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Neue NRW-Landesregierung
Bisheriger Verleger-Präsident wird Medienminister

Der neue NRW-Ministerpräsident Armin Laschet macht einen Zeitungsvertreter zum Medienminister. Der bisherige Präsident des Verbandes Deutscher Zeitungsverleger, Stephan Holthoff-Pförtner, wechselt in die Landesregierung. Der Medienwissenschaftler Horst Röper sieht mögliche Interessenkonflikte.

Horst Röper im Gespräch mit Michael Borgers | 29.06.2017
    Stephan Holthoff-Pförtner
    Stephan Holthoff-Pförtner wird Minister in Nordrhein-Westfalen (dpa / Sophia Kembowski)
    Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, Internationales und Medien - so lautet Stephan Holthoff-Pförtners neuer Titel. Bisher arbeitete der 68-jährige Essener vor allem als Rechtsanwalt und vertrat unter anderem den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl; zusammen mit dessen Witwe kümmert er sich im Moment um den Nachlass Kohls. Seit vorigem Jahr ist er Schatzmeister der nordrhein-westfälischen CDU.
    Holthoff-Pförtner ist außerdem Mitgesellschafter der Funke-Mediengruppe, die zwölf Regionalzeitungen, rund 40 Zeitschriften und mehr als hundert Anzeigenblätter verlegt. Zu den bekanntesten Titeln gehören die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und die Fernsehzeitschrift Hörzu. Seit Dezember vertrat Holthoff-Pförtner als Präsident auch den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger; dieses Amt hat er heute niedergelegt.
    "Einarbeiten muss sich Holthoff-Pförtner sicherlich nicht"
    Der Journalist und Medienwissenschaftler Horst Röper vom privaten Medienforschungsinstituts FORMATT in Dortmund sieht dennoch Interessenkonflikte, weil Holthoff-Pförtner ja weiterhin Mitgesellschafter eines der größten Medienunternehmen in Nordrhein-Westfalen bleibe. "Da wird man gespannt beobachten müssen, wie er diese beiden Eigenschaften - Zuständigkeiten als Minister und eben auch Zuständigkeiten als Miteigner - auseinanderhält."
    Der Minister habe insofern zwei Interessen zu berücksichtigen. Schließlich besitze die Funke-Mediengruppe nicht nur Zeitungen und Zeitschriften, die traditionell in Nordrhein-Westfalen wenig reguliert seien, sondern ist auch an privaten Radiosendern in Nordrhein-Westfalen beteiligt, die immer sehr stark reguliert würden, so Röper.
    Röper lobt, dass Holthoff-Pförtner sich im Mediengeschäft auskenne - das sei in der Medienpolitik nicht selbstverständlich, die immer ein eher kleines Politikfeld sei, in der immer wieder Neulinge auftauchten. "Einarbeiten muss sich Holthoff-Pförtner in diese Branche sicherlich nicht", so Röper im Deutschlandfunk.