Archiv


Hilfe aus Athen

Griechenland wird künftig an der Uni Leipzig eine Professur für Griechisch bezahlen. Heute wurde der entsprechende Vertrag in Anwesenheit des stellvertretenden griechischen Außenministers unterzeichnet. 40.000 bis 45.000 Euro jährlich soll der Stiftungslehrstuhl für Byzantinische und Neugriechische Philologie die Regierung kosten. Allerdings nicht sofort, denn bis zur Berufung werden voraussichtlich noch mal zwei Jahre vergehen.

Von Hanno Grieß |
    Griechisch ist halt ein Orchideenfach, und bei den bestehenden Sparzwängen in der sächsischen Hochschullandschaft müssen die ganz kleinen Fächer eben bluten. So könnte man die Haltung der Universität Leipzig interpretieren, als sie vor zwei Jahren das Griechisch-Studium eindampfte und die Professur für Neogräzistik strich. Übrig blieb eine einzelne Professur, Lehrstuhlinhaber Professor Kurt Sier kann seinen rund 40 Studenten allerdings seither nur noch Altgriechisch anbieten. Die Athener Regierung beobachtete diese Verschlankung mit Sorge, ist doch Griechisch als Studienfach insgesamt auf dem Rückzug. Für den Entschluss Griechenlands, eine neue Professur für Byzantinistik und neugriechische Philologie zu stiften, gebe es drei Gründe, sagt der Generalkonsul für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Theodore Tsakiris:

    " Erstens hat Leipzig große historische Bedeutung für uns. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts kamen viele Griechen hierher, zum einen, um Handel zu treiben, zum anderen wurde der größte Teil der klassischen griechischen Literatur hier verlegt. Zweitens sind wir als griechische Regierung politisch sehr daran interessiert, die griechische Kultur in einem erweiterten Europa zu verbreiten. Der dritte Grund ist kultureller Natur: Wir wollen einfach humanistische Bildung und klassische Werte unter den Bedingungen der Globalisierung bewahren. Denn wir glauben, dass Studenten auch in modernen Gesellschaften damit bewaffnet sein sollten."

    Aus diesen Gründen hat die griechische Regierung eine Kommission gebildet, die darüber entscheidet, an welcher Universität das Griechische zu fördern ist. In England sind das z.B. Cambridge und Oxford, in Deutschland neben Leipzig auch die Freie Universität Berlin. Für den Professor für Klassische Philologie und Komparatistik, Kurt Sier, brechen mit dem Stiftungslehrstuhl jetzt ganz neue Zeiten an:

    " Wir versuchen hier ein neues Konzept zu verwirklichen, dass bundesweit einmalig ist. Es wird darum gehen, Studiengänge aufzubauen im Bachelor und Masterbereich, die darauf Wert legen, eben die Brücke zu schlagen von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne hinein. So etwas finden Sie in Deutschland sonst nicht und das wird zum Profil der Uni ganz wesentlich beitragen. Insofern brauchen wir die Professur und ohne die Professur, die der griechische Staat uns gestiftet hat, wäre diese Konzeption nicht zu verwirklichen gewesen."

    Sier unterhielt schon seit längerer Zeit gute Kontakte zum griechischen Generalkonsul, und als die lange Lehrtradition in Leipzig einzuschlafen drohte, setzte der wiederum alle diplomatischen Hebel in Bewegung. Innerhalb eines Jahres gelang es ihm, die entscheidenden Stellen in Athen zu überzeugen. Tsakiris selbst bleibt allerdings diplomatisch bescheiden:

    " Natürlich haben wir getan, was uns möglich war, Wir haben Empfehlungen gegeben und Papiere geschrieben, aber es war natürlich nicht einfach, diese Aufgabe hat uns sechs bis sieben Monate Arbeit gekostet."

    Professor Kurt Sier wiederum ist der Meinung, die griechische Regierung habe sich dem persönlichen Engagement des Generalkonsuls einfach nicht widersetzen können:

    " Der erste Grund liegt in der Anwesenheit von Herrn Tsakiris, der sich ungemein für den Erhalt dieser Professur eingesetzt hat und sich bemüht hat, einen Ersatz für die Professur zu schaffen, die im letzten Jahr weg gefallen ist. Die Studenten können einen Abschluss vorweisen, der sich von anderen Abschlüssen in Deutschland ganz wesentlich unterscheidet."

    Heute wird zunächst der Vertrag in Anwesenheit des stellvertretenden griechischen Außenministers unterzeichnet. 40.000 bis 45.000 Euro jährlich soll der Stiftungslehrstuhl die Regierung kosten. Allerdings nicht sofort, denn bis zur Berufung werden voraussichtlich noch mal zwei Jahre vergehen.