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Hamburger Studenten lehnen Präsidenten-Kandidatin ab

Monika Auweter-Kurtz, Professorin für Luft und Raumfahrttechnik, soll auf Vorschlag der Findungskommission neue Präsidentin der Universität Hamburg werden. Doch ihre Nominierung stößt unter den Studenten auf entschiedenen Widerstand. Sie werfen der 55-Jährigen vor, Aufträge von Rüstungsunternehmen angenommen zu haben.

Von Werner Nording | 10.07.2006
    Im September geht der Präsident der Universität Hamburg, Jürgen Lüthje, in den Ruhestand. Die Findungskommission hat als Nachfolgerin die Stuttgarter Professorin für Luft und Raumfahrttechnik, Monika Auweter-Kurtz. vorgeschlagen und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Die Studierenden bezeichnen die 55-jährige Physikerin als "Raketen-Professorin", die in Rüstungsgeschäfte verwickelt sei. Nebenberuflich habe sie als Leiterin des Stuttgarter Steinbeis-Transferzentrums mit einem Rüstungskonzern zusammengearbeitet, sagt der Student der Sozialökonomie, Bela Rogalla, der die Studierenden im Akademischen Senat vertritt.

    "Sie hat als Leiterin des Steinbeis-Transferzentrums im Jahr 2005 Aufträge entgegengenommen von dem Rüstungskonzern Bayern-Chemie Protac, einem hundertprozentigen Rüstungskonzern, der Raketenantriebe von Gefechtsraketen herstellt."

    Die Professorin Ursula Plazer ist Mitglied der Findungskommission, die die Stuttgarter Wissenschaftlerin als neue Uni-Präsidentin vorgeschlagen hat. Die Direktorin der Zahnklinik am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf weist den Vorwurf entschieden zurück, Frau Auweter-Kurtz sei eine "Raketenforscherin".

    "Frau Auweter-Kurtz forscht mit Sicherheit nicht direkt an Raketen. Ich glaube nicht, dass der Wissenschaftsbereich von Frau Auweter-Kurtz die Universität Hamburg schädigen kann, das habe ich verschiedenen Gesprächen mit ihr und diversen Gruppen entnommen. Es müssen sich aber auch Fachleute mit ihr unterhalten und müssen diese Entscheidung teilen können."

    In dieser Woche wollen die Gremien der Kandidatin auf den Zahn fühlen. Bislang sei die Wahl eines Uni-Präsidenten immer öffentlich diskutiert worden, kritisiert Rogalla im Namen der Studierenden. Nach dem neuen Hamburgischen Hochschulgesetz werde der Uni-Präsident vom Hochschulrat gewählt und vom Akademischen Senat bestätigt. Damit werde einer Geheimniskrämerei und Hinterzimmerdiplomatie Tür und Tor geöffnet. Die Kandidatin passe nicht zum Profil der Uni Hamburg, die mit seiner Friedensforschung international anerkannt sei, meint der Studierenden-Vertreter. Wenn der Hochschulrat Frau Auweter-Kurtz wählen sollte, rechne er nicht mit einer Bestätigung durch den Akademischen Senat.
    "Wir haben mit vielen Professorinnen und Professoren gesprochen, die zuerst einmal mit der Kandidatin reden wollen, aber die durchaus darüber informiert sind, dass die Rüstungsgeschäfte von Frau Auweter-Kurtz real sind, dass man sie nachrecherchieren kann, sogar im Internet und dass dort die Dinge alle veröffentlicht sind."

    Eigentlich sollte bis Monatsende die Nachfolge des Hamburger Uni-Präsidenten geregelt sein. Durch die öffentliche Diskussion ist der Zeitplan gehörig durcheinander geraten.