
Die Initiative "Gen Z regelt" hat zu bundesweiten Protesten am Samstag aufgerufen. Die Bewegung ist mithilfe von Social Media rasant gewachsen. Ihre Organisationsstruktur ist jedoch in weiten Teilen unklar. In mehr als 30 Städten sollen Demonstrationen stattfinden, zu denen sich bisher fast 150.000 Menschen angemeldet haben sollen. Ihre Forderungen stoßen in Teilen der Gesellschaft auf Verständnis. Zugleich gibt es Befürchtungen, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte.
Organisation und TikTok-Trend: Wer steckt hinter "Gen Z regelt"?
Nach Angaben eines der Organisatoren besteht das Organisationsteam von "Gen Z regelt" aus rund 30 jungen Menschen, die sich erst vor wenigen Wochen über soziale Medien gefunden haben.
Die Bewegung ist demnach durch einen TikTok-Trend entstanden, in dem zu Demos am 31. Oktober und am 20. November aufgerufen wurde. Das sei vor allem unter vielen jungen Menschen viral gegangen, die zuvor bereits in sozialen Bewegungen und im Klimaschutz aktiv gewesen seien. Anschließend wurde eine Website gestaltet, um zu bundesweiten Protesten aufzurufen.
Von Bildung bis Wehrpflicht: Welche Ziele die Bewegung verfolgt
Die Initiative hat einen breiten Forderungskatalog: mehr Geld für Schulen und Bildung, aber auch für Psychotherapie und ein bezahlbares Leben. Darüber hinaus gibt es Forderungen nach mehr sozialer und Generationengerechtigkeit, nach mehr Klimaschutz sowie nach einem Nein zur Wehrpflicht.
Genau diese Themen bewegen junge Menschen seit Jahren, kann Sozialforscher Kilian Hampel aus seiner eigenen Arbeit bestätigen.
Bei vielen hätten sich Ohnmachtsgefühle und eine Art Dauerkrisenmodus verfestigt. Sie hätten den Eindruck gewonnen, nicht gehört und mit ihren Problemen alleingelassen zu werden.
Unterstützung aus der Politik: Verständnis für die Forderungen
Ihre Forderungen hat die Initiative in einem Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigt. Unterzeichnet wurde das Schreiben unter anderem von der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Die Linke, Heidi Reichinnek, und der Grünen-Politikerin Ricarda Lang.
Auch die Jugendorganisationen beider Parteien unterstützen die geplanten Proteste. Gleiches gilt für den Leipziger Oberbürgermeister und Städtetagspräsidenten Burkhard Jung (SPD). Die Politik müsse die Anliegen junger Menschen ernst nehmen, so Jung gegenüber den Funke-Medien. Dieser Einschätzung schließt sich Jugendforscher Hampel an.
Sorgen vor Ausschreitungen: Warnung vor "französischen Zuständen"
Obwohl sich die Initiative selbst explizit gegen Gewalt ausspricht, haben sich zahlreiche Schülervertretungen sowie die Bundesschülerkonferenz von der Bewegung und den geplanten Demonstrationen distanziert. Sie begründen das unter anderem mit der unklaren Organisationsstruktur der Initiative. Zudem planen sie eine eigene Demonstration für bessere Bildungspolitik am 20. November in Berlin.
Auch in Teilen der Sicherheitsbehörden und der Politik stößt die Initiative auf Ablehnung. Dort überwiegt die Sorge vor Ausschreitungen.
Sowohl der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Jochen Kopelke, als auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) warnen vor "französischen Zuständen". Die Junge Union Berlin-Mitte forderte darüber hinaus den Einsatz der Bundeswehr, um "Terror wie in Paris" zu verhindern.
Jugendforscher Hampel hingegen rechnet nicht mit größeren Ausschreitungen wie zuletzt in Frankreich. Die Ausgangslage und die Protestkultur in Deutschland seien andere.
Auch die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sagte, es gebe keine konkreten Hinweise darauf, dass es in der Hauptstadt zu Szenen wie in Paris kommen könnte.
Online-Text: Rade Janjusevic, Quellen: Deutschlandfunk





















