Treffen im Brüsseler Deutschlandradio-Studio mit Michael Doczy, österreichischer Diplomat. Seit acht Jahren in Brüssel. Er war in der österreichischen Vertretung bei der EU. Jetzt ist er Büroleiter bei Helga Schmidt, der politischen Direktorin und stellvertretenden Generalsekretärin der EU-Außenbeauftragten Ashton. Gewissermaßen die oberste Dienstherrin der insgesamt rund 3.600 Diplomaten des EEAS, des European External Action Service. Über 3600 klingt viel, aber – zum Vergleich – das Französische Außenministerium hat 12.000 Diplomaten in seinen Diensten. Michael Doczy ist einer derjenigen rund 1.500 Mitarbeiter des europäischen diplomatischen Dienstes, die in Brüssel stationiert sind. Der Rest repräsentiert in einer der über 130 Delegationen weltweit die EU im Ausland.
Der EEAS existiert seit anderthalb Jahren. Wenigstens hat der Europäische Auswärtige Dienst jetzt eine eigene Adresse.
"Die ist noch ganz brandneu. Seit einer Woche sind wir jetzt im neuen Gebäude des Europäischen Auswärtigen Dienstes in der Nähe vom Schuman-Platz, also im Herzen der EU-Institutionen. Das ist ein Fortschritt, denn in der Vergangenheit waren wir auf sieben Gebäude aufgeteilt."
Weniger komplex, viel weniger komplex ist die Arbeit in einem nationalen im Vergleich zu der im Europäischen Auswärtigen Dienst, sagt Michael Doczy. Sie ersetzen nicht 27 Außenpolitiken. Aber ihre Aufgabe ist, verschiedene Interessen zu bündeln, zu einer Linie zusammen zu führen, um Synergien zu schaffen und vor allem das Gewicht Europas in der Welt zu stärken. Er sieht einen echten Mehrwert für Europa durch die Arbeit der Außenkommissarin und ihrer Leute, Diplomaten wie ihm.
"Auf jeden Fall. Das sieht man an diversen Politik-Bereichen. Zum Beispiel Iran, wo die Hohe Vertreterin Catherine Ashton nicht nur die 27 Mitgliedsstaaten vertritt, sondern die internationale Gemeinschaft. Sie ist die Sprecherin der sogenannten E 3+3-Gruppe - der drei europäischen Länder als auch China, Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist eine Führungsrolle, die die Europäische Union da durch sie hat, die zeigt, dass Europa eine große Rolle spielen kann."
Was aber Europa nicht davon abhält, das Budget für seinen Auswärtigen Dienst zu kürzen.
"Natürlich sind wir hin und hergerissen zwischen auf der einen Seite eine wichtigere und bedeutendere Rolle in der Welt wahrzunehmen und auf der anderen Seite diesen Sparmaßnahmen. Aber unser Punkt ist ja, dass wir Synergien erzeugen wollen."
... was zum Beispiel konkret heißt, dass sie die Arbeit verschiedener nationaler Botschaften im Ausland koordinieren.
"Die EU-Delegationen haben den Vorsitz in den jeweiligen Ländern, wenn es darum geht, Koordination herbei zu führen. Die leiten die gemeinsamen Sitzungen der Botschafter vor Ort und koordinieren lokale Maßnahmen oder allfällige lokale Statements zu Geschehnissen in dem jeweiligen Land."
Aber nicht so viel, dass die Außenpolitik vergemeinschaftet würde. Sie ist und bleibt intergouvernemental – zwischenstaatlich. Im besten Fall. Nicht nur, aber besonders deutlich, hat sich am Beispiel des Verhaltens zu und in Libyen während der Kämpfe zwischen Regierungsanhängern und Aufständischen gezeigt, dass oft genug, wenn es richtig ernst wird, letztlich doch gerade die gewichtigeren EU-Länder ganz auf nationale Außenpolitik setzen. Und auch unterhalb von Entscheidungen über Krieg und Frieden wird von einzelnen Mitgliedsländern immer versucht, ihren Einfluss geltend zu machen.
"Natürlich gibt es die verschiedenen Anruf und Interessen von Mitgliedsstaaten. Wir haben Sitzungen des Politischen Komitees – das ist das Komitee, was wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit zusammentreten kann und auch an den Wochenenden und in den Ferien. Es ist einfach so, dass wir versuchen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Manchmal ist es der kleinste gemeinsame Nenner. Das ist dann weniger ideal."
Jedenfalls ist die Selbstwahrnehmung keineswegs so, dass Michael Doczy das Gefühl hätte, er engagiere sich im Europäischen Auswärtigen Dienst auf verlorenem, überflüssigem, letztlich frustrierendem Posten. Und die Nachfrage nach einem Job in seinem Beritt scheint dafür zu sprechen, dass auch Andere seine Institution nicht für überflüssig halten.
"Wir haben letztes Jahr 180 Posten ausgeschrieben. Und da waren fast 9000 Bewerber. Sehr viele aus den Mitgliedsstaaten. Das heißt in den Mitgliedsstaaten – auch in den großen – Deutschland, Frankreich, England – gibt es großes Interesse, im Europäischen Auswärtigen Dienst zu arbeiten. Das würden sie nicht machen, wenn sie nicht sehen würde, dass es Sinn macht. Und wenn sie nicht sehen würden, dass das etwas ist, was neu ist. Wir sind noch in den Kinderschuhen. Aber das ist etwas, was an Bedeutung noch gewinnen wird."
Der EEAS existiert seit anderthalb Jahren. Wenigstens hat der Europäische Auswärtige Dienst jetzt eine eigene Adresse.
"Die ist noch ganz brandneu. Seit einer Woche sind wir jetzt im neuen Gebäude des Europäischen Auswärtigen Dienstes in der Nähe vom Schuman-Platz, also im Herzen der EU-Institutionen. Das ist ein Fortschritt, denn in der Vergangenheit waren wir auf sieben Gebäude aufgeteilt."
Weniger komplex, viel weniger komplex ist die Arbeit in einem nationalen im Vergleich zu der im Europäischen Auswärtigen Dienst, sagt Michael Doczy. Sie ersetzen nicht 27 Außenpolitiken. Aber ihre Aufgabe ist, verschiedene Interessen zu bündeln, zu einer Linie zusammen zu führen, um Synergien zu schaffen und vor allem das Gewicht Europas in der Welt zu stärken. Er sieht einen echten Mehrwert für Europa durch die Arbeit der Außenkommissarin und ihrer Leute, Diplomaten wie ihm.
"Auf jeden Fall. Das sieht man an diversen Politik-Bereichen. Zum Beispiel Iran, wo die Hohe Vertreterin Catherine Ashton nicht nur die 27 Mitgliedsstaaten vertritt, sondern die internationale Gemeinschaft. Sie ist die Sprecherin der sogenannten E 3+3-Gruppe - der drei europäischen Länder als auch China, Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist eine Führungsrolle, die die Europäische Union da durch sie hat, die zeigt, dass Europa eine große Rolle spielen kann."
Was aber Europa nicht davon abhält, das Budget für seinen Auswärtigen Dienst zu kürzen.
"Natürlich sind wir hin und hergerissen zwischen auf der einen Seite eine wichtigere und bedeutendere Rolle in der Welt wahrzunehmen und auf der anderen Seite diesen Sparmaßnahmen. Aber unser Punkt ist ja, dass wir Synergien erzeugen wollen."
... was zum Beispiel konkret heißt, dass sie die Arbeit verschiedener nationaler Botschaften im Ausland koordinieren.
"Die EU-Delegationen haben den Vorsitz in den jeweiligen Ländern, wenn es darum geht, Koordination herbei zu führen. Die leiten die gemeinsamen Sitzungen der Botschafter vor Ort und koordinieren lokale Maßnahmen oder allfällige lokale Statements zu Geschehnissen in dem jeweiligen Land."
Aber nicht so viel, dass die Außenpolitik vergemeinschaftet würde. Sie ist und bleibt intergouvernemental – zwischenstaatlich. Im besten Fall. Nicht nur, aber besonders deutlich, hat sich am Beispiel des Verhaltens zu und in Libyen während der Kämpfe zwischen Regierungsanhängern und Aufständischen gezeigt, dass oft genug, wenn es richtig ernst wird, letztlich doch gerade die gewichtigeren EU-Länder ganz auf nationale Außenpolitik setzen. Und auch unterhalb von Entscheidungen über Krieg und Frieden wird von einzelnen Mitgliedsländern immer versucht, ihren Einfluss geltend zu machen.
"Natürlich gibt es die verschiedenen Anruf und Interessen von Mitgliedsstaaten. Wir haben Sitzungen des Politischen Komitees – das ist das Komitee, was wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit zusammentreten kann und auch an den Wochenenden und in den Ferien. Es ist einfach so, dass wir versuchen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Manchmal ist es der kleinste gemeinsame Nenner. Das ist dann weniger ideal."
Jedenfalls ist die Selbstwahrnehmung keineswegs so, dass Michael Doczy das Gefühl hätte, er engagiere sich im Europäischen Auswärtigen Dienst auf verlorenem, überflüssigem, letztlich frustrierendem Posten. Und die Nachfrage nach einem Job in seinem Beritt scheint dafür zu sprechen, dass auch Andere seine Institution nicht für überflüssig halten.
"Wir haben letztes Jahr 180 Posten ausgeschrieben. Und da waren fast 9000 Bewerber. Sehr viele aus den Mitgliedsstaaten. Das heißt in den Mitgliedsstaaten – auch in den großen – Deutschland, Frankreich, England – gibt es großes Interesse, im Europäischen Auswärtigen Dienst zu arbeiten. Das würden sie nicht machen, wenn sie nicht sehen würde, dass es Sinn macht. Und wenn sie nicht sehen würden, dass das etwas ist, was neu ist. Wir sind noch in den Kinderschuhen. Aber das ist etwas, was an Bedeutung noch gewinnen wird."