Montag, 08. August 2022

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McLaren-Report zu Gewichtheber-Weltverband
Amtsmissbrauch im großen Stil

Eine Untersuchung der Geschäftspraktiken an der Spitze des Internationalen Gewichtheberverbandes hat den lange gehegten Verdacht bestätigt: Für Millionen von versickerten Dollar gibt es keine Belege. Dopingfälle wurden verschleiert. Und ein Mann kontrollierte alles: Ex-Präsident Tamás Aján.

Von Jürgen Kalwa | 04.06.2020

November 6, 2019, Lima, Peru: TAMAS AJAN, President of the International Weightlifting Federation gives a press conference to present the Weightlifting competition Grand Prix Lima 2019. Lima Peru PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMA 20191106mdab195664 Copyright: xMarianaxBazox
Ex-Präsident Tamás Aján trat im April unter Druck zurück. (Imago)
Er war vor zwanzig Jahren an die Macht gelangt: Der ungarische Sportpädagoge Tamás Aján, ein Funktionär, der sich über unterschiedliche Posten hochgedient hatte. Im April trat er - unter Druck – zurück, nachdem eine Dokumentation der ARD-Doping-Redaktion erstmals brisante Belege für seinen autokratischen Arbeitsstil an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Der 81-Jährige hinterließ ein hässliches Erbe, wie der kanadische Rechtsanwalt Richard McLaren am Donnerstag in Montreal bestätigte:

"Systematisches Versagen und Korruption an höchsten Stellen im IWF" – dem Internationalen Gewichtheberverband.
Delegierte wurden bestochen
Der Untersuchungsbericht, den die Organisation im Januar bei McLaren in Auftrag gegeben hatte, lässt keinen Zweifel an Amtsmissbrauch im großen Stil:

"Unser Team hat festgestellt, dass 10,4 Millionen Dollar verschwunden sind, wofür es keine Erklärung gibt. Es gab verschleierte Bankkonten, nicht verbuchte Bargeldtransaktionen und unbegründete Konto-Abhebungen."

Die Millionen, hauptsächlich erwirtschaftet aus Geldbußen wegen Dopingvergehen, vereinnahmte Aján höchstpersönlich und verteilte sie nach Gutdünken. Offensichtlich auch, um bei wichtigen Wahlen stimmberechtigte Delegierte zu bestechen.
Willkür bei Dopingfällen
Bei der Abwicklung von Dopingfällen herrschte Willkür. McLaren und seine Ermittler entdeckten 40 Fälle von prominenten Athleten, deren Bestrafung grundlos hinausgezögert wurde.

"This concealment meant that the 40 dirty athletes could and did continue to compete."

Sie durften weiter starten und Medaillen gewinnen. Inzwischen wurde deswegen die Welt-Anti-Dopingagentur eingeschaltet. McLaren ließ am Donnerstag gegenüber Journalisten offen, ob die Missstände strafrechtliche Konsequenzen haben. Nicht klar ist zum Beispiel, welches Land zuständig ist. Der Verband hat seinen Sitz in Budapest.