Wie in jedem Jahr tafen sich vom 6. bis 11.Oktober in Frankfurt am Main Autoren, Verleger und zahllose Leser zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Eine Rarität dabei waren - erstmals seit Jahren - so genannte eBooks - diese mit immer neuen Texten aufladbaren Elektronikschinken. Was viel vernünftiger ist und nun auch letzte, noch so konservative Verleger kapiert hat: dass sich ein Webauftritt lohnt. Nicht zum Verkaufen von Büchern, sondern zur Pflege der Marke. Zum Beispiel bietet der größte deutsche Verlag für Wörterbücher täglich neue, durchaus ansprechende 5-Minuten-Sprachtrainings auf seiner Webseite. Allerdings kann man kein einziges Wort von Sprache A in Sprache B übersetzen lassen. Der Verlag hütet seine Kernkompetenz - die Wörterbuchdateien - wie seinen Augapfel. Vokabeln tröpfeln allenfalls in winzigen Dosen über Lizenznehmer in die weite Welt kostenpflichtig per SMS hinaus. So verkaufen sich die Wörterbücher ungebrochen gut. Einbrüche gab es auf dem Gebiet der Sprach-Lern-CD-ROMs. Silke Bauer, Leiterin der Redaktion für interaktives Lernen bei Langenscheidt drückt das postiv aus:
Der Markt ruft jetzt eigentlich nach mehr Qualität und scheint auch bereit zu sein, dafür etwas mehr auszugeben.
Für Langenscheidt ist die CD-ROM oder DVD als Lernmedium sozusagen zwischen dem Buch und dem Web fest etabliert. Silke Bauer gibt ein Beispiel:
Die Spracherkennung, wo sich ein Lerner gesprochene Sprache erstens anhören kann und dann selber sprechen kann und eine elektronische Auswertung der Aussprache bekommt.
Bei den Lernspielen anderer Verlage stellt sich nach über einem Jahrzehnt seit Einführung der CD-ROM nicht nur finanzielle Ernüchterung ein: Es fehlen neue Konzepte. Jede CD-ROM läuft nach dem gleichen Prinzip ab, wo eine Figur einführt, man sich durch diverse Fenster klickt, bewertet wird und die Figur am Schluss fragt: "Was, willst du wirklich schon aufhören?" Das ödet an, auch die Zielgruppe der Kinder. Wenn schon keine grundsätzlich neuen Ideen da sind, setzt man auf Ästhetik, etwa bessere 3D-Animationen oder 2D-Grafiken und Reduktion auf das Wesentliche. Markus Baumung, Projektmanager für Jugend-Lern-CDs bei United Soft Media GmbH in München:
Es gab auch schon den Fall, wo ich mich entschieden habe, eine Figur rauszunehmen, weil sie da sehr von dem eigentlichen Thema, womit wir uns da beschäftigt haben, abgelenkt hat, und auch die Figur, wie sie sich in Szene gesetzt hat, nicht mehr passte. Da habe ich gesagt, das passt alles nicht mehr zusammen, wir brauchen die Figur auch gar nicht. Wir haben eine sympathische Sprecherin, die diese Figur verkörpert, aber ich muss sie nicht unbedingt sehen. Sie begrüßt mich, wenn ich ins Programm reinkomme, und danach beschäftige ich mich mit dem Thema.
Wovon indes offenbar alle wissen, sind die Raubkopien von Musik und Hörbüchern im Internet. Als ich Vertreter von Buchverlagen jedoch konkret mit in Tauschbörsen heruntergeladenen PDF-Dateien ihrer Bestseller konfrontierte, stieß ich auf aufrichtiges Erstaunen bis Entsetzen: eine in hervorragender Qualität ausgedruckte Version des Krimibestsellers "Vor dem Frost" von Henning Mankell aus der Tauschbörse Kazaa, die "Korrekturen" von Jonathan Franzen aus dem Gnutellanetz oder gar das umstrittene Buch von Dieter Bohlen, komplett und unzensiert bei eDonkey. Vom Buch abgescant sehen diese Texte nicht aus. Keiner von Zsolnay über Rowohlt bis Fischer wollte wahr haben, dass hier irgendwo im Produktions- oder Übersetzungsprozess, also beim Dateiaustausch zwischen Autor, Übersetzer und Layouter Löcher sein müssen. Der Rowohlt-Verlag gab die Vorab-Druckfahnen von Franzens Korrekturen auch nur auf Papier, nie als Datei an die Presse. Unerklärlich sei die Herkunft der dicken Bücher, die für wenige Euro auf dem Laserdrucker ausgedruckt wurden, zwei Seiten pro DIN A 4-Blatt. Hörbuchverlage sind davon mindestens so stark betroffen, denn Audio-CDs sind das Lieblingsding der Tauschbörsianer. Alle über hundert Folgen von Hitchcock’s "Drei Fragezeichen" als 600 Megabyte-Download. Oder, ganz offen, alle vier Harry Potter Bände auf einer CD als mp3, zu ersteigern ab einem Euro bei Ebay. Dazu Robert Wildgruber, bei Der Hörverlag Leiter der Abteilung Lizenzen und Rechte:
Es ist noch nicht in dem Ausmaß, dass es wirtschaftlich schädigend wäre. Jedoch schauen wir inzwischen auch Ebay durch und lassen die dann schon runterwerfen. Ein Schuss vor den Bug. Da bekommen sie ein juristisches Schreiben, dass, wenn sie wieder auftauchen, wirklich juristische Schritte eingeleitet werden.
Über eins mussten wir dann aber auch lachen: Der neue Harry Potter, Band 5, vorgelesen von Rufus Beck, als Angebot zum Download bei eDonkey. Wie kann’s das geben?
Das kann's ja gar nicht geben. Rufus Beck hat den fünften Band ja noch gar nicht eingelesen. Das Buch kommt am 8. November, wir werden mit dem Hörbuch voraussichtlich im Februar kommen. Die Aufnahmen sind auch noch gar nicht in Vorbereitung. Das sind alles Fakes.
Der Markt ruft jetzt eigentlich nach mehr Qualität und scheint auch bereit zu sein, dafür etwas mehr auszugeben.
Für Langenscheidt ist die CD-ROM oder DVD als Lernmedium sozusagen zwischen dem Buch und dem Web fest etabliert. Silke Bauer gibt ein Beispiel:
Die Spracherkennung, wo sich ein Lerner gesprochene Sprache erstens anhören kann und dann selber sprechen kann und eine elektronische Auswertung der Aussprache bekommt.
Bei den Lernspielen anderer Verlage stellt sich nach über einem Jahrzehnt seit Einführung der CD-ROM nicht nur finanzielle Ernüchterung ein: Es fehlen neue Konzepte. Jede CD-ROM läuft nach dem gleichen Prinzip ab, wo eine Figur einführt, man sich durch diverse Fenster klickt, bewertet wird und die Figur am Schluss fragt: "Was, willst du wirklich schon aufhören?" Das ödet an, auch die Zielgruppe der Kinder. Wenn schon keine grundsätzlich neuen Ideen da sind, setzt man auf Ästhetik, etwa bessere 3D-Animationen oder 2D-Grafiken und Reduktion auf das Wesentliche. Markus Baumung, Projektmanager für Jugend-Lern-CDs bei United Soft Media GmbH in München:
Es gab auch schon den Fall, wo ich mich entschieden habe, eine Figur rauszunehmen, weil sie da sehr von dem eigentlichen Thema, womit wir uns da beschäftigt haben, abgelenkt hat, und auch die Figur, wie sie sich in Szene gesetzt hat, nicht mehr passte. Da habe ich gesagt, das passt alles nicht mehr zusammen, wir brauchen die Figur auch gar nicht. Wir haben eine sympathische Sprecherin, die diese Figur verkörpert, aber ich muss sie nicht unbedingt sehen. Sie begrüßt mich, wenn ich ins Programm reinkomme, und danach beschäftige ich mich mit dem Thema.
Wovon indes offenbar alle wissen, sind die Raubkopien von Musik und Hörbüchern im Internet. Als ich Vertreter von Buchverlagen jedoch konkret mit in Tauschbörsen heruntergeladenen PDF-Dateien ihrer Bestseller konfrontierte, stieß ich auf aufrichtiges Erstaunen bis Entsetzen: eine in hervorragender Qualität ausgedruckte Version des Krimibestsellers "Vor dem Frost" von Henning Mankell aus der Tauschbörse Kazaa, die "Korrekturen" von Jonathan Franzen aus dem Gnutellanetz oder gar das umstrittene Buch von Dieter Bohlen, komplett und unzensiert bei eDonkey. Vom Buch abgescant sehen diese Texte nicht aus. Keiner von Zsolnay über Rowohlt bis Fischer wollte wahr haben, dass hier irgendwo im Produktions- oder Übersetzungsprozess, also beim Dateiaustausch zwischen Autor, Übersetzer und Layouter Löcher sein müssen. Der Rowohlt-Verlag gab die Vorab-Druckfahnen von Franzens Korrekturen auch nur auf Papier, nie als Datei an die Presse. Unerklärlich sei die Herkunft der dicken Bücher, die für wenige Euro auf dem Laserdrucker ausgedruckt wurden, zwei Seiten pro DIN A 4-Blatt. Hörbuchverlage sind davon mindestens so stark betroffen, denn Audio-CDs sind das Lieblingsding der Tauschbörsianer. Alle über hundert Folgen von Hitchcock’s "Drei Fragezeichen" als 600 Megabyte-Download. Oder, ganz offen, alle vier Harry Potter Bände auf einer CD als mp3, zu ersteigern ab einem Euro bei Ebay. Dazu Robert Wildgruber, bei Der Hörverlag Leiter der Abteilung Lizenzen und Rechte:
Es ist noch nicht in dem Ausmaß, dass es wirtschaftlich schädigend wäre. Jedoch schauen wir inzwischen auch Ebay durch und lassen die dann schon runterwerfen. Ein Schuss vor den Bug. Da bekommen sie ein juristisches Schreiben, dass, wenn sie wieder auftauchen, wirklich juristische Schritte eingeleitet werden.
Über eins mussten wir dann aber auch lachen: Der neue Harry Potter, Band 5, vorgelesen von Rufus Beck, als Angebot zum Download bei eDonkey. Wie kann’s das geben?
Das kann's ja gar nicht geben. Rufus Beck hat den fünften Band ja noch gar nicht eingelesen. Das Buch kommt am 8. November, wir werden mit dem Hörbuch voraussichtlich im Februar kommen. Die Aufnahmen sind auch noch gar nicht in Vorbereitung. Das sind alles Fakes.