Dienstag, 29. November 2022

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Gewichtheben
Nach ARD-Doku: Weltverbands-Präsident Ajan suspendiert

Die Enthüllungen der ARD über mutmaßliche Korruption und Doping-Vertuschung im Gewichtheber-Weltverband haben erste Folgen: Verbands-Präsident Tamas Ajan ist vom Exekutivkomitee für 90 Tage suspendiert worden. Das könnte das Ende seiner Ära bedeuten, sagte Doping-Experte Hajo Seppelt im Dlf.

Hajo Seppelt im Gespräch mit Marina Schweizer | 22.01.2020

November 6, 2019, Lima, Peru: TAMAS AJAN, President of the International Weightlifting Federation gives a press conference to present the Weightlifting competition Grand Prix Lima 2019. Lima Peru PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMA 20191106mdab195664 Copyright: xMarianaxBazox
Tamas Ajan ist für drei Monate suspendiert worden (Imago)
Tamas Ajan war seit über 40 Jahren in verschiedenen Führungspositionen des Weltverbandes der Gewichtheber IWF tätig und seit 2000 dessen Präsident. Diese Ära könne nun vorbei sein, vermutet Hajo Seppelt aus der ARD-Dopingredaktion im Deutschlandfunk. Nach der Tagung des IWF-Exekutivkomitees in Doha in Katar wurde die Spuspendierung für mindestens 90 Tage beschlossen. "Offensichtlich war der Druck nach der ARD-Doku so massiv im Kessel, sodass es am Ende zumindest auf diese 90 Tage Suspendierung hinausgelaufen ist. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass er wieder in die Position zurückkehrt."
Eine Rückkehr Ajans in sein Präsidentenamt wäre "ein verheerendes Signal für die Zukunft des Gewichthebens - nach dem Motto: Wir machen so weiter wie bisher." Es werde momentan alles mit Argusaugen beobachtet, was in der IWF geschehe. Es gibt aktuell wieder vermehrt Forderungen, dass die Gewichtheber bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Jahr nicht antreten dürfen.
Präsidentin des US-Gewichtheberverbands übernimmt vorerst
Der Gewichtheber-Weltverband hat laut Seppelt eine vierköpfige Ermittlungskommission einberufen. Darunter befinde sich auch die Präsidentin des US-Gewichtheberverbands, Ursula Garza Papandrea. Sie sei nun IWF-Interimspräsidentin für die 90 Tage.
Die Welt der Gewichtheber war nach der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Der Herr der Heber" stark unter Druck geraten. Der TV-Film hatte schwere Vorwürfe unter anderem über Korruption, Doping-Vertuschung und schwarze Kassen im Gewichtheber-Weltverband erhoben. Eine Olympia-Dritte gab sogar Doping zu. Die Debatte um das Olympia-Aus der Sportart wurde damit neu entfacht.