
Hajok ist Honorarprofessor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt. Er sagte im Deutschlandfunk, zwar seien die heutigen Eltern selbst mit Sozialen Medien aufgewachsen. Die frühen Sozialen Netzwerkdienste seien aber etwas anderes als das, was bei Tiktok und Instagram stattfinde. Auch im Bereich der Erwachsenenwelt gebe es Kompetenzdefizite bei der Mediennutzung. Medienabhängigkeit sehe man etwa bei Computerspielen oder Streamingdiensten, und auch Über-60-Jährige schauten oft seit Jahren fünf, sechs Stunden Fernsehen am Tag. Zudem seien gerade im Rahmen der Coronapandemie Erwachsene empfänglich gewesen für Fake News und Verschwörungsnarrative.
Kritisch sei auch, dass die Bindung an Medien heute immer früher stattfinde, so Hajok. Er verwies auf interaktives Spielzeug im Kinderzimmer. So hätten etwa Hörstifte wie Tiptoi oder digitale Vorleser wie Toniboxen dazu beigetragen, dass ein Fünftel der Kinder im frühkindlichen Bereich nicht mehr physisch von den Eltern vorgelesen bekomme. Gleichzeitig hätten Erziehende von heute mehr Herausforderungen zu bewältigen als vor 20, 30 Jahren. Das seien ungünstige Startvoraussetzungen für Kinder.
Mit Blick auf die Sozialen Medien sagte Hajok, für die Plattformen wiege die Monetarisierung der Daten mehr als der Jugendschutz - deshalb müsse man diesen über Regulierungen sicherstellen. Darüber hinaus brauche es ein flächendeckendendes Schulfach "Medienkompetenz". Denn wenn es an einem Schulfach fehle, dann fehle es auch an der entsprechenden Ausbildung der Lehrkräfte. Ein solches Fach müsse in der Grundschule angesiedelt sein, wenn man präventiv arbeiten wolle.
Gestern hatte sich der CDU-Parteitag für ein Verbot Sozialer Medien für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren ausgesprochen. Auch der Koalitionspartner SPD befürwortet einen solchen Schritt.
Diese Nachricht wurde am 22.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
