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Kampf gegen Doping"Mit Nachdruck fortsetzen"

Der Deutsche Olympische Sportbund wird seine Arbeit im Kampf gegen Doping "mit voller Kraft weiterführen". Diesen Auftrag leitet DOSB-Präsident Alfons Hörmann aus einem Papier ab, das die Ergebnisse der Untersuchung einer Untersuchung enthält. Alles begann mit der Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute".

Von Andrea Schültke | 22.06.2014

2008 hatte der Deutsche Olympische Sportbund das Projekt initiiert, Auftraggeber der Studie war das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISP). Das untersteht dem Bundesinnenministerium. Vor vier Jahren begannen zwei Forscherteams aus Berlin und Münster mit der Arbeit. Ihr Ziel: ein umfassender Bericht über die deutsche Doping-Geschichte. Über das Zwangsdopingsystem der DDR war viel bekannt. Doping im Westen hatten bis dahin zwei maßgebliche Veröffentlichungen beschrieben: Eine von der ehemaligen Leichtathletin Brigitte Berendonk, die andere von den beiden Wissenschaftlern Andreas Singler und Gerhard Treutlein.
Schon da war in Ansätzen klar, was die Studie so richtig öffentlich gemacht hat:
Staatlich geduldetes und gefördertes Doping gab es zwischen 1972 und 1989 auch in der Bundesrepublik Deutschland und nicht nur in der ehemaligen DDR.
Bis zur Veröffentlichung der Studie vor einem Jahr hatte es vor allem um den Teil der Berliner Forscher zum Teil heftige Auseinandersetzungen gegeben, zwischen dem Auftraggeber BISP und den Forschern.
Diese hatten ursprünglich Namen von am Doping beteiligten Trainern, Ärzten, Athleten und Funktionären genannt. Das BISP sprach von einem Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen. Die Berliner verlangten Rechtsschutz vom Auftraggeber. Sie befürchteten Klagen von den zum Teil noch lebenden Personen. Das Bundesinstitut lehnte ab. Kritiker warfen dem Institut daraufhin vor, es wolle die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse unterdrücken.
Schließlich veröffentlichte das BISP dann doch den Abschlussbericht der Berliner Forscher, der allerdings nur den Untersuchungszeitraum bis 1990 abdeckt. Grund: Nach Angaben der Berliner fehlte das Geld. Das BISP streitet dies ab. Eines der Ergebnisse: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft und damit das Innenministerium, hatte Dopingforschung im Westen Deutschlands über Jahre mit Millionenzahlungen unterstützt.
Allerdings wurde der der Berliner Forschergruppe vorgeworfen, sie hätten wissenschaftlich nicht korrekt gearbeitet.
Unbestritten dagegen hat die Studie einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, hinter dem Doping in Westdeutschland hat auch eine gewisse Systematik gestanden.
Das brachte auch den Deutschen Olympischen Sportbund in Zugzwang. Er setzte eine Untersuchungskommission ein. Leiter: der ehemalige Verfassungsrichter Udo Steiner. Seine Kommission sollte dem Verband Empfehlungen aussprechen, wie mit den Ergebnissen umzugehen ist.
Udo Steiner ist der Kommissionsleiter des DOSB. So empfahl er unter anderem als Vorsitzender der Dopingkommission etwa die Weiterbeschäftigung von Diskus-Bundestrainer Werner Goldmann, obwohl der zu DDR-Zeiten nachgewiesenermaßen Minderjährige gedopt hatte.
Steiners Schlussfolgerungen aus der Dopingstudie liegen seit zehn Tagen vor. Die prägnantesten:
- Ein Anti-Dopinggesetz ist nicht zwingend erforderlich.
- Die Arbeit der Nationalen Anti-Dopingagentur (NADA) muss nachhaltig unterstützt werden.
- Mehr Spielraum bei den Qualifikationsnormen für internationale Großereignisse.
- Die Zielvereinbarungen mit den Verbänden weniger stark an den Medaillen ausrichten und so eventuell weniger Anreiz zum Doping geben.
Vor allem dieser Punkt richtet sich direkt an den DOSB.