Rotes Kreuz
Humanitäres Völkerrecht seit Zweitem Weltkrieg noch nie so ausgehöhlt gewesen wie heute: IKRK-Präsidentin beklagt Weltlage

Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Spoljaric Egger, hat eine zunehmende Missachtung der Zivilbevölkerung im Krieg beklagt. Derzeit gebe es weltweit rund 130 internationale und nationale bewaffnete Konflikte. Zusehends schwinde der Respekt vor neutraler humanitärer Hilfe, wie sie etwa vom Roten Kreuz geleistet werde.

    Genf: Die Schweizerin Mirjana Spoljaric Egger, Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), spricht während eines Medienbriefings anlässlich des 75. Jahrestages der Verabschiedung der Genfer Konventionen am Sitz des IKRK in Genf.
    IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric Egger (Archivbild) (Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE / dpa / Salvatore Di Nolfi)
    Spoljaric Egger sagte im Deutschlandfunk, seit dem Zweiten Weltkrieg sei das humanitäre Völkerrecht noch nie so ausgehöhlt gewesen wie heute. Zunehmend würden rote Linien überschritten. Beispielhaft nannte sie die Lage im Sudan, wo das Gesundheitswesen weitgehend zusammengebrochen sei. Zwölf Millionen Menschen seien durch den Konflikt zwischen der Armee und der RSF-Miliz vertrieben worden. Die Verbrechen gegen Zivilisten ließen sich sogar mit Satelliten erkennen. Dennoch schreite die Weltgemeinschaft bisher nicht ein.

    "Internationales Recht ist nur so stark wie die Politik, die sich hinter dieses Recht stellt"

    "Kriege sind immer brutal, aber Kriege dürfen nicht zu Kriegen gegen die Zivilbevölkerung werden." Deshalb seien nach dem Zweiten Weltkrieg die Genfer Konventionen zum Schutz der Zivilbevölkerung geschaffen worden. Dabei dürfe es keinen rechtsfreien Raum geben, verlangte die IKRK-Präsidentin. Das internationale Recht sei jedoch nur so stark wie die Politik, die sich hinter dieses Recht stelle. Hier seien alle Staaten gefordert. Allerdings resultiere aus der Vielzahl der Konflikte eine erkennbare Lähmung.
    Das Interview mit Mirjana Spoljaric Egger können Sie hier in ganzer Länge hören.
    Diese Nachricht wurde am 13.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.