"Gen-Z-Mafia"
Lagebild des BKA: Organisierte Kriminalität verändert Erscheinungsbild - weniger Abschottung, mehr Inszenierung

Das Erscheinungsbild der Organisierten Kriminalität in Deutschland hat sich nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes verändert. In der Pressemitteilung zum neuen Bundeslagebild heißt es, lange Zeit sei die Abschottung ein Kennzeichen gewesen. Heute dagegen inszenierten vor allem jüngere kriminelle Akteure in den Sozialen Medien Macht, Status und Gewalt.

    BKA-Präsident Münch, Bundesinnenminister Dobrindt und der Bundesdrogenbauftragte Streeck stellen die Bundeslagebilder Organisierte Kriminalität und Rauschgift vor
    BKA-Präsident Münch, Bundesinnenminister Dobrindt und der Bundesdrogenbauftragte Streeck stellen die Bundeslagebilder Organisierte Kriminalität und Rauschgift vor. (Annette Riedl / dpa / Annette Riedl)
    Kriminelle Leistungen würden dort zunehmend gezielt angeboten. Das Spektrum reiche von Logistik und Waffen über Geldwäsche bis hin zur Rekrutierung für Gewalttaten. Unter den angeheuerten Tätern seien teils sogar 13-Jährige. BKA-Präsident Münch sagte, kriminelle Netzwerke agierten heute viel stärker digital vernetzt, international und arbeitsteilig.

    Ermittler sehen mehr Brutalität

    Laut Lagebild gibt es mehr Gewalt. Als ein Beispiel für die Brutalität, mit der viele Täter inzwischen vorgehen, wird eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024 genannt. Diese seien auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen. Zugenommen haben demnach zuletzt auch die Fälle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens dafür rekrutierte Minderjährige verübt werden.
    Den Angaben zufolge wurden 2025 bundesweit mehr als 680 Ermittlungsverfahren mit knapp 8.000 Tatverdächtigen geführt - so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte lag bei 20. Im Vorjahr waren es 13.
    Unter den Tatverdächtigen waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 Menschen mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit.

    Organisierte Kriminalität ist größtenteils Rauschgiftkriminalität

    Rauschgiftkriminalität machte 2025 erneut mit Abstand den Großteil der Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität aus, gefolgt von Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche.
    Mit 2.150 registrierten Drogentoten lag die Zahl der Todesfälle durch Rauschgift im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Ein Anstieg war laut Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität bei den Todesfällen im Zusammenhang mit sogenannten Neuen Psychoaktiven Stoffen zu beobachten. Die Zahl der Todesfälle durch diese sogenannten Designerdrogen nahm demnach um knapp 15 Prozent auf 177 Tote zu.
    Viele dieser Designerdrogen werden über das Internet verkauft, aber auch für andere Drogen gewinnt dieser Vertriebsweg laut BKA zunehmend an Bedeutung.
    Diese Nachricht wurde am 16.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.