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Leichtathletik
Der Fall Salazar überschattet die US-Trials

US-Trials in Eugene auf WM-Niveau. Während die Sprinter dabei gut in Tritt kommen, will sich Langstreckenläufer Galen Rupp nicht von den Dopinganschuldigungen gegen ihn und seinen Trainer Alberto Salazar beirren lassen.

Von Heiko Oldörp | 27.06.2015

    Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt (r.) schaut sich nach seinen Mitläufern um.
    Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt (r.) schaut sich nach seinen Mitläufern um. (picture alliance / dpa / Laurent Gillieron)
    "Es sind noch weniger als 800 Meter und unser sechsfacher Titelgewinner, Galen Rupp, läuft vorne weg..."
    Es ist ein überzeugender Sieg von Galen Rupp bei den US-Meisterschaften in Eugene über die 10.000 Meter. Das Publikum auf der Haupttribüne des Hayward Field erhebt sich von den Holzbänken, um den Olympia-Zweiten auf seinen letzten Metern zu feiern.
    Die Frage, ob sie da einem sauberen Athleten zujubeln oder jemandem, der gedopt hat, stellt sich hier nicht. Rupp ist ein local hero - zwei Stunden nördlich, in Portland, geboren, in Eugene aufs College gegangen. Seit elf Jahren trainiert er unter Alberto Salazar beim "Nike Oregon Project", einer Laufgruppe, der auch der britische Doppel-Olympiasieger Mo Farah angehört.
    "Er ist unser Junge"
    Die Zuschauer haben die Meldungen der vergangenen Wochen natürlich vernommen - die Dopinganschuldigungen gegen Salazar, der Rupp bereits im Teenager-Alter mit verbotenen Mitteln versorgt haben soll. Dennoch glaubt die Masse, dass er sauber sei und steht deshalb hinter ihm. Schließlich, so heißt es, sei in Amerika jeder so lange unschuldig bis das Gegenteil bewiesen ist.
    "Ich glaube, dass Galen Rupp sauber ist. Er ist unser Junge. Ich stehe hinter ihm, solange das Gegenteil bewiesen ist. Er ist ein unglaublicher Champion. Hierzulande bist du unschuldig, solange bist Du schuldig gesprochen wirst."
    Es ist der erste Wettkampf von Rupp seitdem die BBC zu Monatsbeginn die Anschuldigungen gegen Salazar und ihn öffentlich gemacht hat. In der Mixed-Zone stellt sich der 29-Jährige viereinhalb Minuten den Medienfragen, die sich kaum um seinen Lauf, sondern vielmehr um Doping drehen. Salazar verfolgt auf einem Hocker sitzend aus zehn Metern Entfernung das Geschehen. Er hatte am Mittwoch auf der Internetseite seiner Trainingsgruppe erklärt, für sauberen Sport einzustehen. Ähnliche Worte sind nun auch von Rupp zu hören.
    "Es war eine schwere Zeit, ich konnte mich kaum fokussieren. Aber ich bin froh, dass Alberto an die Öffentlichkeit gegangen ist, ich stehe hundertprozentig hinter ihm, glaube an einen sauberen Sport, denke, dass sich die Wahrheit durchsetzen wird."
    Die USADA hat ihre Untersuchungen aufgenommen
    Als Rupp weggeht, verschwindet auch Salazar ohne, dass die Medien an ihn herankommen können. Der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, USADA, indes, kann er nicht davonlaufen. Die hat ihre Untersuchungen aufgenommen - mehr als zwölf Zeugen befragt und eifrig Beweismittel gegen den Coach gesammelt. Offiziell gibt es jedoch keine Stellungnahme.
    Der US-Leichtathletik-Verband hält sich ebenfalls bedeckt. Pressesprecherin Jill Geer verweist gegenüber dem Deutschlandfunk auf die USADA, die extra dafür gegründet wurde, um Verbände aus Doping-Untersuchungen rauszuhalten. Man habe äußerstes Vertrauen in die USADA, so Geer.
    "Wir wissen nichts über mögliche Untersuchungen, die USADA hält uns da komplett raus. Und weil wir keine Kenntnis von dem haben, was dort untersucht wird oder eben auch nicht, haben wir keinerlei Kommentar abgegeben. Wir sind lediglich diejenigen, die eine Strafe für Athleten und Trainer durchsetzen, sollte es eine geben."
    Usain Bolt ist zurzeit außer Form
    Eine einjährige Doping-Sperre hat gerade Tyson Gay hinter sich. In Eugene hat sich der Sprinter mit dem Sieg über die 100 Meter in guten 9,87 Sekunden zurückgemeldet. "Ich bin ein Mensch, mache Fehler. Ich kann niemanden überzeugen, sauber oder nicht sauber zu sein - das Urteil muss sich jeder selbst bilden. Ich habe eine zweite Chance bekommen, um meine Fehler wettzumachen - und deshalb bin ich hier."
    Gay war bei der Weltmeisterschaft 2007 der Letzte, der Usain Bolt in einem großen Finale besiegen konnte. Der Jamaikaner scheint derzeit Probleme zu haben. Über die 100 Meter rangiert er in der Jahresbestenliste nur auf Position 54. Gay glaubt dennoch, dass Bolt bis zur WM in acht Wochen in Peking in Form kommt. "Er hat sich immer als Meisterschafts-Typ bezeichnet. Alles, was er jetzt macht, ist egal. Wenn es um die Titel geht, ist er immer bereit."