Börse
Merz dringt auf EU-Kapitalmarkt

Bundeskanzler Merz drängt auf die Umsetzung eines europäischen Kapitalmarkts.

    Stapel mit Münzen und Grafiken mit Kursen weltweiter Finanzmärkte
    "Wir brauchen eine Art European Stock Exchange" (imago / Zoonar / Klaus Ohlenschläger)
    Dafür müsse man auch mit der notwendigen Finanzmarktinfrastruktur sorgen, sagte er beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt.  Ein europäischer Kapitalmarkt sei auch Voraussetzung für mehr Börsengänge von hoffnungsvollen, sich weiterentwickelnden jungen Unternehmen in Europa und in Deutschland, führte Merz aus. Sie sollten nicht notwendigerweise und immer wieder an die amerikanischen Börsen gehen.
    Merz hatte bereits im Oktober im Bundestag gesagt, nötig sei eine Art European Stock Exchange, damit erfolgreiche Unternehmen wie zum Beispiel Biontech aus Deutschland nicht an die New Yorker Börse gehen müssten. Der Mainzer Impfstoffentwickler, bekanntgeworden in der Corona-Pandemie, war 2019 an die amerikanische Technologiebörse Nasdaq gegangen.

    Umsetzung eines gemeinsamen Kapitalmarkts stockt

    Seit Jahren ringt die Europäische Union um einen gemeinsamen Kapitalmarkt, in dem bürokratische Hürden zwischen den EU-Staaten fallen. Die EU will erreichen, dass mehr Kleinanleger an den Finanzmärkten investieren, damit mehr Geld etwa für Infrastruktur, Digitalisierung und Umweltschutz zur Verfügung steht. Unternehmen sollen sich leichter Geld beschaffen können. Doch die Umsetzung des Projekts stockt.
    Auf einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am 12. Februar will Merz das Thema Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft in den Mittelpunkt stellen.

    Merz rechnet mit schnellem Start für Mercosur-Freihandel

    Das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird nach Merz' Einschätzung noch vor Abschluss einer Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof angewandt werden können. Es werde in dem Augenblick ein vorläufiges Inkrafttreten dieses Handelsabkommens geben, in dem der erste südamerikanische Staat es ratifiziere. Nach heutigem Stand hätten die Versuche im Europäischen Parlament, das Abkommen auf den letzten Metern noch zu verzögern, keinen Erfolg.
    Der Mercosur-Vertrag war zu Jahresbeginn in Paraguay nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen unterzeichnet worden. Es soll eine neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern geschaffen werden. Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen angekurbelt werden. Das Europäische Parlament hatte dann jedoch mit knapper Mehrheit beschlossen, den EuGH vor der Entscheidung über die abschließende Ratifizierung untersuchen zu lassen, ob das Abkommen mit EU-Recht vereinbar ist.

    Merz: Mehr Unabhängigkeit der EU gegenüber den USA

    Merz sprach sich zudem für eine größere Unabhängigkeit der EU gegenüber den USA aus. Die transatlantischen Beziehungen hätten sich verändert. Er bedauere das. Angesichts der globalen Umbrüche sprach der Kanzler von einem Epochenbruch. Derzeit sei eine Welt zu erleben, in der sich wieder Großmächte herausbildeten, die nicht Regeln einhielten, sondern Machtpolitik ausübten.
    Wenn die Europäer geschlossen und entschlossen handelten, dann könnten sie auf der Welt etwas bewirken, betonte Merz. Er sehe einen Weg für ein souveränes, friedliches und ökonomisch prosperierendes Europa. Deutschland komme dabei eine zentrale Rolle zu.
    Neben mehr Souveränität und Unabhängigkeit sei eine große Aufgabe, dass Europa aus eigener Kraft verteidigungsfähig werden müsse. Außerdem müssten die Standortbedingungen für die europäische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig werden.
    Diese Nachricht wurde am 03.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.