Referendum
Islands Ministerpräsidentin Frostadottir verkündet nach "Nein"-Votum Aus für Beitrittsgespräche mit der EU

In Island hat Ministerpräsidentin Frostadottir nach der Niederlage in einem Referendum bekräftigt, die Gespräche über einen EU-Beitritt ihres Landes nicht wieder aufzunehmen. Gleichzeitig wolle sie die Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union stärken, sagte Frostadóttir in Reykjavík. Die Ministerpräsidentin hatte sich zuvor für eine Annäherung an die EU stark gemacht und die Abstimmung als "historische Chance" für Island bezeichnet.

    Islands Premierministerin Kristrun Frostadottir bei der Stimmabgabe. Sie beugt sich leicht nach vorne und wirft den Stimmzettel in die Wahlurne.
    Islands Premierministerin Kristrun Frostadottir bei der Stimmabgabe (JONATHAN KLEIN / AFP)
    In dem Referendum hatten knapp 53 Prozent der Wähler gegen Beitrittsgespräche gestimmt. Die EU-Kommission betonte, Island werde weiter ein enger Partner bleiben. Der Vorsitzende der SPD im Europäischen Parlament, Repasi, sagte im Deutschlandfunk, die Bürger in Island hätten vor der Frage gestanden, ob sie in Zeiten eines unberechenbaren US-Präsidenten Trump eine engere Anbindung an die EU wollten oder ihre Autonomie in der Fischereipolitik. Ihre Entscheidung sei bedauerlich, aber zu akzeptieren. Repasi betonte, die Tür der EU sei für Island weiterhin jederzeit offen.

    Isländische Fischindustrie: Sorgen um Fangquoten

    Auch diesmal sorgten sich viele Isländer, vor allem die Fischer, um ihre Souveränität. Die Fischerei ist der größte Wirtschaftszweig der Insel. Die heimische Industrie äußerte damals wie heute Bedenken, dass eine gemeinsame EU-Fischereipolitik ausländischen Schiffen Zugang zu isländischen Gewässern erlauben könnte - und es in Zukunft schlechtere Fangquoten für die Isländer gebe. Vor dem Referendum hatte Regierungschefin Frostadóttir deswegen bereits versprochen, Island werde den Verhandlungstisch wieder verlassen, sollte man nicht die volle Kontrolle über die eigenen Fischereiressourcen behalten dürfen.
    Diese Nachricht wurde am 31.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.