Donnerstag, 09. Dezember 2021

Jazzfest Berlin 2021Wild, melancholisch und ein bisschen verrückt

Kann es gut gehen, wenn der Trommler Chef im Klaviertrio ist? Und ob! Beim Jazzfest Berlin 2020 spielte das Trio des amerikanischen Schlagzeugers Jim Black ein fesselndes Konzert ohne allen Exhibitionismus, mit Musik voll vertrackter Formen, einfacher Melodien und Lust am Experiment.

Am Mikrofon: Niklas Wandt | 20.07.2021

Violett angeleuchtet ist ein Mann hinter einem Schlagzeug zu sehen, vertieft in sein Spiel. Im rechten Vordergrund sind die Umrisse einer Person zu erkennen, die der Kamera den Rücken zuwendet.
Egal, wie abstrakt - seine Musik soll für Jim Black eine körperliche und gesangliche Qualität haben. (Camille Blake)
Jim Black studierte am Berklee College in Boston und war anschließend über Jahrzehnte ein vitaler Teil der New Yorker Jazzszene. Die Vertretung einer Professur führte ihn 2016 dauerhaft nach Berlin. Sein Trio gründete er bereits fünf Jahre zuvor. Der österreichische Pianist Elias Stemeseder war von Anfang an mit dabei, 2020 stieß der Bassist Felix Henkelhausen dazu - beide eine Generation jünger als Black. Das Streaming-Konzert beim Jazzfest Berlin war der erste öffentliche Auftritt dieser Besetzung. Die drei Musiker manövrieren gekonnt durch die jähen Takt- und Geschwindigkeitswechsel von Jim Blacks Stücken, lassen sie frei improvisierend hinter sich - und landen dennoch wieder auf einen Schlag im nächsten Formteil. Spannende Musik, mal verschroben, dann wieder melancholisch und von songhafter Einfachheit. "Im Prinzip schaffe ich nur ein bisschen beknackte Formen für das, was mich als Fünfjähriger geprägt hat", sagt der Schlagzeuger über seinen Ansatz.
Elias Stemeseder, Klavier
Felix Henkelhausen, Kontrabass
Jim Black, Schlagzeug
Aufnahme vom 7.11.2020 aus dem "Silent Green" Berlin