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Korruption im FussballFBI-Informant in FIFA-Kreisen

Die US-Bundespolizei FBI hatte bei ihren Ermittlungen zur Korruption im Fußball jahrelang einen Informanten in höchsten FIFA-Kreisen: den Chef des Verbandes für Nord- und Mittelamerika, Chuck Blazer. Eine der Zielpersonen soll auch FIFA-Boss Sepp Blatter gewesen sein.

Von Thomas Kistner | 03.11.2014

Das frühere FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer (links) und FIFA-Präsident Joseph Blatter posieren 2005 zu Beginn einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main.
Das frühere FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer (links) und FIFA-Präsident Joseph Blatter im Jahr 2005. (picture alliance / dpa / Frank May )
Das FBI hatte über Jahre einen Informanten in höchsten Fußballkreisen: Chuck Blazer, FIFA-Vorstandsmitglied bis 2013. Der Amerikaner wurde als kooperierender Zeuge angeheuert, nachdem ihm 2011 korrupte Deals mit Fußballgeldern und Steuersünden in zweistelliger Höhe nachgewiesen werden konnten. Blazer wirkte zwei Jahrzehnte als Generalsekretär des Erdteilverbandes für Nord- und Mittelamerika, Concacaf. Nachdem er 2011 seinen alten Verbündeten, Concacaf-Präsident Jack Warner, wegen einer Bestechungsaffäre bei der FIFA angezeigt hatte, rächte sich Warner mit der Preisgabe brisanter Bankpapiere. Sie entlarvten Insider-Geschäfte Blazers, der Gelder des Verbandes auf eigene Offshore-Firmen weiterleitete.
44 Zielpersonen
Jetzt schildert die "New York Daily News" wie Blazer für die Bundespolizei Funktionäre aushorchte. So soll er bei den Sommerspielen 2012 in London in einem Luxushotel FIFA-Vorstände und WM-Bewerber zu Treffen geladen haben, die er über ein in seinem Schlüsselanhänger verborgenes Mikrofon mitschnitt. Betroffen waren russische, australische und amerikanische WM-Bewerber. Unter insgesamt 44 Zielpersonen des FBI soll aber auch Sepp Blatter gewesen sein.
Blazer, der jahrzehntelang auf Fußballkosten im New Yorker Trump Tower residierte, soll allein 29 Millionen Dollar über Kreditkarten in seinen üppigen Lebensstil verpulvert haben. Dass er auch eng mit Glücksspielkreisen verbandelt war, hat das FBI zusätzlich interessiert. 2012 wurde ein illegaler Glücksspielring ausgehoben, als dessen Kopf der russische Fußballfunktionär und Mafia-Boss Alimsan Tochtachunow galt. Dessen Bande residierte nur wenige Etagen über Blazers Wohnung im Trump Tower. Gegen Tochtachunow, Gründer der russischen Fußballstiftung, den man privat auch schon mit Blatter sah, hat das FBI mehrere Haftbefehle laufen.