Donnerstag, 18. August 2022

Machtmissbrauch
Mehrere Turntrainer freigesprochen

Das nationale Institut für Sportrecht (ISR) der Niederlande hat den früheren Nationaltrainer der niederländischen Kunstturnerinnen, Vincent Wevers, vom Vorwurf des grenzüberschreitenden Verhaltens freigesprochen.  Die eingereichten Beweise hätten für eine Verurteilung nicht ausgereicht.

Von Andrea Schültke | 03.05.2022

    Turntrainer Vincent Wevers (Mitte) im Juni 2021 vor Gericht
    Turntrainer Vincent Wevers (Mitte) im Juni 2021 vor Gericht (imago images/ANP)
    Vor knapp zwei Jahren hatten zahlreiche niederländische Turnerinnen die Ermittlungen ins Rollen gebracht.  Sie warfen ihren ehemaligen Trainern unter anderem körperliche und psychische Misshandlungen vor und das Ignorieren von Verletzungen. Auslöser war die Netflix-Dokumentation "Athlete A" über sexuellen und emotionalen Missbrauch im US-Turnen.
    In den Niederlanden wurden etwa 25 Trainer beschuldigt. Einige waren aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Wie jetzt auch Vincent Wevers, Vater der Olympiasiegerin Sanne Wevers.

    Athletinnen nennen die Untersuchung mangelhaft

    Nach dessen Freispruch werfen Athletinnen dem Sportschiedsgericht ISR nun Inkompetenz vor. Eine von ihnen: Petra Witjes. Auch sie hatte über die Missstände berichtet und bezeichnete die Untersuchung der Vorwürfe durch den Disziplinarausschuss des Sportschiedsgerichts als mangelhaft: "Alles, wovor ich bisher gewarnt habe, wird nun Wirklichkeit. Ein weiterer Schlag für uns ehemalige Turnerinnen und Turner", sagte Witjes gegenüber dem Radio und Fernsehanbieter NOS.
    Die niederländische Turner-Union KNGU hatte Wevers bei Bekanntwerden der Vorwürfe als Nationaltrainer entlassen und seine Reise zu den Olympischen Spielen nach Tokio gerichtlich verhindert.

    Urteil gegen einen Trainer

    Ein weiterer ehemaliger niederländischer Nationaltrainer ist dagegen verurteilt worden. In einem Berufungsverfahren vor sechs Monaten hatte der Sportgerichtshof Gerben Wiersma wegen grenzüberschreitenden Verhaltens schuldig gesprochen.
    Wiersma blieb aber straffrei und ist seit wenigen Wochen neuer Bundestrainer Frauen des deutschen Turnerbundes. Nach seinen Angaben liegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe lange zurück. Danach sei er einer der Initiatoren eines kulturellen Wandels im Turnen gewesen, wird Wiersma in niederländischen Medien zitiert.