Internationale Presseschau
Kommentare der ausländischen Zeitungen zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind auch Thema in den Kommentaren vieler europäischer Zeitungen. Ein Überblick.

    Übereinander gelegte Zeitungen
    Internationale Presse zu den Wahlen in Deutschland (Imago / Design Pics / IMAGO / Tan Kian Khoon)
    Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF aus Amsterdam kommt zu dieser Einschätzung:
    "Deutschland erleidet erneut einen politischen Tiefschlag. Die AfD wird in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft, während die Linke in Berlin die CDU vom Thron stößt. Nach der Halbierung der CDU in Sachsen-Anhalt, wo die AfD nun versucht, eine Regierung zu bilden, sind diese neuen Wahlergebnisse für Bundeskanzler Friedrich Merz äußerst schmerzhaft. Weil die Unzufriedenheit der Deutschen mit seiner Politik groß ist, wird Merz zu einem wesentlichen Teil für die jüngsten Wahlniederlagen verantwortlich gemacht."
    Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA aus Mailand sieht die CDU in einer Krise:
    "Es werden dramatische Stunden und Tage auf die CDU zukommen. Wird die Erklärung von Merz kurz nach Schließung der Wahllokale mit den Schlagworten - 'Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld' - ausreichen, um die Unruhe in der Partei zu lindern? Der entscheidende Termin ist wahrscheinlich morgen in der Bundestagsfraktion, wo Nervosität und Entmutigung Hand in Hand gehen und niemand mehr bereit ist, Zugeständnisse zu machen."
    Der britische TELEGRAPH aus London notiert:
    "Diese Niederlage war mit Abstand die schlimmste, die die CDU, eine der erfolgreichsten Mitte-Rechts-Parteien der Welt, je erlitten hat. Dass die Partei von Adenauer und Kohl so gedemütigt wurde, könnte für Friedrich Merz das politische Ende bedeuten."
    Der schweizerische TAGES-ANZEIGER führt aus:
    "Neuwahlen wären angesichts der miserablen Umfragewerte weder für CDU noch SPD eine Option. So bliebe nur die Möglichkeit, dass der derzeitige Bundestag einen neuen Regierungschef wählt. Tatsächlich verdichten sich die Spekulationen über einen Kanzlerwechsel – wenngleich ein solcher in Deutschland unüblich ist und, anders als etwa in Großbritannien, kaum reibungslos verläuft. Dieser Wahlsonntag könnte das politische Gefüge in Deutschland noch nachhaltig erschüttern.“
    Die polnische RZECZPOSPOLITA aus Warschau sieht es so:
    "Die Schwäche des Bundeskanzlers bedeutet eine Schwäche der deutschen Politik. Die Hoffnung der AfD, dass es noch in diesem Jahr nach vorgezogenen Bundestagswahlen zu einem solchen Wandel kommt, scheint nicht völlig realitätsfern zu sein."
    Die französische LIBERATION aus Paris fragt sich, ob Merz als Bundeskanzler noch politischen Rückhalt erhält:
    "Niemand drängelt sich, um die ‚Reformen des Sozialstaats‘ durchzusetzen. Kanzler von Deutschland zu sein kommt derzeit in der Politik einem angekündigten Selbstmord gleich. Das erklärt, warum die als Kandidaten gehandelten Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Bayern, Hendrik Wüst und Markus Söder, nicht so recht Lust haben, ihren Bundesländern den Rücken zu kehren, um ‚Deutschland zu retten."
    Eine Gastkommentatorin der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio findet es schockierend,
    "... dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft hat und damit nicht mehr im Landesparlament vertreten ist. Im Kampf gegen die AfD hatte die Partei von Bundeskanzler Merz ihren Kurs in der Migrationspolitik verschärft – im Nachhinein hat das der AfD geholfen, denn es wurde schließlich ein zentrales Thema im Wahlkampf. In Berlin ist es der Links-Partei gelungen unzufriedene Wähler anzusprechen, indem sie die Wohnungs- und Sozialpolitik in den Vordergrund stellte. Das zeigt, dass der Aufstieg der AfD doch nicht unvermeidlich ist."
    Die spanische Zeitung EL MUNDO aus Madrid sieht einen besorgniserregenden Trend:
    "Die traditionellen Parteien im Zentrum verlieren an Boden, während extreme Kräfte Aufwind haben. Die Krise der deutschen Mitte betrifft den ganzen Kontinent. Dieser ist von wachsenden Spaltungen im Inneren und der russischen Aggressivität bedroht. Die Wahlergebnisse sind eine Warnung. Die Verantwortung der demokratischen Parteien besteht darin, das Vertrauen in die Institutionen wieder herzustellen."
    Das tschechische Magazin RESPEKT aus erläutert:
    "Europa steht 2027 vor wichtigen Abstimmungen: In Frankreich die Präsidentschaftswahl, in Polen, Spanien, Italien, der Slowakei und Estland Parlamentswahlen. In mehreren Ländern steigen die Chancen von Parteien, die in Richtung Autokratie tendieren; der Erfolg der AfD ist für sie ein Signal. Die Parteien des Mainstreams haben versagt. Über ein ganzes Jahrzehnt hinweg sind sie Probleme wie die wirtschaftliche Stagnation, die nicht bewältigte Migrationskrise oder den Verfall der Infrastruktur nicht angegangen. Die Wähler verlieren nicht das Vertrauen in die Demokratie, sie verlieren die Geduld. Die Häufung so vieler Krisen und die Erschütterung alter Gewissheiten lässt sich kaum mit alten Rezepten lösen. Es braucht Reformen und neue Politiker. Die liberale Demokratie ist nach wie vor das erfolgreichste System. Aber sie braucht ein Upgrade."
    Diese Nachricht wurde am 21.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.