es so, das ist Risikokapital, da kann die gesamte Einlage, die man dahin gibt, verloren gehen.
Reimer: Empfehlungen von Michael Beumer von der Zeitschrift Finanztest nach der Zinssenkung der EZB. Vielen Dank.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.