Kontroverse um Angela MerkelDie Kanzlerin und das Flüchtlingskind

"Die Bundeskanzlerin bringt ein Flüchtlingskind zum Weinen." Diese Schlagzeile zieht gerade durch die Medien. Es gibt aber auch die Schlagzeile "Angela Merkel streichelt Mädchen." Was ist wirklich passiert?

16.07.2015

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit Schülern in der Paul-Friedrich-Scheel-Schule in Rostock
Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit Schülern in der Paul-Friedrich-Scheel-Schule in Rostock (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)
So viel ist schon einmal klar. Daran werden sich die Geister scheiden. Politische Spin-Offiziere werden überlegen, was sie mit diesem Ereignis für oder gegen die CDU-Chefin anstellen können. Vielleicht schaffen es die Bilder noch in den nächsten Wahlkampf.
Eigentlich ein Routine-Termin
Die Bundeskanzlerin war gestern Abend in Rostock. Sie wollte im Rahmen des neuen Bürgerdialogs der Regierung mit Schülern sprechen. Die Kampagne heißt "Gut leben in Deutschland" und dazu gehörte auch schon das jüngste Interview des Youtubers LeFloid mit Merkel.
Ein Routinetermin, könnte man meinen. Dann passierte aber etwas Unerwartetes. Eine der Schülerinnen der Rostocker Paul-Friedrich-Scheel-Schule ergriff das Wort. Das Mädchen palästinensischer Abstammung berichtete von der Belastung durch das Asylverfahren. Ihre Familie sei schon einmal beinahe in den Libanon abgeschoben worden und habe nur eine prekäre, vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung.
Politik trifft Einzelschicksal
Die Kanzlerin versucht, die Flüchtlingspolitik der Regierung zu erklären. Man können nicht alle Menschen aufnehmen. Sie könne auch nicht versprechen, dass niemand mehr abgeschoben werde. Auch weil Deutschland Kapazitäten brauche für Menschen, die aus Ländern kämen, in denen gekämpft werde, die noch keine Zuflucht hätten. Der Libanon gelte aber derzeit nicht als Kriegs- oder Bürgerkriegsland.
Das Mädchen gibt sich nicht geschlagen, antwortet der Kanzlerin. Auch sie wolle ein glückliches Leben, sie wolle studieren, so wie die Mitschüler. Ihr schießen die Tränen in die Augen. Die Kanzlerin geht auf das Kind zu, versucht zu trösten. Angela Merkel sagt dem Mädchen, sie sei ein unheimlich sympathischer Mensch und sie habe das prima gemacht, ihre Argumente gut gebracht.
Die Kanzlerin streichelt
Und die Kanzlerin streichelt das Kind. Durch das Netz geht nun der Hashtag #merkelstreichelt. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt ist eine der Kritikerinnen bei Twitter.
Es gibt auch Spott, wie diesen Tweet der Redaktion von "quer" vom Bayerischen Rundfunk.
Ein anderer Twitter-Nutzer versucht einen witzigen Querpass zur Europapolitik.
Der Journalist Richard Gutjahr wirft der Bundesregierung vor, sie habe die entsprechende Passage in dem offiziellen Text zu dem Auftritt der Kanzlerin in Rostock verändert und damit manipuliert.
Machen Sie sich ein Bild anhand des ungeschnittenen Videos
Wir finden, das Beste ist, Sie schauen sich das Video selbst an und kommen zu Ihrem eigenen Urteil. Wir haben das Video hier in der ungeschnittenen Rohversion des NDR verlinkt. Denn auch über verschiedene gekürzte Versionen hat es bereits Diskussionen gegeben. Die ungeschnittene Version der Bundesregierung finden Sie hier.