Sonntag, 19. Mai 2024

Nach iranischem Großangriff
Israelisches Kriegskabinett berät über mögliche Vergeltung

In Israel ist das Kriegskabinett zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen nach dem iranischen Angriff zu beraten. Mehrere Mitglieder des Kabinetts kündigten eine Vergeltung an - entgegen eindringlicher Appelle der US-Regierung.

14.04.2024
    Israels Kriegskabinett kommt in Tel Aviv zusammen.
    Israels Kriegskabinett kommt in Tel Aviv zusammen. (AFP / -)
    Verteidigungsminister Gallant erklärte, Israel werde eine strategische Allianz gegen den Iran bilden. Gallant betonte, er habe bereits mit Außenministerin Baerbock über die Schaffung einer globalen Front gegen Aggressionen des Iran und seiner Verbündeten gesprochen. Der ehemalige Verteidigungsminister Gantz - ebenfalls Mitglied des Kriegskabinetts - sagte, Israel werde den Iran zur Rechenschaft ziehen. Über den Zeitpunkt für einen Gegenschlag werde die israelische Regierung entscheiden. Auch Außenminister Katz hatte am Vormittag von Vergeltung gesprochen, ohne allerdings konkret zu werden.
    Der israelische Präsident Herzog sagte dem britischen Fernsehsender Sky News, der iranische Angriff sei ein "echter Krieg". Es sei an der Zeit, dass die Welt diesem "Reich des Bösen" in Teheran gegenübertrete und dem iranischen Regime klarmache, dass es damit nicht durchkomme.

    Iran betrachtet "Angelegenheit als abgeschlossen" und warnt vor Vergeltungsmaßnahmen

    In Teheran warnte Präsident Raisi Israel und dessen Verbündete vor Gegenangriffen. Die nächtliche Attacke bezeichnete Raisi als "verhältnismäßig". Das iranische Regime sieht darin Vergeltung für einen mutmaßlich israelischen Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in Damaskus Anfang des Monats mit mehreren Toten. Die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen schrieb auf der Plattform X, die Angelegenheit könne nun als abgeschlossen betrachtet werden. Sollte Israel jedoch weitere Fehler begehen, werde die Reaktion Irans deutlich härter ausfallen.
    Auch die USA wurden dringend aufgefordert, sich aus dem Konflikt heraushalten. In einer Erklärung im iranischen Staatsfernsehen hieß es, sollten die USA Israel bei einem Verteidigungsschlag unterstützen, würden die amerikanischen Stützpunkte ins Visier genommen.

    Biden lehnt israelischen Gegenangriff ab

    Die USA wollen nach eigenen Angaben weder eine Eskalation noch einen Krieg mit dem Iran. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Kirby, sagte dem Sender NBC, man sei nicht auf einen größeren Krieg mit Teheran aus. US-Präsident Biden hatte den iranischen Angriff auf Israel zuvor verurteilt und Premier Netanjahu die unterschütterliche Unterstützung der USA zugesagt. Wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichten, habe Biden dabei zugleich deutlich gemacht, dass er einen israelischen Gegenangriff ablehne.
    Auch die G7-Staats- und Regierungschefs verurteilten den Angriff und riefen zur Zurückhaltung auf. Dies teilte EU-Ratspräsident Michel nach einer Schaltkonferenz am späten Nachmittag mit. Im Laufe des Tages soll es Krisentreffen des UNO-Sicherheitsrates geben.

    Nur geringe Schäden nach iranischem Angriff

    In der vergangenen Nacht hatte der Iran Israel erstmals direkt angegriffen. Mehr als 300 Drohnen und Raketen wurden auf Israel abgefeuert, fast alle wurden abgefangen. Israels Armee wurde dabei von den USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt. Zeitgleich mit dem iranischen Angriff wurde Israel auch aus dem Libanon attackiert. Die Hisbollah-Miliz feuerte nach eigenen Angaben Raketen auf die israelisch besetzten Golanhöhen ab.
    Weitere Hintergründe zu dem Konflikt zwischen dem Iran und Israel haben wir hier zusammengestellt.
    Diese Nachricht wurde am 14.04.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.