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Karrieremesse für Frauen
Coaching für den Vorstandsposten

Wie macht Frau am besten Karriere und wird ihre eigene Chefin? Das versucht eine neue Messe in München zu beantworten. Auf der herCareer präsentieren Beratungsfirmen, Banken, Handelskammern, Betreuungsfirmen und Lieferservicefirmen, wie es mit der Karriere klappen kann.

Von Susanne Lettenbauer | 16.10.2015

Frauenquote
Karriere, aber nicht zuviel: Viele Frauen wollen zwar hoch hinaus, aber den entscheidenden Schritt gehen die wenigsten. (dpa / picture alliance)
"Ich hoffe, eine Karrierefrau zu werden, mal schauen, wie es wird."
"Ja, Karriere wäre was für mich."
"Also ich kann mir eine Führungsposition schon gut vorstellen, sich peu á peu hochzuarbeiten und dann zu schauen, ob die Vorstellungen weitergehen. Ob Aufsichtsratsvorsitzende, das ist noch eine andere Frage."
Karriere ja, aber nicht zuviel. Oben mitspielen schon, aber bitte nicht zu auffällig. Frauen wollen zurückhaltend Karriere machen und stehen sich damit selbst im Weg. Diesen Eindruck hinterlässt Münchens neue Messe für weibliche Führungskräfte. Dabei gibt es spezielle Finanzierungspakete von Banken, zeigen die Aussteller. Gemeinnützige Vereine bieten Kurse an. Firmen wie Intel, Audi, Stadtwerke oder Beratungsfirmen suchen selbstbewusste Frauen, auch hier auf der Messe. Und Berufscoaches geben im Halbstundentakt Tipps für die bessere Vermarktung:
"Frauen sind sehr qualifiziert, aber sie sind sich oft ihrer Qualifikation, ihrer Kompetenzen, ihrer Erfahrungen, Talente und Wissens gar nicht so bewusst."
Weniger Selbstzweifel
Weniger Selbstzweifel wären nötig, sagt die Münchner Beraterin Bettina Wenzel. Ab rund 20 Euro kann man in kommunal und staatlich geförderten Projekten spezielle Basics für die Chefin in spe bekommen.
Das Erstaunliche: Die Frauen wissen, dass sie sich durchsetzen müssen. Nur wie genau?
Bei Führungskräften gehe es weniger um eine fachliche Qualifikation, betont eine Vertreterin aus der Automobilbranche in einem der dicht gedrängten Vorträge. Fachkräfte werden selten an der Firmenspitze eingesetzt.
Auf dem Weg zur Top-Führungsfrau heißt es sich schnell entscheiden, möglichst am Anfang der Karriere und das in der Firma auch so kommunizieren. Dann stehen zahlreiche Beratungsfirmen mit Mentoringsprogrammen bereit, die Hürden abbauen, sagt Philipp Schönfeldt von crossconsult:
"Die Frage ist ja, wollen die Frauen in diese Positionen, weil es ja eine sehr toughe Welt ist, bei der viel Einsatz gefragt ist und lange Stunden gearbeitet werden müssen, wollen die Frauen dieses Opfer bringen und müssen die Firmen nicht schauen, das es es zugänglicher machen, dass sie flexible Arbeitszeiten anbieten etc."
Ziele deutlich formulieren
Auf dem Weg an die Firmenspitze müssten Frauen deutlicher ihre Ziele formulieren, auch gegenüber der Firma, heißt es an vielen Ständen der unterschiedlichen Beratungsfirmen. Herkömmliche Verbände wie Industrie- und Handelskammern hätten neue Förderprogramme aufgelegt für Einsteiger und Wiedereinsteiger. Nicht nur Mut, sondern auch Netzwerke braucht die Frau, fordert die Gründerin Esther Eisenhardt von MomPreneurs, den Mamaunternehmerinnen. Ihre Internet-Plattform ist durchaus ernst gemeint mit dem Ziel:
"Die Mütter da auch zu unterstützen, dass sie ihre Ideen verwirklichen und sie wissen es gibt da Tools und man kann heute mit einfachen Mitteln eine Idee, eine Firma starten ohne großes Geld, ohne großes Risiko."
Vielfältige Chancen
Die Möglichkeiten, auf der Karriereleiter einzusteigen oder wiedereinzusteigen seien nicht erst seit der gesetzlichen Frauenquote immer vielfältiger geworden, ermuntert Gabriele Strasser von der deutschlandweiten Servicestelle Perspektive Wiedereinstieg ihre Zuhörerinnen:
"Der Arbeitsmarkt ist offener geworden. Fachkräftemangel gibt es, wir machen im Projekt auf Messen ganz oft die Erfahrung, dass Personaler zu uns kommen und fragen, haben sie Personal für uns."
Rausgehen, sich zeigen – Führungspositionen warten auch auf Frauen. Wenn sie es denn wollen und nicht zu zaghaft sind:
"Ob ich jetzt Karriere mache oder nicht, ich will einfach bekannt werden."
"Wir stehen am Anfang unserer Karriere, deswegen ist das noch ganz neu und aufregend."
"Also Existenzgründer ist nicht so meins, ich bin eher der Angestelltentyp."