Kommentar – Friedenspreis für die NATO: eine gute Entscheidung

Die NATO ist mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. Die Entscheidung der Jury hatte teils heftige Kritik hervorgerufen. Doch der Blick auf viele Länder macht deutlich: Das Schutzversprechen des Militärbündnisses ist attraktiv.

Von Klaus Remme |
Panzergrenadiere der Bundeswehr der Bravo-Einheit eines Puma-Schützenpanzers kämpfen bei der Gefechtsübung "Freedom Shield 2026" in Litauen.
Friedenssicherung durch Abschreckung: Kampfverband der Bundeswehr in Litauen an der NATO-Ostflanke (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
„Frieden schaffen ohne Waffen“, wer sich diesem Motto verschrieben hat, für den muss die NATO als Friedenspreisträgerin eine Provokation ersten Ranges sein.
Unmittelbar nachdem die Entscheidung der Jury im vergangenen November bekannt geworden war, begann eine Kontroverse, die niemanden überraschen konnte und in der erstmaligen Verleihung eines Gegenpreises gipfelte.
Man muss auch kein in der Wolle gefärbter Pazifist sein, um bei der NATO-Auszeichnung für den Frieden spontan Störgefühle zu bekommen – übrigens auch beim Blick auf die Zusammensetzung der Jury: Vom Bundespräsidenten abwärts fast alles nur aktive oder ehemalige Spitzenpolitiker; elf Mitglieder, keine Frau, ein reiner Männerclub. Wann merken die das?

Allianz für Schutz vor Gewalt und Tod

Doch zurück zur NATO: Einige Historiker argumentieren, warum gerade ein Militärbündnis die falsche Wahl für die Erinnerung an den Westfälischen Frieden ist, andere begründen genau das Gegenteil. Man muss die historische Verbindung zu 1648 auch nicht strapazieren – bei früheren Preisträgern wie dem jordanischen König oder den Astronauten der Internationalen Raumstation schien das auch kein starkes Kriterium gewesen zu sein.
Nur so viel: Auch wenn es über 300 Jahre her ist, darf doch vermutet werden, dass Millionen von Menschen seinerzeit froh gewesen wären über eine Allianz, die ihnen Schutz vor Hunger, Vertreibung, Folter, Gewalt und Tod geboten hätte. Daran hat sich für heutige Generationen nichts geändert.

Wunsch nach NATO-Schutz

Gut zwei Flugstunden von Berlin Richtung Osten kämpfen Millionen von ukrainischen Männern, Frauen und Kindern seit Jahren ums Überleben und um Sicherheit, die hierzulande für viele immer noch selbstverständlich zu sein scheint.
Nicht so in Georgien, nicht in Moldawien, dort wünscht man sich den NATO-Schutzschirm. Nicht in Finnland, nicht in Schweden, wo nach dem russischen Überfall auf die Ukraine blitzschnell mit dem NATO-Beitritt jahrzehnte-, im Fall Schwedens jahrhundertealte Gewissheiten über Bord geworfen wurden. Und auch die Menschen in Polen und den baltischen Ländern wissen, dass ihre Sicherheit zu einem nicht geringen Teil der NATO geschuldet ist.
Es stimmt, dieser Schutz beruht vor allem auf Abschreckung. Ist das ein Frieden zweiter Klasse? Pazifisten werden das so sehen. Aber selbst im Kalten Krieg mit phasenweise kooperativen Machthabern im Kreml war das so. Wladimir Putin ist nicht kooperativ, im Gegenteil, und deshalb ist eigene Stärke wichtiger denn je. Sie sorgt übrigens auch dafür, dass NATO-Kritiker in Münster demonstrieren und Gegenpreise verleihen können.
Gerade Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten allzu sehr auf andere in der NATO verlassen. Diese Zeiten sind vorbei. Der Bundeskanzler hat in seiner Rede keinen Zweifel daran gelassen. Auch deshalb ist die Auszeichnung für die westliche Allianz eine gute Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.