Freitag, 19. August 2022

Nach Räumung wegen Terrorgefahr
"Rock am Ring" geht weiter

Das nach einer Terrorwarnung unterbrochene Musikfestival "Rock am Ring" ist fortgesetzt worden. Bei einer Überprüfung des Geländes am Nürburgring wurde laut Polizei nichts Verdächtiges gefunden. Drei Personen wurden vorübergehend festgenommen.

03.06.2017

    Festivalbesucher stehen beim Musikfestival "Rock am Ring" am 03.06.2017 in Nürburg (Rheinland-Pfalz) während des Auftritts der Band "Lower Than Atlantis" vor der Hauptbühne.
    Musikfestival Rock am Ring (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
    Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) äußerte sich am späten Vormittag mit Polizei-Vertretern und Veranstalter Marek Lieberberg auf einer Pressekonferenz. Demnach wurden am späten Abend drei Personen vorübergehend festgenommen. Die Ermittler sehen bei ihnen Verbindungen zum islamistischen Terror. Am Samstagmorgen seien die Verdächtigen wieder freigelassen worden. Mindestens einer von ihnen soll über eine der bei "Rock am Ring" eingesetzten Firmen Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen des Festivalgeländes gehabt haben.
    Polizeipräsident Wolfgang Fromm berichtete, es hätten Zweifel an der Echtheit der Namen der Personen bestanden, die auf den Backstage-Karten angegeben waren. Dies habe die abstrakte Gefährdungslage am Abend deutlich konkretisiert. In Absprache mit den Sicherheitsbehörden des Landes sei daraufhin entschieden worden, die Veranstaltung zu unterbrechen, um notwendige Ermittlungen durchführen zu können.
    Keine verdächtigen Gegenstände auf dem Gelände
    Unter anderem seien mehrere Wohnungen in Hessen durchsucht worden, berichtete Christoph Semmelrogge von der Koblenzer Polizei. Man habe zahlreiche Beweisstücke sichergestellt, die nun ausgewertet würden. Die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen wegen Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechen gegen die Verdächtigen eingeleitet. Zudem seien die Firmen überprüft worden, die die Verdächtigen für das Festival akkreditiert hatten.
    Die Ermittlungen dauerten nach Angaben der Polizei die ganze Nacht über. Gegen 7.00 Uhr seien die drei Personen wieder freigelassen worden. Nach einer Durchsuchung des Festivalgeländes und der Feststellung, dass keine verdächtigen Gegenstände hinterlassen wurden, sei die Fläche wieder freigegeben worden.
    Lieberberg: "Ein Zeichen für unsere Kultur"
    Die Polizei und der Veranstalter lobten ausdrücklich das disziplinierte Verhalten der Fans bei der Räumung des Geländes. "Es war von Toleranz, Verständnis und Friedfertigkeit geprägt", sagte Lieberberg. Die Fans hätten damit "auch ein Zeichen für unsere Kultur gesetzt". Sie hätten gemeinsam demonstriert, dass 86.000 Besucher in einer Viertelstunde das Gelände verlassen könnten, ohne in Panik und Angst zu geraten.
    Kurz nach Unterbrechung des Festivals durch die Polizei hatte Lieberberg am Freitagabend noch sein Unverständnis wegen der Entscheidung der Sicherheitsbehörden geäußert. Er vertrat die Ansicht, man müsse jetzt für Versäumnisse der Polizei bei anderen Großveranstaltungen der Vergangenheit büßen. Lieberberg spielte damit auf den Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 an.
    Kritik an Lieberberg
    Außerdem forderte der Konzertveranstalter, dass Muslime sich deutlicher von islamistisch motiviertem Terror distanzieren müssten. Diese pauschalen Äußerungen Lieberbergs stießen auf Kritik. Der Veranstalter sagte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", es könne gut sein, dass er da etwas über das Ziel hinausgeschossen sei. Er erwarte jedoch von allen Beteiligten eine eindeutige Gegnerschaft zu Gewalt und Terror. Liebermann betonte, er habe von den Behörden die Information erhalten, dass die festgenommenen Personen zur Salafistischen Szene gehörten.
    "Rock am Ring" war am Freitagabend unterbrochen worden, nachdem die Polizei Hinweise auf eine mögliche Terrorgefahr bekommen hatte. Das Musikfestival begann gestern und soll noch bis morgen dauern. Im vergangenen Jahr war das Festival wegen eines Unwetters vorzeitig beendet worden.
    (tj/tzi/am)