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Mecklenburg-VorpommernÖlsuchen mithilfe von Fracking

In Fischland in Mecklenburg-Vorpommern soll demnächst nach Öl gesucht werden, mithilfe einer sogenannten "Bohrstimulation", die ähnlich wie Fracking funktioniert. In der Bevölkerung formiert sich nun Protest. Ölforderung sei in Zeiten der Energiewende unnötig und die Methode gefährlich, so Umweltschützer.

Von Almuth Knigge | 23.05.2014

Bohrturm neben einem großen Ölfass mit der Aufschrift CEPetroleum
Bohrturm der Firma CEP auf Usedom: So soll eines Tages auch die Anlage in Fischland aussehen (dpa/picture alliance/Bernd Wüstneck)
Das Fischland ist das, was man ein kleines Idyll nennen kann. Riesige Felder und Weiden, friedlich zwischen Boddenküste und Ostsee. Ab und zu unterbrochen von ein paar Windkraftanlagen. Nur eine Kleinigkeit stört in diesen Tagen das Idyll - eine Baustelle - mit schwerem Gerät und einem knapp 40 Meter hohen Förderturm - hier wird nach Öl gesucht. Was für ein Bild - erneuerbare und fossile Energie friedlich nebeneinander - beinahe zumindest.
Regelmäßig trifft sich eine Gruppe von Umweltaktivisten vor der Baustelle, beobachtet und demonstriert. Immer öfter kommen auch Anwohner dazu.
Sie haben Fragen. Wer kontrolliert CEP, Central European Petroleum, das Unternehmen, das hier nach Öl bohren will? Vor ein paar Tagen ist Gas abgefackelt worden. Es hat nach Tankstelle gerochen. Aber die größte Frage ist die nach dem warum? Wo Deutschland sich doch für die Energiewende entschieden hat.
"Ist es nötig? Nein. Warum wird es gemacht? Des Geldes wegen."
"You can't be everybody's darling"
Das Öl könnte der Landeskasse Millionen einbringen: je nachdem wie es läuft, träumen die Politiker von 500 Millionen Euro an Einnahmen. Das entspräche knapp sieben Prozent des Landeshaushalts.
"Also laut Wikipedia reicht diese Energiequelle 16 Tage und da ist die Sinnhaftigkeit dahingestellt."
Der Protest, der sich formiert, wird immer breiter. Thomas Schröter, der Geschäftsführer von CEP bleibt gelassen:
"You can´t be everybody's darling und wir haben ja eine Forsa-Umfrage gemacht. Die absolute Mehrheit unterstützt das, was wir machen in Mecklenburg-Vorpommern, aber Sie können nie jeden mitnehmen."
Schröter zuckt die Schultern. Er glaubt die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu wissen - es ist allerdings laut Forsa eine knappe Mehrheit. 51 Prozent der Bürger glauben, dass eine Ölsuche und Förderung dem Land Vorteile bringt. Dazu gehören die Regierungsfraktionen im Schweriner Landtag und ein paar Rentner, die mit dem Fahrrad zur Baustelle gekommen sind. Schon zu DDR-Zeiten wurde hier nach Öl gebohrt.
"Ach Gott, wir sind das hier gewohnt. Sieben Bohrtürme standen hier, da ist nichts passiert und jetzt soll was passieren bei diesem Aufwand hier - da haben sie auf der blanken Erde gebohrt."
Fracking oder Bohrstimulation?
Andere wollen es genauer wissen. Die Antwort des Unternehmens
"Das, was wir hier anwenden, ist eine Technologie, die seit den 60er-Jahren hundertfach angewendet wurde und das ist genau das Gleiche zum gleichen Zweck."
Schröter benutzt nicht den Begriff "Fracken". Die Bohrstelle werde "stimuliert" - mit einem Bohrfluid. Bleibt die Frage:
"Ja, welche Chemikalien werden zur Bohrungsstimulation eingesetzt und wo bleiben die dann und warum sagen sie, dass sie nicht fracken."
Fakt ist, bei der geplanten Fördermethode wird Gestein unter immensem Druck aufgebrochen. Das Unternehmen nennt dies den "Anschluss der Bohrung an die Lagerstätte".
"Ich verstehe ja eine gewisse Verbitterung, dass ein Wort, negativ besetzt ist, dass wir uns das nicht aufzwingen lassen vor dem Hintergrund, dass das der historische Begriff ist, der hier seit den 60er-Jahren benutzt wird."
"Absurde Situation"
Mittlerweile wird der Vorgang aber "Fracking" genannt. Das ist auch die Definition des Bergamtes Stralsund, die letzte Genehmigungsbehörde. Bei der Diskussion wird aber eine Grundsatzfrage nicht beantwortet, findet Christoph von Lieven von Greenpeace Deutschland. Warum überhaupt noch in Zeiten der Energiewende fossile Energieträger gefördert werden.
"Das ist eine vollkommen absurde Situation."
Das hat er auch dem Ministerpräsidenten, Erwin Sellering, gesagt. Der allerdings sieht keine Widersprüche:
"Das ist etwas, was jedem klar ist, dass Öl, Kohle, viel zu wertvolle Rohstoffe sind, um sie zu verfeuern. Wie zum Beispiel Rotorenblätter, die wir für die Windenergie brauchen, da können wir, was das Öl uns liefert, sehr gut gebrauchen. Da spricht nichts dagegen, das passt sehr gut zusammen."