Dienstag, 07. Dezember 2021

Archiv

Jazz LiveJohn Taylor

Für Jazzpianisten ist die Auseinandersetzung mit der europäischen Kunstmusik geradezu eine Selbstverständlichkeit. Während aber die Errungenschaften eines Debussy, Ravel, Berg und Schönberg längst hörbare Spuren hinterlassen haben, schimmert Olivier Messiaens Akkord-Arbeit vergleichsweise selten durch - hin und wieder bei Eliane Elias, Hubert Nuss oder bei dessen einstigem Lehrer an der Kölner Musikhochschule, John Taylor.

Vorgestellt von Karsten Mützelfeldt | 15.04.2014

"Pause And Think Again", dieser Albumstitel steht für eine ganz besondere Charakteristik des feinsinnigen Engländers: Sein Spiel weist ihn als nachdenklichen Lyriker aus, der bei aller Virtuosität lieber mal einem musikalischen Gedanken nachhängt, einen Ton wirken und nachwirken lässt als dichten Tontrauben nachzujagen. Auch der Titel einer solo eingespielten Produktion lässt sich auf Taylors Improvisationskultur übertragen: "Insight" - Einsicht, Einblick, Verständnis, aber auch Lebenserfahrung. Sein Anschlag, seine Phrasierung und Artikulation sind so nuancenreich wie nur bei wenigen Jazzpianisten. In der kammermusikalischen Klangästhetik des heute 71-Jährigen vereinen sich Elemente der modernen Klassik, der Neuen Musik und Minimal Music mit der Jazztradition, zeigen sich Spuren eines Chick Corea, Keith Jarrett und eines Bill Evans. Die Faszination John Taylors erschließt sich einem vor allem dann, wenn man ihn "pur", unbegleitet hören kann - wie beim Soloauftritt im Rahmen des Kölner Klaeng-Festivals.
Aufnahme vom 23.10.13 beim Klaeng-Festival in Köln.