"Interview der Woche"
Kulturstaatsminister Weimer spricht sich für Restitutionsgesetz aus - Rückgabe von Raubgut "Frage der Moral"

Kulturstaatsminister Weimer hat ein Gesetz zur Rückgabe von Raubgut aus NS- und Kolonialzeiten angekündigt. Die ersten Entwürfe für ein sogenanntes Restitutionsgesetz seien in Arbeit, sagte Weimer im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. Er wünsche sich eine Verabschiedung noch in dieser Legislaturperiode.

    Wolfram Weimer trägt ein weißes Hemd, blaues Sakko und schaut freundlich zur Seite.
    Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
    Es sei an der Zeit für ein Rahmengesetz, um die vielen offenen Fälle zu klären, betonte Weimer. Was geraubt worden sei, müsse ohne Umstände zurückgegeben werden. Das sei eine Frage der Moral. Weimer sprach sich auch für eine gründliche Provenienzforschung aus. Bei den vielen strittigen Fällen brauche es eine wissenschaftliche Einordnung. Man müsse sorgsam und verantwortungsvoll hinschauen, was rechtmäßig erworben sei.

    Weimer kündigt Konzept zur Erinnerung an Kolonialismus an

    Besonders wichtig seien ihm die so genannten "Human Remains", betonte Weimer. Das sind menschliche Überreste, die in der Kolonialzeit oft unter gewaltsamen Umständen nach Deutschland verschleppt wurden. Hier müsse nicht nur katalogisiert, sondern es müssten auch Rückgabeangebote gemacht werden. Weimer fügte hinzu, Deutschland brauche einen Ort der Erinnerung an die Kolonialverbrechen. Der Kulturstaatsminister kündigte ein Konzept der Bundesregierung zur Erinnerung an den deutschen Kolonialismus an.

    Mehr kommerziell erfolgreiche Filme aus Deutschland

    Mit Blick auf die deutsche Filmbranche forderte Weimer mehr kommerzielle Produktionen. Die Politik habe jetzt geliefert, nun sei die deutsche Filmwirtschaft dran, "starke Filme" zu machen. Das Publikum brauche weniger "kulturelle Selbstbespiegelung", sondern mehr Blockbuster. Das habe auch eine demokratische Dimension: Es müssten Filme auch für jene entstehen, die sie finanzierten.
    Vor wenigen Tagen hatte sich die Koalition auf ein Gesetz für Mindestinvestitionen von Streaming-Anbietern und Sendern geeinigt. Wenn sie hierzulande aktiv werden wollen, müssen sie mindestens acht Prozent ihres Netto-Jahresumsatzes in Deutschland und Europa investieren.

    Musikverlage in die Pflicht nehmen

    In der Musikbranche will Weimer sich mit dem Thema Streaming auseinandersetzen. Er werde in den kommenden Monaten einen Runden Tisch veranstalten, um die Lage für Kreative in der Musikindustrie zu verbessern und Musikverlage in die Pflicht zu nehmen. Streamingdienste schließen ihre Verträge meist mit den Verlagen ab und nicht mit den Künstlern selbst. Wörtlich sagte Weimer: "Wir haben es hier mit einem Kartell zu tun." Die Labels nutzten die Situation für sich aus. Wenn es dort keine Verbesserung gebe, drohte Weimer mit einem Gesetz, das dies regelt.

    Programmhinweis

    Das vollständige "Interview der Woche" mit Kulturstaatsminister Weimer hören Sie am Sonntag ab 11 Uhr im Deutschlandfunk und ab morgen in der Deutschlandfunk-App.
    Diese Nachricht wurde am 13.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.