Medienkonzentration in BayernVerlagsgruppe Passau darf Mittelbayerischen Verlag übernehmen

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Mittelbayerischen Verlags durch die Verlagsgruppe um die Passauer Neue Presse genehmigt. Die Gruppe wird damit zu einem mächtigen Player auf dem Regionalzeitungsmarkt. Eine Medienkonzentration, die der Bayerische Journalistenverband kritisch sieht.

Von Michael Watzke / Aktualisierung: Mike Herbstreuth | 27.10.2021

Das Medienzentrum der Verlagsgruppe Passau ("Passauer Neue Presse"), aufgenommen am 07.10.2014 in Passau (Bayern).
Die Verlagsgruppe Passau verantwortet zukünftig auch die Angebote der Mittelbayerischen Zeitung (picture alliance / dpa / Armin Weigel)
Von Ost- bis nach Oberbayern erstreckt sich in Zukunft das Verbreitungsgebiet der Verlagsgruppe PNP um die "Passauer Neue Presse". Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Mittelbayerischen Verlags durch die PNP gestattet - sie sei aus wettbewerbsrechtlicher Sicht unbedenklich, teilte die Behörde mit.
"Die Verbreitungsgebiete der Zeitungen überlappen sich nur marginal, sodass nicht von einem Wettbewerbsverhältnis zwischen den Beteiligten auszugehen ist", so Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt.

Auflage: Verlagsgruppe Passau zieht an "SZ" vorbei

Der Deal zwischen der Verlagsgruppe Passau und dem Mittelbayerischen Verlag war im Juli beschlossen worden und macht die PNP nun zu einem der auflagenstärksten Regionalzeitungsverlage in Bayern, mit einer täglichen Auflage von über 340.000 Stück.
Eine undatiertes schwaz-weiß Bild zeigt den Haupteingang zum Verlagshaus der "Süddeutschen Zeitung" in München, die als erste bayerische Zeitung nach dem Zweiten Weltkrieg lizenziert wurde. 
75. Jubiläum der "Süddeutschen Zeitung"
Am 6. Oktober 1945 erschien die erste Ausgabe der Münchner Tageszeitung, mit der die amerikanische Militärregierung NS-Ungeist vertreiben wollte. Seitdem gehört die "SZ" zu den führenden deutschen Printmedien.
"Wir haben mal draufgeschaut im Bundesvergleich: wenn wir richtig gerechnet haben, geht die PNP mit ihrer Auflagenstärke unter die Top Drei. Sie fährt innerhalb Bayerns an der "Süddeutschen Zeitung" vorbei, natürlich auch in Gesamtdeutschland, und wird sich an die Spitze stellen. Nach unseren Berechnungen hat dann lediglich noch die "Bild"-Zeitung eine höhere Auflagen-Kapazität in Deutschland", sagt Michael Busch, der Vorsitzende des Bayerischen Journalisten-Verbandes - nicht etwa bewundernd, sondern mit Beklemmung.

"Ist die Medienvielfalt noch existent?"

"Die Medienvielfalt ist bei der Zusammenhäufung solcher Medieneinheiten tatsächlich zu hinterfragen. Ist sie noch existent? Sowohl der Bayerische als auch der Deutsche Journalistenverband sieht das sehr kritisch und bemerkt, dass die Konzentration immer stärker wird - dass Häuser auch über Landesgrenzen hinweg kooperieren, dass Nachrichten ausgetauscht werden, bei denen der lokale Bezug oftmals gar keine Rolle mehr spielt."
Die Passauer Verlagsgruppe mit ihrer Verlegerin Simone Tucci-Diekmann äußert sich nicht dazu. Eine Anfrage des Deutschlandfunks ließ der Verlag unbeantwortet.

Geht Einkauftstour von PNP weiter?

Kleine Zeitungen und Medienhäuser haben in Deutschland die Wahl zwischen Pest und Cholera: entweder selbstständig bleiben und Verluste machen - oder fusionieren, neu strukturieren und die Unabhängigkeit verlieren. Personalkürzungen folgen so oder so. Wie beispielsweise auch beim Traditionsblatt "Nürnberger Nachrichten", deren Verlag VNP trotz Sparmaßnahmen immer noch Verluste schreibt. Das nächste Übernahme-Ziel der "Passauer Neuen Presse"? Michael Busch ist zumindest von einem überzeugt:
"Frotzelnd würde ich behaupten, dass die Einkaufstour von Frau Tucci-Diekmann noch nicht beendet ist. Weil sie durch die Verkäufe ihrer Medienanteile, die sie in Polen gehabt hat, schlichtweg noch Geld in der Tasche haben muss. Und das ist noch auszugeben."