Donnerstag, 18. August 2022

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Lebensmittel
Verzicht auf Kunststoffverpackungen möglich

In Kiel hat der deutschlandweit erste Laden eröffnet, der nur unverpackte Waren anbietet. Die Betreiberinnen haben Plastiktüten aus ihrem Sortiment verbannt und setzen auch sonst auf Sparsamkeit. Eines ihrer größten Probleme war die Suche nach Lieferanten, die lose Ware anbieten.

Von Maike Strietholt | 18.06.2014

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    Ein Kieler Lebensmittelladen verzichtet ganz bewußt auf Kunststoffverpackungen und ist damit Vorreiter in Deutschland. (picture-alliance / dpa / Patrick Pleul)
    Zwei junge Frauen betreten den Laden und schauen sich erst einmal neugierig um. Das Lokal ist überschaubar, an den Wänden stehen rundum dunkle Holzregale, gespickt mit langhalsigen gläsernen Behältnissen. Reis, Nudeln, Trockenobst, Süßigkeiten und vieles mehr, außerdem, im hinteren Teil, Kanister mit Spirituosen und Ölen, sogar Wasch- und Spülmittel. Direkt am Eingang gibt es Auslagen mit Obst und Gemüse. Inhaberin Marie Delaperrière zum Geschäftskonzept:
    "Unnötige Einwegverpackungen reduzieren, und Lebensmittelverschwendung auch reduzieren. Wir haben in Sortiment fast den gesamten Alltagsbedarf - außer Molkerei-, Fleisch-, Fisch- und Hygieneartikel."
    Ziel ist es, unnötige Einwegverpackungen zu reduzieren
    Denn bei diesen Artikeln würde es eben aus hygienischen Gründen schwierig, sie zum selbst abfüllen anzubieten.
    Die beiden Kundinnen stehen inzwischen bei den Spendern mit den Hülsenfrüchten - Erbsen sollen es sein. Sie sind zum ersten Mal hier:
    "Es war ja mal im Fernsehen, und deshalb sind wir heute mal hergegangen."
    Die beiden sind gut vorbereitet und haben eine Brotdose mitgebracht. Die muss zuerst leer auf die Waage, und dann können die Erbsen abgefüllt werden. Verkäuferin Tanja Kauert gibt Bedienungshinweise für den Spender:
    "Drunter halten, und dann vorsichtig ziehen, damit nicht gleich alles herauskommt."
    Schon ist die Dose voll. Das Müsli, das die Kundinnen noch spontan mitnehmen, füllen sie eine der bereit liegenden Papiertüten. Auch Gläser in allen erdenklichen Größen gibt es, die zwar etwas kosten, aber wiederverwendet werden können. Und auch wer zum Großeinkauf gebrauchte Plastiktüten mitbringt, werde nicht gleich schief angeschaut, sagt Delaperrière, die sich jahrelang über ihren eigenen Verpackungsmüll ärgerte. Ebenso wie dieser Kunde, der im Auftrag seiner Frau Kaffee kauft:
    "Es ist ein bisschen viel Plastik um uns herum, man hört immer diese Beiträge, dass das im Meer rumschwimmt. Und meine Frau hat gesagt: Statt fasten werde ich dieses Jahr nicht so viel Plastik verbrauchen."
    Sparsamkeit ist auch ein Thema
    Und da passte der neue Laden prima ins Konzept. Tatsächlich ist aber auch Sparsamkeit bei dem ein oder anderen Kunde Thema:
    "Dass ich das nicht kiloweise mit nach Hause nehmen muss - erst einmal probieren." "Weil ich immer lieber kleine Portionen nehme. Lieber einmal mehr als zu viel haben."
    Und wie steht es mit den Transportwegen? Ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Ökobilanz von Waren. Die Kundschaft macht sich auch darüber Gedanken:
    "Ich muss nicht Sachen haben, die tausende von Kilometern transportiert wurden ... Klar, so eine Ananas gibt's ja hier nicht. Aber so ein Apfel aus Neuseeland liegt dann neben einem Apfel von hier und ist dann eventuell noch günstiger."
    Ökobilanz von Waren als wichtiger Faktor
    Inhaberin Delaperrière sieht dieses Problem und lässt sich vorzugsweise von norddeutschen Händlern beliefern - bei nicht heimischen Produkten achtet sie auf möglichst kurze Wege. So stammt der Reis beispielsweise aus Italien statt aus Asien. Und das Getreide Quinoa wächst zwar nur in Südamerika, wird aber immerhin in 25kg-Säcken-Säcken angeliefert und ist biologisch erzeugt. Da müsse man dann abwägen, sagt Delaperrière. Es sei auch nicht immer einfach, Lieferanten zu finden:
    "Ich habe nicht viele gefunden, die lose anbieten. Beim Großhandler habe ich nicht unbedingt Großgebinde bekommen, oder sie möchten unbedingt die Marke behalten, die dann auf der Verpackung steht."
    Deutlich einfacher ist das bei Biohändlern – ein Grund, wieso sich Delaperrière jüngst als Bio zertifizieren ließ. Die Französin, die zuvor in der Logistikbranche tätig war und sich mit dem Kieler Laden den Traum der Selbständigkeit erfüllte, hat aber noch andere Pläne: Sie möchte mit einem Franchise-System weitere Läden eröffnen. Dann könnten durch größere Bestellmengen auch die Ladenpreise endlich sinken – vielleicht sogar einmal unter den Preis von aufwändig verpackten Supermarktprodukten.