Nach Kritik von Bostoner BasketballerChina macht Druck auf die NBA

Schlechte Nachrichten für Fans der Celtics in China: Die Spiele des Bostoner Basketballclubs sind in chinesischen Medien nicht mehr zu sehen. Der Grund: Gestern hatte Celtics-Spieler Enes Kanter in einem Video seine Unterstützung für Tibet in einem Video getwittert.

Von Doris Simon | 21.10.2021

Beim Spiel seiner Boston Celtics gegen die New York Knicks trug Enes Kanter die Schuhe mit der Aufschrift "Free Tibet".
Beim Spiel seiner Boston Celtics gegen die New York Knicks trug Enes Kanter die Schuhe mit der Aufschrift "Free Tibet". (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Mit seinem Twitter-Video wollte Enes Kanter auf die Ereignisse in Tibet hinweisen. Unter der brutalen Herrschaft der chinesischen Regierung, so Kanter, gebe es keine Grundrechte und -Freiheiten für das tibetische Volk.
Kanter, im T-Shirt mit dem Bild des Dalai Lama, bezeichnete Chinas Präsident Xi Jinping in dem Video als "brutalen Diktator". Am Abend beim Spiel gegen die Knicks trug der Center der Boston Celtics Schuhe, designt von einem exilchinesischen Künstler in tibetischen Farben und mit der Aufschrift "Freiheit für Tibet".
Die chinesische Plattform Tencent mit mehreren hunderttausend Zuschauern brach umgehend die Übertragung des Spiels ab, für die chinesischen Fans fiel die Nachspielzeit aus. Eine Celtics-Fanseite in Chinas beliebtem Kurznachrichtendienst Weibo stoppte ihre Posts über den Bostoner Club.

Chinas Reaktion nicht die erste ihrer Art

Es ist nicht das erste Mal, dass China so auf Kritik reagiert: Ein Sieben-Worte-Tweet von Manager Daryl Morey über die Demokratiebewegung in Hongkong führte 2019 zum Streaming-Aus für die Houston Rockets, das staatliche chinesische Fernsehen übertrug keine NBA-Spiele mehr. Als Morey 2020 Präsident der Philadelphia 76ers wurde, nahm der Streamingdienst die Spiele der Sixers aus dem Angebot.
NBA-Commissioner Adam Silver rechnete vor, der Liga gingen dadurch geschätzte allein in einem Jahr 400 Millionen Dollar verloren. Um das lukrative China-Geschäft nicht dauerhaft zu verlieren, versuchten NBA-Offizielle seither unter anderem mit hochoffiziellen Glückwünschen zu chinesischen Festtagen für besseres Wetter zu sorgen.

Kanter bezog schon häufiger Stellung

China werde solche Angriffe niemals akzeptieren, reagierte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums heute. Enes Kanter gehe es nur darum, Aufmerksamkeit zu erregen.
Tatsächlich hat sich der Celtics-Spieler häufiger Position gegen Menschenrechtsverletzungen bezogen. Kanter, der als 17-Jähriger aus Istanbul in die USA kam, um dort Basketball zu spielen, gehört der Gülen-Bewegung an, er hat den türkischen Präsidenten Erdogan mehrfach kritisiert. Am Dienstag postete Kanter den 10. Haftbefehl der türkischen Behörden gegen ihn auf Twitter.