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Manipulation nach DDR-Methode?

Die 800-Meter-Läuferin Caster Semenya aus Südafrika hält ihren bei der Weltmeisterschaft in Berlin erlaufenen Titel nur unter Vorbehalt. Der Weltverband IAAF hat medizinische Untersuchungen angekündigt, ob Semenya wirklich eine Frau ist. Die weltweit geäußerten Zweifel verlangen eine Klärung. In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Schweizer Tageszeitung "Blick" exklusiv, der frühere DDR-Trainer Ekkart Arbeit habe bei der genetischen Manipulation der Athletin seine Hände im Spiel.

Von Klaus Blume | 21.08.2009

Der Leichtathletikexperte Carl Schönenberger schreibt : "Ein Trainer, der lange Jahre in Südafrika gearbeitet hat und heute noch intensive Kontakte pflegt, weiß, dass die jetzt verlangten Tests unnötig sind. Südafrika hat sie bereits im März gemacht." Das Ergebnis ist klar, sagt er. Semenya "hätte nicht bei den Frauen starten dürfen. Doch ihre Funktionäre haben voll auf die Karte Risiko gesetzt."

"Eine Vermutung", schreibt Schönenberger, "die auch daher rührt, dass der südafrikanische Head-Coach E. A. heißt." Hinter dem Kürzel "E. A." verbirgt sich ganz offenbar Dr. Ekkart Arbeit, 68 Jahre, ab 1989 letzter Cheftrainer der DDR-Leichtathleten. Arbeit hatte 1989 in einem Interview mit der Zürcher Zeitung "Sport" gesagt: "Nicht in der medikamentösen Aufrüstung liegt die Zukunft der Leichtathletik, sondern in der Erforschung des menschlichen Kopfes, in der Erforschung seines Nervensystems und seines Stoffwechsels." Auf diese Erkenntnisse müsse man aufbauen.

Heute schreibt der "Blick": "Jetzt wirkt E. A. in Südafrika. Er hat genau gewusst, was zu tun war, dass Semenya bei ihren bisherigen Wettkämpfen stets durchgekommen ist." Ihr Testosteronspiegel sei mit Medikamenten so eingestellt worden, dass sie bei Dopingkontrollen nicht auffalle. Zitat: "Für E. A., den Mann aus der DDR, ein Kinderspiel - mit seinen damaligen Anabolikabombern hatte er es jahrelang so gemacht".

Die Methoden des Ekkart Arbeit sind berüchtigt. Wenn sich in der DDR jemand quergelegt hat, wurde er kurzerhand beim Ministerium für Staatssicherheit denunziert. Das widerfuhr zum Beispiel Anfang der 70er-Jahre der überragenden Diskuswerferin Karin Illgen, nur weil sie mit einem Ausländer in einem Straßencafé bei einem Eis beobachtet wurde. "Sie hat von der Erscheinung her mit unmöglichen Figuren Kontakt, und - man kann das nicht sagen, aber es wird vermutet - auch geschlechtliche Beziehungen gehabt." Das schrieb Dr. Arbeit an seinen Führungsoffizier.

Das vernichtendste Urteil fällte übrigens Manfred Höppner, Stellvertretender Chef des Sportmedizinischen Dienstes der DDR. In einer Vernehmung durch die Berliner Staatsanwaltschaft sagte er über die Dopingpraxis: "Ich kann bestätigen, dass Dr. Arbeit die Anwendung von 'unterstützenden Mitteln' in hohem Maße und in absoluter Vervollkommnung förderte und wiederholt anmahnte. Er entwickelte auch selbst Anwendungsvorschläge, die er dann in Trainerratstagungen zur Diskussion stellte."