Mittwoch, 06. Juli 2022

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Neuroathletiktraining
Die Suche nach dem richtigen Reiz

Die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper tut es, Profifußballer wie Mario Götze oder Serge Gnabry: Neuroathletiktraining. Auch Marc Nölke arbeitet damit: "Wir schauen uns Bewegungsprobleme aus neurologischer Perspektive an", sagte der ehemalige Skispringer und heutige Trainer im Dlf.

Marc Nölke im Gespräch mit Jonas Reese | 12.08.2018

Die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper blickt zur Resultate-Wand beim Halbfinale über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM in London.
Hier schaut sie über linke Schulter: Vor dem Start allerdings stellt sich die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper nach eigener Aussage eine Rechtsdrehung vor. (imago - Action Plus)
Die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper stellt sich laut eigenen Angaben vor ihrem Start vor, sich einmal rechts um die eigene Achse zu drehen. Warum genau sie das tut, könne er aus der Ferne nicht sicher sagen, denn "das Nervensystem jedes Menschen ist absolut einzigartig", sagte Marc Nölke in der Sendung "Sport am Sonntag". Er nehme aber an, "dass Gina damit ihr Kleinhirn auf der betreffenden Seite zusätzlich aktivieren möchte, um so möglicherweise gleichmäßigen Druck in die Startblöcke zu kriegen."
Den passenden Reiz finden - und produzieren
Marc Nölke war früher selbst Skispringer und ist heute Trainer - unter anderem für Neuroathletik. "Wir schauen uns Bewegungsprobleme aus neurologischer Perspektive an", erklärt er. Das Ziel sei, bestimmte Bereiche im Nervensystem eines Sportlers spezifisch zu aktivieren, um positive Auswirkungen auf den Bewegungsapparat zu haben. "Wir schauen: Was passiert, wenn wir diese Bereiche gezielt stimulieren? Wird die Leistung besser? Gibt es eine bessere Bewegung? Wird die Bewegung effizienter?"
Hat der Neuroathletik-Trainer den passenden Reiz gefunden, könne der Athlet diesen Reiz gezielt immer wieder produzieren: Selbständig oder mit einem Trainer, vor dem klassischen Training oder danach - angepasst an die individuellen Erfordernisse des Athleten, erklärt Marc Nölke.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.