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Giftiger Müll in der Grube

Die Idee, giftige Abfälle unter Tage zu deponieren ist nicht neu. Wie schlecht es funktionieren kann, zeigen die verrotteten Atommüllfässer im ehemaligen Salzbergwerk Asse. Dennoch wirbt der Verband der Kali- und Salzindustrie und der Verband Bergbau und Geologie heute in Berlin damit, die Siedlungsabfälle in ausgedienten Schachtanlagen zu lagern.

Von Verena Kemna | 17.04.2012

    Prognos hat im Auftrag des Verbandes der Kali- und Salzindustrie und des Verbandes Bergbau, Geologie und Umwelt Möglichkeiten geprüft, um Rückstände aus Siedlungsabfällen entsprechend den Vorgaben der EU zu entsorgen. Laut Abfallrahmenrichtlinie müssen Siedlungsabfälle vor allem recycelt oder energetisch genutzt werden. Die Energienutzung von Restmüll, gewerblichen Abfällen und Sortierresten führt zu Schlacken, die hochgiftige Salze und andere Schadstoffe enthalten. Hartmut Behnsen, Geschäftsführer des Verbandes der Kali- und Salzindustrie.

    "Die Rückstände werden verbrannt, die entsprechenden Abgase müssen gefiltert und gereinigt werden, dabei fallen in erster Linie Salze an und diese Salze enthalten Spuren von Schwermetallen und Dioxine und Furane."

    Laut Studie lassen sich die giftigen Rückstände untertage deponieren, zum Beispiel in stillgelegten Bereichen von Kali- und Salzbergwerken. Etwa vier derartige Untertagedeponien werden derzeit in Deutschland aktiv genutzt, beispielsweise in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem existieren etwa zwölf Verwertungsanlagen bundesweit. Hartmut Behnsen zu den Voraussetzungen einer geeigneten Untertagedeponie.

    "Da Salz selber muss entsprechend kompakt sein, es muss standsicher sein, es muss Hohlräume aufweisen, die für die Lagerung von solchen Abfällen geeignet sind und das ist eben bei Untertagedeponien und Untertageverwertungsanlagen der Fall."

    Die Ressourcen in Deutschland seien da, um auf lange Zeit gefährliche Abfälle umweltschonend zu entsorgen, heißt es seitens des Verbandes. Die Untertage-Entsorgung von Abgasreinigungsabfällen sei als Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft unverzichtbar. Alle anderen Alternativen, um Abgase zu reinigen, haben laut Studie schlecht abgeschnitten. Rückstände verfestigen, neutralisieren, oxidieren oder chemisch aufzubereiten sei ökologisch fragwürdig und außerdem teuer. Die Einlagerung im Salzgestein ist laut Studie die beste Entsorgungsmöglichkeit. Emissionen würden verhindert, die Abfälle könnten auf lange Zeit sicher gelagert werden, das Kosten-Nutzen Verhältnis sei angemessen. Es heißt sogar, dass aufgrund der Beschaffenheit des Salzgesteins, gefährliche Abfälle für die kommenden Jahrtausende sicher von der Biosphäre abgeschlossen seien.

    "Das heißt also hier in der Studie wird festgestellt, dass Untertagedeponie und Untertageverwertung im Salinar eine bestverfügbare Technik ist."

    Aus Sicht des Verbandes Bergbau, Geologie und Umwelt und des Verbandes der Kali- und Salzindustrie eine Bestätigung der derzeitigen Lagerung Untertage.

    "Zum einen sind die Perspektiven diejenigen, dass derzeitig Kapazitäten, die noch nicht ausgefüllt sind, möglicherweise in Anspruch genommen werden, zum anderen bieten sich die Kapazitäten nicht nur in Deutschland, sondern auch der europäischen Abfallwirtschaft an. Und wenn man sieht, dass derzeit in vielen Ländern vor allem Deponien genutzt werden, ist davon auszugehen, dass die Deponierung zugunsten der Verwertung umstrukturiert wird."

    Das heißt also, dass trotz der Erfahrungen mit der Asse, damit zu rechnen ist, dass vorhandene Lagerstätten nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, weiter aufgefüllt werden.