Zwar wird die Geschichte der Frau John durchaus sorgfältig und ernsthaft nacherzählt, die sich für ihr eigenes im Kindsbett gestorbenes das Neugeborene des Dienstmädchens Pauline kauft und dies trotz späteren Sinneswandels der jungen Mutter nicht wieder herausgeben will, und die Schauspielerin Heidi Ecks zeigt mit Konzentration und Kraft den Wandel dieser Frau vom energischen Wollen zum verzweifelten Zusammenbruch. Auch marschieren in einer fulminanten Szene rechte Sangesbrüder zur Gratulation bei Familie John auf.
Doch im Zentrum dieser komödiantisch farbigen, sinnlich sensiblen Inszenierung steht eine andere Facette des Stückes: nämlich die Frage nach der Wahrheit des Theaters und nach dem wahren Theater. Da Frau John den Fundus des Schauspieldirektors Hassenreuter auf dem Dachboden pflegt, wird dieser als zentraler Spielort auf die Bühne gestellt.
Acht Darsteller bedienen sich für 14 Rollen aus dem Fundus, zwischen dessen Figuren und Kleiderständer nur gelegentlich das mit Windelpackungen vollgestopfte Zimmer von Frau John geschoben wird. Sie ziehen sich auf offener Bühne um, springen zwischen ihren Rollen, korrigieren sich gegenseitig bei Gestik (Hände weg), Aussprache (nicht spucken), Text (nicht denken) und Pausen, und überprüfen bei ihrem Spiel von Hauptmanns Ratten-Geschichte ganz unterschiedliche Darstellungsweisen. Das kann, im Falle des als Gast den jungen, steifen Spitta wie auch den bösen Bruder von Frau John spielenden Torsten Ranft, dazu führen, dass sich, je nach Rampenintensität des Spiels, Figuren mehr als nötig in den Vordergrund schieben.
Doch wie insgesamt hier, ausgehend von Thomas Hubers Darstellung des Schauspieldirektors als schmalem, doktrinär gegen Realismus und Realität auf der Bühne dozierendem Besserwisser auf mehreren Darstellungsebenen im Spiel darüber reflektiert wird, wie Theater zu spielen sei, das zeigt hohen Einfallsreichtum und zeitigt enorme Bühnenwirksamkeit. Regisseurin Karin Henkel beweist einmal mehr, dass sie Stücke intelligent zu analysieren und zugleich mit Tempogefühl und Sensibilität für Schauspieler-Temperamente zu inszenieren versteht. Hauptmanns "Die Ratten" in Leipzig: das ist ein vom Publikum lautstark und begeistert umjubelter Theaterspaß mit selbstreferentieller tieferer Bedeutung.
In der Neuen Szene, der kleinen Spielstätte des Leipziger Schauspiels, zeigte anderntags Armin Petras seine Bühneneinrichtung von Christoph Heins Roman "Horns Ende."
Auf einer Simultanbühne, das Bürgermeisterzimmer mit Marxkopf in der Mitte, an den Seiten Arztpraxis, Heimatmuseum und Krämerladen, wird Heins Geschichte über eine DDR-Kleinstadt in den 50er Jahren in munter bewegte Bilder übersetzt. Geschichte ist vielstimmig und fragmentarisch, sagt Heins Roman, und sie lebt durch Erinnerungen, denen man misstrauen sollte. Weshalb Armin Petras viele kleine Beziehungs-Geschichten Geschichte vermitteln lässt. Es gibt zahlreiche Liebes- und Lebensgeschichten von oftmals beschädigten Menschen. Titelfigur Horn, nach politischer Disziplinierung ans Heimatmuseum der Kleinstadt gekommen, trifft hier auf den überforderten Bürgermeister Kruschatz. Der muss die einstigen Maßnahmen gegen Horn treffen und wird wieder, diesmal von seinem stalinistischen Stellvertreter, zur übertriebenen Aktion gegen Horn getrieben.
Es geht immer um Lebenszwänge und Lebenslügen, um das vergebliche Wollen von Menschen, die in gesellschaftlichen Zwängen stecken. Armin Petras´ elegant zwischen den Zeiten und zwischen Realismus und wildem Spiel springende Inszenierung lässt die Schauspieler gleichermaßen als Erzähler wie demonstrative Spieler agieren. Dabei wechseln sie von witzigen, verfremdenden Slapstickeinlagen, bei denen der Regisseur nicht immer seinen allzu überschießenden Drang zum unbedingten Witzigsein zu zügeln vermochte, und ungemein konzentrierten bewegten szenischen Bildern hin und her. Zum Schluss, wenn die Frau des Bürgermeisters an Krebs gestorben ist und Horn Selbstmord begangen hat, wenn eigentlich alles schief gegangen ist, werden die Übriggebliebenen mit dem Mobiliar zusammengeschoben: was bleibt, ist dieses Museum der DDR.
Die in vielen Teilen faszinierende, schauspielerisch so lebhafte wie überzeugende Inszenierung ist eine Coproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt. Armin Petras wird dort am 7.April dieser Inszenierung die Bühnenfassung eines weiteren Romans von Christoph Hein hinzufügen: In "In seiner frühen Kindheit ein Garten" kämpft ein Vater um Aufklärung, warum sein Sohn als des Terrorismus Verdächtigter in Bad Kleinen umgekommen ist und erfährt viel für ihn Neues über sein Land. Mit diesem Projekt nach zwei Romanen von Christoph Hein sollen Alltagsbilder der DDR mit denen der alten Bundesrepublik konfrontiert werden.
Doch im Zentrum dieser komödiantisch farbigen, sinnlich sensiblen Inszenierung steht eine andere Facette des Stückes: nämlich die Frage nach der Wahrheit des Theaters und nach dem wahren Theater. Da Frau John den Fundus des Schauspieldirektors Hassenreuter auf dem Dachboden pflegt, wird dieser als zentraler Spielort auf die Bühne gestellt.
Acht Darsteller bedienen sich für 14 Rollen aus dem Fundus, zwischen dessen Figuren und Kleiderständer nur gelegentlich das mit Windelpackungen vollgestopfte Zimmer von Frau John geschoben wird. Sie ziehen sich auf offener Bühne um, springen zwischen ihren Rollen, korrigieren sich gegenseitig bei Gestik (Hände weg), Aussprache (nicht spucken), Text (nicht denken) und Pausen, und überprüfen bei ihrem Spiel von Hauptmanns Ratten-Geschichte ganz unterschiedliche Darstellungsweisen. Das kann, im Falle des als Gast den jungen, steifen Spitta wie auch den bösen Bruder von Frau John spielenden Torsten Ranft, dazu führen, dass sich, je nach Rampenintensität des Spiels, Figuren mehr als nötig in den Vordergrund schieben.
Doch wie insgesamt hier, ausgehend von Thomas Hubers Darstellung des Schauspieldirektors als schmalem, doktrinär gegen Realismus und Realität auf der Bühne dozierendem Besserwisser auf mehreren Darstellungsebenen im Spiel darüber reflektiert wird, wie Theater zu spielen sei, das zeigt hohen Einfallsreichtum und zeitigt enorme Bühnenwirksamkeit. Regisseurin Karin Henkel beweist einmal mehr, dass sie Stücke intelligent zu analysieren und zugleich mit Tempogefühl und Sensibilität für Schauspieler-Temperamente zu inszenieren versteht. Hauptmanns "Die Ratten" in Leipzig: das ist ein vom Publikum lautstark und begeistert umjubelter Theaterspaß mit selbstreferentieller tieferer Bedeutung.
In der Neuen Szene, der kleinen Spielstätte des Leipziger Schauspiels, zeigte anderntags Armin Petras seine Bühneneinrichtung von Christoph Heins Roman "Horns Ende."
Auf einer Simultanbühne, das Bürgermeisterzimmer mit Marxkopf in der Mitte, an den Seiten Arztpraxis, Heimatmuseum und Krämerladen, wird Heins Geschichte über eine DDR-Kleinstadt in den 50er Jahren in munter bewegte Bilder übersetzt. Geschichte ist vielstimmig und fragmentarisch, sagt Heins Roman, und sie lebt durch Erinnerungen, denen man misstrauen sollte. Weshalb Armin Petras viele kleine Beziehungs-Geschichten Geschichte vermitteln lässt. Es gibt zahlreiche Liebes- und Lebensgeschichten von oftmals beschädigten Menschen. Titelfigur Horn, nach politischer Disziplinierung ans Heimatmuseum der Kleinstadt gekommen, trifft hier auf den überforderten Bürgermeister Kruschatz. Der muss die einstigen Maßnahmen gegen Horn treffen und wird wieder, diesmal von seinem stalinistischen Stellvertreter, zur übertriebenen Aktion gegen Horn getrieben.
Es geht immer um Lebenszwänge und Lebenslügen, um das vergebliche Wollen von Menschen, die in gesellschaftlichen Zwängen stecken. Armin Petras´ elegant zwischen den Zeiten und zwischen Realismus und wildem Spiel springende Inszenierung lässt die Schauspieler gleichermaßen als Erzähler wie demonstrative Spieler agieren. Dabei wechseln sie von witzigen, verfremdenden Slapstickeinlagen, bei denen der Regisseur nicht immer seinen allzu überschießenden Drang zum unbedingten Witzigsein zu zügeln vermochte, und ungemein konzentrierten bewegten szenischen Bildern hin und her. Zum Schluss, wenn die Frau des Bürgermeisters an Krebs gestorben ist und Horn Selbstmord begangen hat, wenn eigentlich alles schief gegangen ist, werden die Übriggebliebenen mit dem Mobiliar zusammengeschoben: was bleibt, ist dieses Museum der DDR.
Die in vielen Teilen faszinierende, schauspielerisch so lebhafte wie überzeugende Inszenierung ist eine Coproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt. Armin Petras wird dort am 7.April dieser Inszenierung die Bühnenfassung eines weiteren Romans von Christoph Hein hinzufügen: In "In seiner frühen Kindheit ein Garten" kämpft ein Vater um Aufklärung, warum sein Sohn als des Terrorismus Verdächtigter in Bad Kleinen umgekommen ist und erfährt viel für ihn Neues über sein Land. Mit diesem Projekt nach zwei Romanen von Christoph Hein sollen Alltagsbilder der DDR mit denen der alten Bundesrepublik konfrontiert werden.