Donnerstag, 29. Februar 2024

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"Gottloser Gospel von jemand sehr nahe am Wahnsinn"

Das letzte Album einer 80er-Jahre Band, die mit Synthie-Hits wie "It's a Shame" berühmt geworden ist, war für Markus Acher prägend. Vor 20 Jahren erschien das letzte Album von "The Talk Talk". Für Markus Acher von The Notwist sein ganz persönlicher Klassiker.

Von Andi Hörmann | 13.09.2011
    "Guten Tag, ich heiße Markus Acher, spiele bei der Band The Notwist und ähm ... ja, mein Klassiker oder eine sehr, sehr wichtige Platte für mich, aber auch generell auch für meine Band The Notwist war Talk Talk's Platte "Laughing Stock"."

    Musik: Talk Talk "New Grass"
    "Lifted up / Reflective in returning love you sing"


    "Die haben wir irgendwann von Freunden vorgespielt bekommen und danach hat das komplett alles durcheinander gewürfelt, was wir so über Musik gedacht haben, wie wir selber Musik machen, und was Popmusik im weitesten Sinne auch bedeuten kann."

    Musik: Talk Talk "Taphead"

    "Das ist sehr analog aufgenommen. Zum Beispiel die Mikrophonierung ist oft mit Distanz zu der Tonquelle. Die haben sehr viel mit Raum gearbeitet. Wir haben tatsächlich die Aufnahmetechniken oder die Vorgehensweise so verinnerlicht, jetzt auch über mehrere Platten für uns so ausgereizt. In gewisser Weise ist es eigentlich immer präsent. Und es ist so, was so dazugehört, zu dem Instrumentarium, was wir im Studio benutzen."

    Musik: Talk Talk "Myrrhman"
    "Place my chair at the backroom door..."


    "Ein bisschen klingt das so, als wenn man in so ein Haus gehen würde und du hast so als Zentrum einen Bluessänger. Dann gibt es auch so ein komisch gespieltes Schlagzeug, was eher jazziger ist und teilweise so klingt, als ob er zwischendrin das Schlagzeug auseinander baut und wieder aufbaut. Da sind viele Geräusche. Als geht man von einem Zimmer zum anderen und in jeder Ecke steht irgendwie mal ein kleines Streichquartett, dann wieder ein Blues-Harmonika-Spieler, dann wieder eine Jazzband, ein paar Bläser, dann kommt wieder experimenteller Lärm. Ein Ton, der so ganz minimalistisch, einmal so reingesetzt ist. Wie von so einer Noise-Band."

    Musik: Talk Talk "Myrrhman"

    "Diese Kombination aus einem sehr offenen Klang und jazzig angehauchten Klängen daraus ergibt sich so eine geniale collagenartige, experimentelle Popmusik."

    Musik: Talk Talk "Ascension Day"
    "Bet I`ll be damned..."


    "Man merkt, dass in jedem Stück und in jedem Ton und in jedem Element steht irgendwie das Ziel, das Wesentliche und den einen Ton zu finden. Das hat der Mark Hollis auch immer wieder gesagt, was mir sehr nahe ist: Ein Ton ist immer besser wie zwei Töne und zwei Töne besser wie drei Töne und so weiter. (lacht)"

    Musik: Talk Talk "Ascension Day"

    "Auch textbezogen: Das hat mich auch immer angesprochen, verwirrt, fasziniert. Es ist eher so eine Art gottloser Gospel, von jemand sehr nahe am Wahnsinn."

    Musik: Talk Talk "Ascension Day"

    "Ich habe die Platte immer dabei, wenn wir auf Tour sind. Da höre ich die pro Tour mindestens zwei, drei Mal. Es gibt so Momente, da ist es einfach zu schwer und zu viel, was da drin ist, weil es verlangt etwas von einem. Man kann das jetzt nicht so nebenbei hören. Man muss so dabei bleiben."

    Musik: Talk Talk "After The Flood"
    "Sang soulless loud..."


    "Für mich ist es eine Platte, zu der ich immer gerne wieder zurückkomme, um mich auch immer wieder daran zu erinnern, was ich eigentlich auch von Musik will. Eben nicht den einfachsten Weg, oder die einfachste Lösung zu finden, sondern so die Umwege und irgendwie dahin zu gehen, wo man erstmal nicht hingehen würde."