Sonntag, 02. Oktober 2022

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Limit

Wir schreiben das Jahr 2025: Ein Weltraumfahrstuhl verbindet die Erde mit einer geostationären Raumstation, Trips zum Mond sind Routine und die Energiesorgen der Menschheit obsolet geworden. Frank Schätzings neuer Roman ist sorgfältig recherchiert, zeigt allerdings Längen.

Rezensent: Ralf Krauter | 13.12.2009

    Der Mond ist in gut 15 Jahren nicht nur Ausflugsziel, sondern Rohstoffbasis für die Energieversorgung von morgen. Fusionsreaktoren verschmelzen das Isotop Helium-3, das riesige Roboter aus der Mondoberfläche baggern. Natürlich weckt die schöne neue Welt Begehrlichkeiten, die Konflikte schüren: Amerikaner und Chinesen kämpfen um Schürfrechte auf dem Mond, Erdölkonzerne und Raumfahrtbehörden wollen ihr Scherflein der Zukunft sichern.

    All das liefert Stoff für einen packenden Thriller, dessen Stärke ist, dass Frank Schätzing sich wieder mal reichlich Zeit für die Recherche der wissenschaftlichen Fakten genommen hat. Sex und Haute Cuisine in der Schwerelosigkeit? Der Leser erfährt, wie das geht. Ist ein Klippensturz auf dem Mond tödlich? Ja, trotz der geringen Schwerkraft. All das ist in einen spannenden Plot verpackt und routiniert erzählt.

    Nur leider hat Frank Schätzing auch diesmal nicht Maß gehalten. Dass er Thriller schreiben kann, wie nur wenige andere, hat er bereits mit seinem Bestseller "Der Schwarm" bewiesen. Schon dieser Roman war allerdings mindestens 200 Seiten zu dick. Bei Schätzings neuestem Wälzer beträgt die gefühlte Überlänge eher 400 Seiten. In epischer Breite schildert er die Eigenheiten Dutzender Protagonisten. Da die oft gar nicht wichtig für den Fortgang der Handlung sind, wirkt das auf Dauer ermüdend. Auch bei den ausufernden Konversationen eines illustren Grüppchens von Mondtouristen stehen Länge und Unterhaltungswert in keinem Verhältnis. Weniger wäre mehr gewesen, möchte man dem Kölner Autoren deshalb fürs nächste Werk mit auf den Weg geben. Fazit: Ein lesenswerter Thriller, für alle, die auf Action stehen und viel Zeit übrig haben.

    Frank Schätzing: Limit
    ISBN 978-3-462-03704-3
    Kiepenheuer & Witsch, 1320 Seiten, 26 Euro