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Schwache Streifen aus den USA, Deutschland und Polen

Die Kinowoche hat nichts spannendes zu bieten: ein Godzilla-Remake, das überraschungsfrei zu einer banalen Zerstörungsorgie ausartet, ein verstörende Story aus Deutschland mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen und ein Drama aus Polen über Priester, die im Zwiespalt zwischen ihren sexuellen Neigungen und den Regeln ihrer Kirche stehen.

Von Hartwig Tegeler | 14.05.2014
    Die Schauspieler Moritz Bleibtreu (r), Jürgen Vogel (l) und der Regisseur Maximilian Erlenwein (M) posieren am 19.07.2013 während Dreharbeiten des Films «Stereo» in Halle.
    Die Schauspieler Moritz Bleibtreu (r), Jürgen Vogel (l) und der Regisseur Maximilian Erlenwein (M) während Dreharbeiten des Films "Stereo" in Halle. (dpa / Stefan Erhard)
    "Godzilla" von Gareth Edwards
    "1954 haben wir etwas aufgeweckt. – All diese Nukleartests im Pazifik waren keine Tests. – Sie haben versucht, es zu töten."
    Aber so einfach ist es nicht totzukriegen: dieses Monster, das vor 60 Jahren zum ersten Mal im japanischen Film "Godzilla" aufgetaucht ist und das seitdem in Dutzenden Streifen eher für unfreiwillige Komik denn für Schrecken gesorgt hat. Jetzt hat sich Hollywood erneut daran gemacht, der Riesenechse neues Leben einzuhauchen und gleichzeitig dem Original von 1954 Respekt zu zollen. Schließlich handelt es sich hier nur vordergründig um eine Geschichte von einem Monster, das alles niedertrampelt, was sich ihm in den Weg stellt. "Godzilla" muss vielmehr als eine Allegorie auf die Verantwortungslosigkeit der Menschen verstanden werden, als Kritik gegenüber dem Vernichtungswahn, der mit der Erfindung der Atombombe eine neue Dimension erreicht hat.
    "Die Arroganz der Menschen ist zu glauben, wir hätten die Natur unter Kontrolle. Und nicht andersherum."
    Der Wissenschaftler warnt, die Monster wüten – es sind gleich mehrere weltweit aktiv und der Held der Geschichte muss – wie üblich – seine Angehörigen retten.
    "Meine Familie ist in der Stadt, okay? Ich muss auf diesen Zug."
    Genauso überraschungsfrei wie die banale Geschichte fällt die Zerstörungsorgie aus. Die ethische Komponente ist in diesem Musterbeispiel für Popcorn-Kino nur Staffage. In Erinnerung bleiben von dem leidlich unterhaltsamen Katastrophenspektakel allenfalls die Hüften des neuen Ungeheuers. Die sind nämlich – nach Ansicht vieler Japaner – im Vergleich zu denen im Original von 1954 zu breit geraten. Möglich, dass ein adipöses Monster eine besonders subtile Form von Gesellschaftskritik ist.
    „Godzilla": zwiespältig.
    "Stereo" von Max Erlenwein
    "Jemand ist bei mir. Nur ich kann ihn sehen. Ich will ihn loswerden."
    Immer näher ist er Erik gekommen. Erst hat er ihn nur aus der Entfernung beobachtet. Jetzt aber weicht er ihm nicht mehr von der Seite. Die nur für Erik sichtbare Gestalt mischt sich immer wieder in sein Leben ein. Ein Leben, das auf den ersten Blick ganz gewöhnlich ist. Erik betreibt eine kleine Motorradwerkstatt und genießt die Zeit mit seiner neuen Freundin.
    "Du bist das Beste, was mir seit einer Ewigkeit passiert ist. Tu mir mal bitte einen Gefallen! Nimm die Schlampe und fick sie dahinten auf der Werkbank. Ich langweile mich hier zu Tode."
    So wenig Erik eine Erklärung für seinen ständigen Begleiter hat und immer mehr an ihm verzweifelt, so sehr müht sich der Zuschauer, Licht ins Dunkel der Handlung von Maximilian Erlenweins Film "Stereo" zu bringen. Keine dankbare Aufgabe, denn von Anfang an versteht es Erlenwein nicht, Interesse zu wecken an dem von Jürgen Vogel gespielten Erik. Wie aber soll die Dechiffrierung einer Handlung Freude bereiten, wenn einem der Protagonist gleichgültig ist?
    "Du existierst nicht. Du kannst mir nichts tun. Dann ist ja alles gut."
    Moritz Bleibtreu als Eriks Schatten übernimmt den vulgären Stichwortgeber. Das übrige Personal besteht aus einer Handvoll skurriler Gangstertypen. "Stereo" will ein Psychothriller sein. Von denen gibt es in Deutschland nicht all zu viele. Maximilian Erlenweins Versuch, das zu ändern verdient zwar Anerkennung. Doch allein verquere Figuren und merkwürdige Handlungsstränge sorgen noch nicht für Spannung.
    "Stereo": enttäuschend.
    "Im Namen des ..." von Malgorzata Szumowska
    Wie ein Getriebener rennt Jesuiten-Priester Adam regelmäßig durch den Wald. Mit diesem Bild eröffnet die polnische Regisseurin Malgorzata Szuwowska ihren Film "Im Namen des ...". Dass das Laufen einen Akt der Buße darstellt, erfahren wir später, wenn der Pater einem Jungen die Beichte abnimmt.
    "Ich war plötzlich mit so einem Typen im Zimmer und habe ihm einen geblasen. Unfassbar oder? Weißt du was: Zur Buße läufst du eine Stunde am Tag."
    Was niemand weiß: Auch Adam hat homosexuelle Neigungen, die er immer schwerer kontrollieren kann. "Im Namen des ..." zeigt zum einen den inneren Konflikt des Priesters, zum anderen auch die Gefahr von außen, dass sein Geheimnis aufgedeckt wird.
    Behutsam, in ruhigen, manchmal fast poetischen Bildern erzählt der Film von einer Identitätskrise. Das ist immer dann stark, wenn die Regisseurin ganz beim Priester bleibt. Zu holzschnittartig sind dagegen die meisten Nebenfiguren geraten.
    "Im Namen des ...": akzeptabel.