
Das Thema Lehrermangel ist in der Debatte über die Bildung in Deutschland ein Dauerbrenner. Mancherorts erscheint die Lage inzwischen dramatisch: In Brandenburg fürchtet Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) wegen des Lehrermangels um die künftige bundesweite Anerkennung von Schulabschlüssen aus seinem Bundesland.
Dort ist der Mangel an Lehrkräften so groß, dass laut Hoffmann die Stundentafel im kommenden Schuljahr voraussichtlich nicht mehr eingehalten werden kann: Das ist die verbindliche Vorgabe der Schulverwaltung über die Anzahl der pro Woche zu unterrichtenden Stunden in einzelnen Fächern, Jahrgangsstufen und Schulformen.
Wie viele Lehrkräfte in Zukunft gebraucht werden
Laut dem Deutschen Schulportal der Robert Bosch Stiftung blieben zu Beginn des Schuljahres 2025/26 Tausende Stellen für Lehrkräfte an deutschen Schulen unbesetzt, obwohl viele Bundesländer inzwischen viele Quer- und Seiteneinsteiger beschäftigen. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern war der Mangel demnach groß.
Einer Einschätzung der Kultusministerkonferenz (KMK) von Ende 2025 zufolge stehen einem Einstellungsbedarf von 356.000 Lehrkräften in den Jahren 2025 bis 2035 lediglich 329.000 Neuabsolvierende des Vorbereitungsdienstes gegenüber.
Doch ein genaues, bundesweites Lagebild zu erstellen, ist schwierig, nicht überall ist das Problem so groß wie in Brandenburg: Sachsen hat gerade sogar angekündigt, wegen sinkender Schülerzahlen bis 2040 Tausende Stellen abzubauen.
Wo der Lehrermangel am größten ist
Eine Unterversorgung mit Lehrkräften gibt es Bildungsforschern zufolge vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern und ländlichen Gebieten. Viele Lehrkräfte fehlen im sogenannten Sekundarbereich I – das sind beispielsweise Haupt- und Realschulen sowie die Klassen 5 bis 9 beziehungsweise 10 an Gesamtschulen und Gymnasien. Kritisch ist die Situation aber auch im Sekundarbereich II in den beruflichen Fächern beziehungsweise an den Berufsschulen.
Wie viele Lehrkräfte gebraucht werden, hängt vor allem von der Anzahl der Schüler ab – und die steigt Voraussagen zufolge erst einmal weiter an. 2024 gab es in Deutschland nach Angaben der KMK knapp 11,2 Millionen Schülerinnen und Schüler. Bis 2032 soll die Zahl der KMK zufolge auf knapp 11,8 Millionen steigen (+5,3 Prozent) und dann bis 2040 wieder auf rund 11,3 Millionen sinken.
Die einzelnen Schulstufen sind davon allerdings unterschiedlich betroffen. Wegen der derzeit niedrigen Geburtenrate rechnen einige Experten damit, dass die Grundschulen bald deutlich weniger Probleme haben werden, Lehrkräfte zu finden.
Die sinkende Geburtenrate und ihre Folgen
2025 wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 654.300 Kinder geboren. Das waren 3,4 Prozent Neugeborene weniger als im Vorjahr. Die Geburtenzahl sei damit im vierten Jahr in Folge gesunken, so das Amt - und erreichte den niedrigsten Stand seit 1946. Immer weniger Babys – das bedeutet bereits sechs Jahre später weniger Grundschüler.
Der gerade veröffentlichte, nationale Bildungsbericht weist allerdings auch darauf hin, dass die sinkende Geburtenrate und eine parallel abnehmende Fluchtmigration nach Deutschland zwar weniger Schülerinnen und Schüler, aber nicht automatisch Entlastungseffekte bedeutet.
Denn der Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule, der nächstes Schuljahr bei den Erstklässlern greift, erhöht den Ressourcenbedarf. Und bis die sinkende Geburtenrate auf die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an Gymnasien, Gesamt-, Haupt-, Real- und Berufsschulen durchschlägt, wird es ohnehin noch länger dauern.
Lehrkräftebedarf: große regionale Unterschiede
Erst einmal steigt dort der Lehrkräftebedarf an, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. In den westdeutschen Flächenländern soll die Zahl der Schülerinnen und Schüler nach Angaben der KMK 2033 ihren Höchststand erreichen und bis dahin um fast 8 Prozent zunehmen im Vergleich zu 2024.
In den ostdeutschen Ländern nimmt die Schülerschaft demnach nur noch bis 2026 zu und dann wieder ab. In den Stadtstaaten wird die Trendumkehr für 2028 erwartet.
Um den Lehrermangel zu bekämpfen, setzen die einzelnen Bundesländer inzwischen auf eine Vielzahl von Maßnahmen: Das geht – neben dem Quereinstieg - von einem restriktiven Umgang mit Teilzeitanträgen und Verrentungen bis hin zu einfacheren Verbeamtungen, Prämien für die Arbeit in ländlichen Gebieten, Werbekampagnen oder Studentinnen und Studenten, die schon einmal die Woche an Schulen unterrichten.
Bildung und Zukunft: die Sorgen der Eltern
Der Unterrichtsausfall bereitet vielen Eltern inzwischen große Sorgen, sie fürchten um die Zukunft ihrer Kinder. Wie der brandenburgische Bildungsminister Hoffmann sieht auch der Landeselternrat die Stundentafel in dem Bundesland in ernster Gefahr.
In einem offenen Brief an Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert der Rat mehr Lehrkräfte, eine bessere Unterstützung von Seiteneinsteigern und die frühzeitige Einbindung von Lehramtsstudierenden in den Schulalltag.
Eine Volksinitiative (“Unterricht statt Ausfall”) soll den brandenburgischen Landtag außerdem dazu bringen, eine Höchstgrenze für den Unterrichtsausfall festzuschreiben. Und Bildungsminister Hoffmann hat klargestellt, dass es keine Denkverbote mehr gibt, um das Problem zu lösen: Selbst die Zwangsversetzung von Lehrern an Schulen in Not ist inzwischen im Gespräch.
Onlinetext: Asmus Heß



















