Sonntag, 22. Mai 2022

Mittelmeer
3.000 Flüchtlinge binnen 24 Stunden

Die Zahl der Migranten, die von Nordafrika aus Italien anstreben, nimmt stetig zu. Doch so viele wie an diesem Samstag waren es vermutlich noch nie. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 3.000 Flüchtlinge aufgegriffen. Viele stammen aus Syrien.

31.05.2014

Schlauchboot treibt mit Flüchtlingen aus Afrika auf dem Mittelmeer.
Flüchtlinge, die von der italienischen Marine im Mittelmeer aufgegriffen wurden. (Archivbild) (dpa / Italian Navy Press Office )
Italienischen Behörden zufolge hatte das Marineschiff "Libra" 450 Migranten an Bord geholt. Es begleitete zudem dabei einen Schlepper, der etwa 1.300 Flüchtlinge in den Hafen von Ragusa bringen sollte. Ein Fischerboot mit 250 Migranten war bereits dorthin geschleppt worden. Alle Migranten sollten noch am Samstag auf Sizilien ankommen.
Auch der sizilianische Hafen Empedocle war Anlegestelle für Flüchtlinge. Kurs dorthin hatte das Patrouillenboot "Peluso" mit mehr als 307 Syrern an Bord genommen, ebenso das Marineschiff "Euro", das 531 Flüchtlinge gerettet hatte. Vor allem aus Syrien kommen wegen des andauernden Bürgerkrieges vermehrt Migranten in Italien an.
39.000 Ankünfte allein in diesem Jahr
Jeden Monat versuchen tausende Menschen, von der nordafrikanischen Küste aus in überladenen Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Nach Angaben der italienischen Regierung strandeten im Laufe des Jahres bereits 39.000 Flüchtlinge an den Küsten Italiens oder wurden aufgegriffen. Die 2013 registrierte Gesamtzahl von 43.000 Ankünften dürfte damit in diesem Jahr deutlich übertroffen werden.
Bei den Überfahrten kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Eines der schlimmsten Unglücke ereignete sich im Oktober 2013, als vor Lampedusa 366 Flüchtlinge ums Leben kamen. Das überfüllte Boot war in der Nähe der Insel gekentert. Rom hatte danach die Operation "Mare Nostrum" initiiert, bei der Kriegsschiffe, Drohnen und Hubschrauber eingesetzt werden, um Flüchtlingsboote ausfindig zu machen.
Experten für schnelleres Asylverfahren in der EU
Nach Ansicht des Abteilungsleiters für Asyl in der EU-Kommission, Matthias Oel, muss die EU mehr Geld in sichere und schnellere Flüchtlingsverfahren investieren. Beim Katholikentag in Regensburg plädierte Oel am Samstag für mehr Unterstützung der EU-Mitgliedsstaaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisengebieten. Eine bessere Zusammenarbeit mit afrikanischen Herkunftsländern bezeichnete er als dringend notwendige Maßnahme im Kampf gegen Schleuser und die Gefahren der illegalen Flucht.
Ähnlich äußerte sich der Vizepräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Michael Griesbeck. "Die Zahl derer, die ihr Leben auf dem Weg nach Europa riskieren, muss verringert werden." Der Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, Pater Balleis, appellierte unterdessen an die Politik, mehr Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.
(tön/ion)