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Geldpolitik
Commerzbank erhebt Negativzins

Großkunden müssen bei der Commerzbank künftig einen Strafzins zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei ihr parken. Eine Folge davon, dass die EZB seit September auch von Geldhäusern einen Strafzins von 0,2 Prozent verlangt, wenn diese bei der Notenbank über Nacht Geld anlegen.

Von Stefan Wolff | 20.11.2014

    Das Logo der Commerzbank am Hauptsitz in Frankfurt am Main
    "Für Privat-, Geschäfts- und mittelständische Firmenkunden sind grundsätzlich keine negativen Zinsen geplant", heißt es von Seiten der Commerzbank. (picture alliance / dpa - Daniel Reinhardt)
    Von einem Negativzins möchte man bei der Commerzbank nicht sprechen. Erst recht nicht von einem "Strafzins". Aber: Wie es auch heißen mag, für einige Kunden werden Guthaben nicht mehr verzinst. Geld zu lagern, kostet Geld.
    "Bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern behalten wir uns vor, für hohe, aus überschüssiger Liquidität bei uns geparkte Einlagen, eine Guthabengebühr zu berechnen", heißt es in einer Mitteilung der Commerzbank. Vors Mikrofon war niemand zu bekommen. Dafür ist das Thema zu sensibel, auch wenn die Bank betont:
    "Für Privat-, Geschäfts- und mittelständische Firmenkunden sind grundsätzlich keine negativen Zinsen geplant."
    Strafzinsen könnten dennoch auch kleine Sparer treffen
    Doch wer die Großkonzerne sind, bleibt vage. Hinter vorgehaltener Hand ist von Unternehmen die Rede, die etwa 250 Millionen Euro Umsatz im Jahr machen. Die Einlagen, die dann mit einer Gebühr belegt werden, müssen dem Vernehmen nach achtstellig sein, also über zehn Millionen Euro liegen. Das trifft die wenigsten und doch treffen solche Gebühren oder Strafzinsen auch den kleinen Sparer.
    Zu den "institutionellen Anlegern" gehören Versicherer ebenso wie Fondsgesellschaften. Wenn also ein Fonds hohe Barreserven hat und diese bei der Commerzbank lagert, werden Gebühren fällig, die natürlich an den Fondssparer weiter gereicht werden. Wie hoch die Gebühren sind, lässt die Commerzbank offen:
    "Bei der Erhebung der Guthabengebühren werden wir sorgsam vorgehen und besondere Rücksicht auf Liquiditätsbestände unserer Kunden nehmen, die für den laufenden operativen Geschäftsbetrieb notwendig sind. Im Falle kurzfristiger Einlagen zeigen wir unseren Kunden geeignete alternative Anlagemöglichkeiten für ihre überschüssige Liquidität auf", heißt es in der Mitteilung.
    Im Juni dieses Jahres hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins auf minus 0,2 Prozent gesenkt. Banken, die Geld bei der EZB parken, zahlen seither darauf 0,2 Prozent Zinsen. Einige Banken haben diese negativen Zinsen schon an Firmenkunden weitergereicht. Auch solvente Privatkunden sind in Einzelfällen betroffen.
    Die kleine Skatbank mit Sitz in Altenburg verlangt seit Ende Oktober einen negativen Zins. Allerdings erst für Einlagen ab 500.000 Euro. Für sie müssen Sparer dort 0,25 Prozent Zinsen zahlen. Die ebenfalls zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken gehörende DZ Bank folgte mit Guthabengebühren für institutionelle Kunden. Die werden inzwischen auch bei anderen Depotbanken zur Kasse gebeten.