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Mehr Ausbildungschancen für Hauptschüler

Schüler mit Hauptschulabschluss haben es schwer, eine Ausbildung zu finden. Eine Studie soll zeigen, dass es sich für Unternehmen aber lohnt, in sie zu investieren, denn sie können sehr gute, loyale Mitarbeiter werden.

Von Claudia van Laak | 22.08.2013

    Trotz der sinkenden Schülerzahlen haben es Jugendliche mit Hauptschulabschluss nach wie vor schwer. Fast die Hälfte von ihnen bekommt nach dem Ende der Schulzeit nicht sofort eine Lehrstelle, muss die Zeit mit oft sinnlosen Berufsvorbereitungskursen und Ähnlichem verbringen. Deshalb haben Arbeitsmarktexperten, Sozialwissenschaftler und Personalchefs heute in Berlin einen Appell veröffentlicht. Unter dem Motto "Habe Hauptschulabschluss, biete Zukunft" wollen sie Unternehmer und Bildungspolitiker für das Anliegen der Hauptschüler sensibilisieren.

    "Mit ein bisschen menschenfreundlicher Unterstützung ist es auch möglich, aus diesen vermeintlich schwierigen Jugendlichen gute, langjährig treue Fachkräfte zu machen."

    Sagt Friederike von Tiesenhausen. Sie hat die Hauptschulstudie der Vodaphone-Stiftung und der industriefinanzierten "Stiftung Neue Verantwortung" geleitet. 20 große und kleine Unternehmen hat von Tiesenhausen ausgesucht, die besonderen Wert auf das Thema Ausbildung legen und denen Hauptschüler am Herzen liegen.

    "Das zentrale Ergebnis ist, dass die Unternehmen, die es bereits machen, sagen, es lohnt sich für uns. Denn die Jugendlichen schließen zu einem hohen Prozentsatz die Ausbildung ab und sie sind nachher sehr loyale und vor allem langfristig dem Unternehmen verbundene Mitarbeiter."

    Der Stahlproduzent ThyssenKrupp in Duisburg ist eine der Firmen, die besonderes Engagement bei der Ausbildung zeigen. Das Großunternehmen mit knapp 1200 Auszubildenden hat ein spezielles Programm für Hauptschüler aufgelegt. Ausgewählte Schüler aus Duisburg und Mühlheim bekommen ab der neunten Klasse eine besondere Unterstützung und werden früh auf eine Ausbildung bei ThyssenKrupp vorbereitet. Volker Grigo, Leiter der Abteilung Talentmanagement:

    "Wir haben gelernt, dass gerade aus dem Projekt Jugendliche rauskommen, die vielleicht intellektuelle Defizite haben. Die vielleicht ein Problem haben, Goethes Faust II gelesen zu haben. Die aber bei uns in der Stahlproduktion nachher wirklich sehr, sehr wertvolle Mitarbeiter sind, die auch eine hohe Bindung ans Unternehmen haben und die auch dann sagen, o.k. das ist jetzt die Grundlage für meinen Lebensentwurf."

    Große Unternehmen haben es leichter, verstärkt Geld und Personal in die Ausbildung von schulschwachen Jugendlichen zu stecken. Mittelständler können das auch, meint Friederike von Tiesenhausen und verweist auf Unterstützungsprogramme von Jobcentern und Kammern.

    Das Berliner Umzugsunternehmen Zapf hat in den letzten Jahren viel in die Ausbildung investiert. Wir kümmern uns um jeden Einzelnen, sagt Ausbildungsleiter Roland Zobel. Hauptschüler brauchen besonders viel persönliche Zuwendung, ist seine Erfahrung. Aber am Ende rechne sich die Investition.

    "Wenn wir uns um unsere Auszubildenden kümmern, dann ist die Gewähr dafür, dass unsere Qualitätsstandards eingehalten werden, erreicht werden, verbessert werden können, höher, als wenn sie sie einfach so durchlaufen lassen. Alle paar Wochen mal eine Unterschrift in einem Ausbildungsnachweisheft geben. Und ansonsten sich um die nicht so weiter kümmern."

    Nicht nur Unternehmen sollten ein stärkeres Augenmerk auf Hauptschüler richten, auch die Bildungspolitikerin, meint Friederike von Tiesenhausen, die Projektleiterin der Studie. Der Bereich Berufsschulen sei zum Beispiel ein Stiefkind der Bildungspolitik.

    "Das ist eine Klage, die man von allen Unternehmen hört, dass die Berufsschulen nicht das liefern, was sie liefern sollen. Ausstattung schlecht, fehlende Lehrkräfte. Und vor allem auch ein Appell hier von uns: Die pädagogische Ausbildung der Berufsschullehrer muss besser werden. Gerade im Sinne der schulschwachen Jugendlichen, die sich im Klassenzimmer schwertun."