Referendum
Grünen-Politiker Freund bedauert Ablehnung der Isländer zu EU-Gesprächen und kritisiert Nein-Kampagne: "Es wurden Ängste geschürt"

Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund hat mit Bedauern auf das Nein der Isländer zur Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen reagiert. Freund sagte im Deutschlandfunk, eine stärkere Annäherung Islands an die EU wäre angesichts der Debatte um Grönland und der Drohungen von US-Präsident Trump ein wichtiges Signal gewesen.

    Daniel Freund, Mitglied des Europäischen Parlaments, hält ein Mikrofon in der Hand und spricht
    Daniel Freund, Mitglied des Europäischen Parlaments (Archivbild). (Imago)
    Freund war anlässlich des Referendums nach Island gereist. Die Debatte sei vor allem von innenpolitischen Themen geprägt gewesen und weniger von der Frage, welche Folgen eine EU-Mitgliedschaft für Island hätte, betonte der Grünen-Politiker . Viele Argumente des Nein-Lagers hätten nur wenig mit der tatsächlichen Situation in der Europäischen Union zu tun gehabt. Teilweise seien Ängste geschürt worden, statt eine faktenbasierte Diskussion über Vor- und Nachteile einer Mitgliedschaft zu führen.
    Der Grünen-Politiker betonte zudem, die Gegner neuer Beitrittsgespräche hätten deutlich mehr Geld für ihre Kampagne zur Verfügung gehabt. Vor allem Vertreter der Fischereiindustrie hätten die Nein-Kampagne unterstützt. Dabei sei es bei dem Referendum noch gar nicht um einen EU-Beitritt gegangen, sondern zunächst um die Wiederaufnahme von Verhandlungen.
    Nach Einschätzung von Freund hätte eine engere Anbindung an die EU Island größeren außenpolitischen Rückhalt verschafft. Gerade angesichts der Äußerungen von US-Präsident Trump zu Grönland sei es für kleinere Staaten von Vorteil, Teil eines größeren Bündnisses zu sein und auf die Unterstützung europäischer Partner zählen zu können.

    EU sieht Island weiter als Partner

    Bei dem Referendum hat sich eine Mehrheit der Isländer gegen neue EU-Beitrittsverhandlungen ausgesprochen. Knapp 53 Prozent stimmten gegen das Vorhaben der Regierung. Die Wahlbeteiligung war mit 82 Prozent hoch. Ministerpräsidentin Frostadóttir erklärte in Reykjavík, ihre Regierung werde die Gespräche über einen EU-Beitritt nicht wieder aufnehmen. Gleichzeitig wolle sie die Handelsbeziehungen mit der EU stärken. Die Ministerpräsidentin hatte sich zuvor für eine Annäherung an die EU stark gemacht und die Abstimmung als "historische Chance" für Island bezeichnet. Die EU-Kommission betonte, Island werde weiter ein enger Partner bleiben.

    Weiterführende Informationen

    Island stimmt gegen Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen
    Diese Nachricht wurde am 31.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.