Nach Leichtathletik-Hallen-EM in PolenCorona-Fälle sorgen für Verunsicherung für Olympia

Zwei Wochen nach der Leichtathletik-Hallen-EM im polnischen Torun ist die Zahl der Corona-Fälle in die Dutzende gestiegen, auch das deutsche Team hat es erwischt. Die Verunsicherung ist groß, denn das Hygienekonzept der EM ließ keine sichtbaren Lücken erkennen. Was heißt das jetzt für die geplanten Olympischen Sommerspiele in Tokio?

Von Arne Lichtenberg | 18.03.2021

Das Finale über 3000 Meter der Männer bei der Leichtathletik-Hallen-EM in Torun/Polen.
Das Finale über 3000 Meter der Männer bei der Leichtathletik-Hallen-EM in Torun/Polen. (www.imago-images.de)
Bestätigt sind offiziell 15 Infektionen beim italienischen Team, neun bei den Niederlanden und acht in Großbritannien. Auf deutscher Seite gibt es nach Angaben des Deutschen Leichtathletik-Verbands sieben positive Corona-Fälle. Auch fast zwei Wochen nach dem Event herrscht Unklarheit, wo sich die Sportler angesteckt haben könnten. Im Verdacht steht eine Aufwärmhalle, wo mehrere Athleten aus unterschiedlichen Nationen ohne Maske trainiert hatten. Doch die deutsche Kugelstoßerin Christina Schwanitz ist sich da nicht so sicher. Corona sei ein tückisches Virus:
"Und dann kommt dazu, dass man sich das auch überall einsammeln kann, das gefährliche an Corona ist ja, dass man selbst am Eingang von einem Testzentrum sich das an der Türklinke einsammeln könnte. Dementsprechend ist man der Gefahr überall ausgesetzt."

Bisherige Hygienemaßnahmen scheinen nicht mehr zu greifen

Für das Internationale Olympische Komitee und die Olympia-Macher von Tokio sind diese Ereignisse ein Problem. Denn offenbar funktionieren die bisher geplanten Hygienemaßnahmen mit den neuen Virus-Mutationen nicht mehr. Die derzeitigen Konzepte stammen größtenteils aus den Erfahrungen, die in den ersten Monaten der Pandemie gewonnen wurden. Die britische Mutation ist aber deutlich ansteckender als der Wildtyp des Virus. Die alten Hygienekonzepte scheinen offenbar nicht mehr zu greifen.
Übergabe bei der 4x400-Meter-Staffel der Frauen bei der Hallen-EM in Torun 2021.
Übergabe bei der 4x400-Meter-Staffel der Frauen bei der Hallen-EM in Torun 2021. (IMAGO / Chai v.d. Laage)
Diverse Corona-Fälle nach Wettkämpfen - Superspreader-Events in der Leichtathletik und im Fechten?
Diverse Sportler sind positiv auf Corona getestet worden, nachdem sie an der Leichtathletik-Hallen-EM in Polen und dem Fecht-Weltcup in Ungarn teilgenommen haben. Womöglich haben sich die Sportler beim Aufwärmen oder den Wettkämpfen angesteckt. Das könnte auch die Olympischen Spiele in Tokio gefährden.
Dementsprechend rückt auch wieder die Impfdebatte für Olympia-Athleten in den Vordergrund. Muss für die Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Tokio deswegen zwingend eine Impfplicht herrschen, damit sie vor einer Ansteckung am Coronavirus oder dessen Ausbreitung geschützt sind? Kugelstoßerin Schwanitz steht dem Impfen generell nicht positiv gegenüber.

Schwanitz hadert mit Impfung als Voraussetzung für Olympia

"Wenn ich die Wahl wirklich habe, ich möchte mich nicht impfen lassen. Wenn es nur diese Prämisse gibt, du musst dich impfen, damit Du nach Tokio kannst, muss ich tatsächlich mit mir ins Gericht gehen und ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nach Tokio fahren möchte."
Ihr sei der Impfstoff noch nicht ausreichend geprüft und sie persönlich fühle sich nicht umfassend aufgeklärt, sagt sie gegenüber dem Deutschlandfunk. Außerdem fürchte sie Nebenwirkungen, die sich negativ auf ihre Ergebnisse bei Olympia-Qualifikationswettbewerben auswirken könnten.
Sportschützin Manuela Schmermund in Rio 2016 bei den Paralympics
Sportschützin Manuela Schmermund in Rio 2016 bei den Paralympics (Kay Nietfeld/dpa)
Athletensprecherin Manuela Schmermund - "Würde ohne Impfung nicht nach Tokio fahren"
Para-Athletinnen und -Athleten seien bei einer möglichen Impf-Priorisierung "schlichtweg vergessen worden", sagte Para-Sportlerin und Athletensprecherin Manuela Schmermund im Dlf. Auf den von IOC-Präsident Thomas Bach ins Spiel gebrachten chinesischen Impfstoff wolle sie ohne EU-Zulassung nicht zurückgreifen.
Der Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbands, Idriss Gonschinska, hat, was das Impfen von Olympia-Athleten betrifft, eine klare Haltung. Zuerst sind die Risikogruppen in der Gesellschaft an der Reihe.
"Solange der Impfstoff noch knapp ist, muss, und das ist meine persönliche Meinung, die Vergabe priorisiert werden. Und insofern folgen wir als Deutscher Leichtathletik-Verband der Vorgabe für den Impfprioritäten der Bundesregierung. Und sehen derzeit keine Priorisierung der Athleten."
Allerdings betonte Gonschinska gegenüber dem Deutschlandfunk: Die Situation könne sich ändern, wenn ausreichend Impfstoff für alle Bevölkerungsgruppen vorhanden sei.