Gesundheit
Intensivmediziner gehen von mehr Hitzetoten aus

Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland könnte höher sein als bisher angenommen. Der medizinische Geschäftsführer der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, sagte, er halte die Schätzung des Robert-Koch-Instituts zu hitzebedingter Sterblichkeit in diesem Sommer für zu niedrig. Der Politik warf er Tatenlosigkeit vor.

    Ein Thermometer vor blauem Himmel und der Sonne
    Vor allem alte Menschen sind bei extremer Hitze gefährdet. (imago / Rene Traut )
    Das RKI hatte die Zahl von 12.500 Hitzetoten genannt. Das bilde nicht die gesamte Dramatik ab, sagte Janssens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es seien sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr.
    Janssens sieht bei dem Thema die Politik in der Verantwortung: "Ich bin, auch als Bürger, extrem verstört über die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen." Er forderte einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan und mehr Geld für den Hitzeschutz in Kliniken. Zudem brauche es mehr Nachbarschaftshilfe, psychosoziale Unterstützung und Netzwerke, um gefährdete Menschen bei Hitzewellen frühzeitig zu erreichen. In Frankreich etwa kontaktierten Kommunen registrierte vulnerable Personen aktiv. In Deutschland hingegen "sterben Menschen nicht nur an der Hitze, sondern letztlich auch an gesellschaftlicher Vernachlässigung".
    Diese Nachricht wurde am 15.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.