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Medienkritik von Mesut Özil"So gehen viele Zwischentöne verloren"

In einem dreiteiligen Statement hat der Fußballer Mesut Özil seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben - und äußerte dabei auch heftige Medienkritik. Diese sei sehr pauschal, sagte Dlf-Sportredakteur Klaas Reese im Dlf. Özil spreche aber einen wichtigen Punkt an.

Klaas Reese im Gespräch mit Christoph Sterz | 23.07.2018

Mesut Özil feiert sein Tor zum 1-0 im EM-Viertelfinale 2016 gegen Italien.
Mesut Özil jubelnd im Deutschlandtrikot - ein Bild, das man in Zukunft so wahrscheinlich nicht mehr zu sehen bekommen wird. (Arne Dedert / dpa)
Er könne nicht akzeptieren, dass deutsche Medien wiederholt seine deutsch-türkische Herkunft und sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für das schlechte Abschneiden bei der WM verantwortlich machten, so Mesut Özil in einem dreiteiligen Statement, das er am Sonntag über seine Social-Media-Kanäle veröffentlicht hat.
"Zeitungen versuchen, die deutsche Nation gegen mich aufzubringen", so Özil - damit würde für ihn eine Grenze überschritten, die niemals überschritten werden sollte.
Ein sehr pauschales Urteil, das man so pauschal auch nicht annehmen könne, sagte Dlf-Sportredakteur Klaas Reese zu Özils Medienschelte im Gespräch bei @mediasres. Aber einen wichtigen Punkt spreche Mesut Özil in seiner Medienkritik an:
"Er schreibt ja: 'Meine Freunde Lukas Podolski und Miroslav Klose werden nie als Deutsch-Polen bezeichnet, also warum bin ich Deutsch-Türke?' Und ich finde, da kann man schon sagen: Da ist eine Nachfrage erlaubt. Und es hat ja schon gewundert, dass Mesut Özil so rausgepickt wurde, auch während der WM schon. Da wird u.a. viel über Körpersprache gesprochen, und das, obwohl er ja das deutsche Team vier Jahre vorher zum Titel geführt hat."
"Viele Zwischentöne gehen dadurch verloren"
Die Art und Weise der Äußerungen Özils, der sich über Facebook und Twitter erklärt hat, hält Reese für sehr clever - so erreiche der Fußballer seine Fans ungefiltert und müsse sich keinen kritischen Fragen stellen. Das könne man als Journalist nur kritisieren, "aber es ist noch kein Punkt, an dem man sagen müsse: Das darf man nicht. Sondern es ist natürlich ein legitimes Mittel, dass Mesut Özil sich so äußern möchte. Schade ist es natürlich trotzdem, weil ich glaube, dass dadurch viele Zwischentöne verloren gehen."
Dies sei allerdings kein Özil-spezifisches Phänomen, auch der DFB selbst verfahre laut Reese oft so. "Aber ich würde natürlich sagen, dass das für den Journalismus auf Dauer ein Problem ist. Weil die Sportlerinnen und Sportler - aber auch andere - nicht mehr darauf angewiesen, dass sie Fragen bekommen. Sie können sich einfach so äußern. Und das führt natürlich dazu, dass bestimmte Fragen, die man eben hat, die man vielleicht zu diesen Erdogan-Fotos hat, die man vielleicht zu den Gefühlen von Mesut Özil hat, gar nicht mehr gestellt werden können."