Passgenau die Musik zu Katarinas Eintauchen in die Hitze der Liebe, das passte dem Diktator nicht. Stalin ließ das Stück verbieten, zwei Jahre allerdings erst nach der Uraufführung. Und ob es wirklich der Prüderie geschuldet war?
Regisseur Hans Neuenfels verfällt jedenfalls nicht der Versuchung, die Sexszenen herauszukitzeln. Da macht er lieber einen Blackout. Ihn interessiert anderes.
Die Überlegung ist: wie zeigt man Unterdrückung. Und ich dachte, man müsste Unterdrückung ganz bildlich zeigen: Menschen, die sich verstrickt haben, die eingeschnürt sind, die befangen, verfangen, unterdrückt, eingepresst worden sind in ein Kostüm.
Gisbert Jäkels Bühne ist von geometrischer Strenge. Im Zentrum das Doppelbett, Ort der Lust und Leiden dieser Lady Macbeth. Auf einer polierten Steinplatte ragt dies Bett wie ein Monument, ein Altar. Umgrenzt wird das Geviert von einer Art Gatter wie ein Sarkophag.
An der Wand entlang laufen Türen wie von Abhörkabinen. Katerina, unglücklich, gelangweilt, ist hier nie allein. Anfangs wälzt sie sich auf dem Bett unruhig, zertrampelt das Kopfkissen, zerrt an den Schnüren um ihr Fliederkleidchen. Alle Figuren, auch die Knechte und Mägde, laufen hier in Monturen eingeschnürt wie Pakete.
Katerinas goldgeputzter Mann Sinowij trägt um den Hals einen Bilderrahmen wie einen Kragen. Der Schwiegervater, seine Lust nur mühsam zügelnd, greift sich mit der Linken immer wieder an den steifen rechten Arm. In seiner weißen Nachtmütze wirkt er, eine Ochs-von-Lerchenau-Parodie, wie ein Gespenst.
Als eine "ganz normale russische Familie, deren Mitglieder sich schlagen und vergiften" bezeichnete Schostakowitsch die Oper über diese Lady, die zur Mörderin wird an Schweigervater und Ehemann. Neuenfels sieht Katerinas Suche nach Liebe und Erfüllung als "verzweifelten Amoklauf einer Frau zwischen Traum und Realität".
In seiner Inszenierung mischen sich erzählte Zeit des zaristischen Russland und Entstehungszeit der Oper. Katerina ist eine Blondine in 30iger-Jahre-Frisur. Ihr Liebhaber blättert auch schon mal in der "Prawda".
Eine Figur in Schostakowitsch-Maske fragt beim örtlichen Polizeichef, ob nicht auch Frösche eine Seele haben. Herrlich leicht die Parodie dieser Tee trinkenden und ihre Pistolenschäfte streichelnden Ordnungstruppe in karnevaleskem Satin-Grün.
Derwischhaft der Pope, der in seinem sonnengelben Talar sich am liebsten bei Katerina einnisten würde.
Aber Neuenfels wäre nicht Neuenfels, gäbe es nicht auch einige hinzuerfundene Figuren. Hier sind es drei halbnackte Männer mit schwarzen Übermänteln und rot flammenden Haaren: Shakespeare’sche Hexen.
Sie halten die Mühlräder der Triebe und des Todes in Gang. Sie begleiten die des Mordes Überführte noch auf dem Weg in den Gulag und geben ihr den letzten Tritt ins Keller-Grab.
Erstmals inszeniert Hans Neuenfels an der Komischen Oper. Nach seiner letzten Berliner Arbeit, Mozarts Idomeneo an der Deutschen Oper, schien er zunächst ein von den Musikbühnen der Stadt Verbannter.
Ioan Holender, der Wiener Operndirektor und Interims-Administrator an der Deutschen Oper, hatte ihm den Laufpass gegeben.
Nach meinem Rausschmiss an der Deutschen Oper kam das freundliche Gastangebot der Komischen Oper. Und das habe ich mit Freuden nicht nur angenommen, sondern mit Freuden in der Arbeit festgestellt, dass es wirklich eine tolle Sache hier ist.
Dass Neuenfels’ Theatersprache in ihrer Stringenz deutlich kontrastiert zu dem, was man sonst an dem Hause zuletzt zu sehen bekam, ist mutig und nicht ohne Pikanterie.
Das Premieren-Publikum jedenfalls zeigte sich begeistert und bejubelte das gesamte Team, insbesondere Anne Bolstad als lebenssüchtige Katerina wie auch den endlich einmal wieder zu einer adäquaten Aufgabe geforderten Chor.
Vassily Sinaisky am Pult entfesselt die Partitur Schostakowitschs zu einem tönenden Kosmos. Ein Meisterwerk der Moderne, meisterhaft realisiert.
Regisseur Hans Neuenfels verfällt jedenfalls nicht der Versuchung, die Sexszenen herauszukitzeln. Da macht er lieber einen Blackout. Ihn interessiert anderes.
Die Überlegung ist: wie zeigt man Unterdrückung. Und ich dachte, man müsste Unterdrückung ganz bildlich zeigen: Menschen, die sich verstrickt haben, die eingeschnürt sind, die befangen, verfangen, unterdrückt, eingepresst worden sind in ein Kostüm.
Gisbert Jäkels Bühne ist von geometrischer Strenge. Im Zentrum das Doppelbett, Ort der Lust und Leiden dieser Lady Macbeth. Auf einer polierten Steinplatte ragt dies Bett wie ein Monument, ein Altar. Umgrenzt wird das Geviert von einer Art Gatter wie ein Sarkophag.
An der Wand entlang laufen Türen wie von Abhörkabinen. Katerina, unglücklich, gelangweilt, ist hier nie allein. Anfangs wälzt sie sich auf dem Bett unruhig, zertrampelt das Kopfkissen, zerrt an den Schnüren um ihr Fliederkleidchen. Alle Figuren, auch die Knechte und Mägde, laufen hier in Monturen eingeschnürt wie Pakete.
Katerinas goldgeputzter Mann Sinowij trägt um den Hals einen Bilderrahmen wie einen Kragen. Der Schwiegervater, seine Lust nur mühsam zügelnd, greift sich mit der Linken immer wieder an den steifen rechten Arm. In seiner weißen Nachtmütze wirkt er, eine Ochs-von-Lerchenau-Parodie, wie ein Gespenst.
Als eine "ganz normale russische Familie, deren Mitglieder sich schlagen und vergiften" bezeichnete Schostakowitsch die Oper über diese Lady, die zur Mörderin wird an Schweigervater und Ehemann. Neuenfels sieht Katerinas Suche nach Liebe und Erfüllung als "verzweifelten Amoklauf einer Frau zwischen Traum und Realität".
In seiner Inszenierung mischen sich erzählte Zeit des zaristischen Russland und Entstehungszeit der Oper. Katerina ist eine Blondine in 30iger-Jahre-Frisur. Ihr Liebhaber blättert auch schon mal in der "Prawda".
Eine Figur in Schostakowitsch-Maske fragt beim örtlichen Polizeichef, ob nicht auch Frösche eine Seele haben. Herrlich leicht die Parodie dieser Tee trinkenden und ihre Pistolenschäfte streichelnden Ordnungstruppe in karnevaleskem Satin-Grün.
Derwischhaft der Pope, der in seinem sonnengelben Talar sich am liebsten bei Katerina einnisten würde.
Aber Neuenfels wäre nicht Neuenfels, gäbe es nicht auch einige hinzuerfundene Figuren. Hier sind es drei halbnackte Männer mit schwarzen Übermänteln und rot flammenden Haaren: Shakespeare’sche Hexen.
Sie halten die Mühlräder der Triebe und des Todes in Gang. Sie begleiten die des Mordes Überführte noch auf dem Weg in den Gulag und geben ihr den letzten Tritt ins Keller-Grab.
Erstmals inszeniert Hans Neuenfels an der Komischen Oper. Nach seiner letzten Berliner Arbeit, Mozarts Idomeneo an der Deutschen Oper, schien er zunächst ein von den Musikbühnen der Stadt Verbannter.
Ioan Holender, der Wiener Operndirektor und Interims-Administrator an der Deutschen Oper, hatte ihm den Laufpass gegeben.
Nach meinem Rausschmiss an der Deutschen Oper kam das freundliche Gastangebot der Komischen Oper. Und das habe ich mit Freuden nicht nur angenommen, sondern mit Freuden in der Arbeit festgestellt, dass es wirklich eine tolle Sache hier ist.
Dass Neuenfels’ Theatersprache in ihrer Stringenz deutlich kontrastiert zu dem, was man sonst an dem Hause zuletzt zu sehen bekam, ist mutig und nicht ohne Pikanterie.
Das Premieren-Publikum jedenfalls zeigte sich begeistert und bejubelte das gesamte Team, insbesondere Anne Bolstad als lebenssüchtige Katerina wie auch den endlich einmal wieder zu einer adäquaten Aufgabe geforderten Chor.
Vassily Sinaisky am Pult entfesselt die Partitur Schostakowitschs zu einem tönenden Kosmos. Ein Meisterwerk der Moderne, meisterhaft realisiert.